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5. Mai 2008, 16:02 Uhr

Evas "lesbokratischer Stalinismus"

Kein Wort über die Familienpolitik der Nazis, dafür etliches über weibliche Biologie und das "natürliche Rollenbild der Frau". Bei der Vorstellung ihres neuen Buchs in Stuttgart gab Moderatorin und Autorin Eva Herman die missverstandene Weltverbesserin. Von Eva Wolfangel, Stuttgart

Eva Herman ist zurück - und stellt ihr neues Buch "Das Überlebensprinzip" vor© Bernd Weißbrod/DPA

In rosa Blazer und weißem Rock sitzt Eva Herman unter den Plakaten, die ihr Buch ankündigen und bemüht sich, das strahlende Lächeln des Bildes noch zu übertreffen. Aber die Mimik der echten Eva Herman wirkt genauso gefroren wie die der Eva Herman auf dem Cover ihres neuen Werkes "Das Überlebensprinzip". "Mir geht es gut", sagt sie tapfer in die Kameras, auch wenn sie "eine nicht ganz einfache Zeit" hinter sich habe. Konkreter wird sie nicht, vage spricht sie von "Unruhen der letzten Monate". Die Presse ist allerdings heute gnädig. Keine Fragen nach den Fettnäpfchen der Vergangenheit, keine historischen Exkurse in die Zeit der nationalsozialistischen Familienpolitik. "Die hat gute Anwälte", raunen sich einige Kollegen zu, "da muss man vorsichtig sein."

So bekommt Eva Herman im gediegenen Literaturhaus in Stuttgart endlich jene Plattform, die ihre Thesen ohne die vorangegangene Diskussion sicher nie bekommen hätte. Viel Neues ist nicht dabei, und das ist vor allem Verteidigung ihrer bisherigen Biologismen. Nein, sie vertrete kein "traditionelles", sondern vielmehr ein "natürliches Rollenbild", nach dem eine Mutter für ihre Kinder da zu sein hat. Dafür gebe es rein biologische Gründe: Eine Hormonausschüttung sorge während der Schwangerschaft dafür, dass der Karrierewunsch in den Hintergrund trete.

Auch das neue Buch biete Angriffspunkte, räumt die ehemalige Sprecherin der "Tagesschau" ein: "So erscheint es sicher merkwürdig, dass jemand, der wie ich Karriere gemacht hat, plötzlich umdrehen möchte und in eine ganz andere Richtung weitergehen möchte." Von der Karrierefrau zur glücklichen Mutter - so möchte sie sich in der Öffentlichkeit sehen. Dass das Karriereende unfreiwillig war, lässt sie dabei lieber unter den Tisch fallen: Der NDR hatte sich nach ihren umstrittenen Äußerungen im September vergangenen Jahres von seiner Moderatorin mit dem Hinweis getrennt, ihr "Mutterkreuzzug" sei nicht länger mit ihrer Aufgabe zu vereinbaren.

Von kritischen Fragen weit entfernt

Wieso Eva Herman nach dem "Eva-Prinzip" und dem "Prinzip Arche Noah" nun das "Überlebensprinzip" in Interviewform nachlegt, ist erklärungsbedürftig. Selbst der Initiator des neuen Buches, Alt-Verleger Friedrich Hänssler, gerät während der Präsentation sichtlich in Erklärungsnot. "Man darf doch noch Fragen stellen", sagt er in gebückter Verteidigungshaltung, noch bevor entsprechende Fragen gestellt werden und betont eilig, dass alles seine Idee und nicht etwa die von Eva Herman gewesen sei. Auf 170 Seiten stellt er Fragen, die von einem kritischen Interview weit entfernt sind, auch wenn der Hänssler-Verlag versucht, es als solches zu verkaufen. "Und deshalb hat die Medienlandschaft Sie fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel, nachdem Sie sich von einer geforderten Mainstream-Ideologie verabschiedet haben?", spielt Hänssler Eva Herman den Ball zu, den sie nur zu gerne auffängt.

Das Bild der unverstandenen Weltverbesserin, die unbequeme Wahrheiten benennt und dafür angegriffen wird, gefällt der ehemaligen Moderatorin. Angesichts ihrer "unliebsamen Thesen" über das natürliche Familienbild sei die "braune Keule" gegen sie geschwungen worden, klagt sie. Und bläst direkt zum Gegenangriff: Das "laute Geschrei einiger Leute" deute auf Zweifel am eigenen Lebensentwurf hin.

Tag der Abrechnung

Das Buch sei keine Abrechnung mit der Welt, erklärt der Verlag. Doch Irrtum, Eva Herman rechnet nur allzu gern ab: So sei Alice Schwarzer, eine ihrer schärfsten Kritikerinnen, in der Kindheit von ihrer Mutter ignoriert worden und mute diesen "persönlich erlebten Muttermangel einer ganzen Gesellschaft zu", hobby-psychologisiert die Angegriffene. Kinderkrippen dienen in Eva Hermans Welt nur dazu, "kleine Kinder abzuschieben" und die Menschheit befindet sich in einem Zustand des "lesbokratischen Stalinismus", der mit Gleichstellungsgesetzen und Gendermainstreaming Unnatürliches über Mann und Frau bringe. So sollten Frauen ihre weiblichen Eigenschaften - Weichheit und Mitgefühl - abgesprochen werden, während Männer angesichts wachsender Frauenförderung ins Hintertreffen gerieten.

Da kommt Eva Herman das Geständnis eines Medienvertreter während der Präsentation gerade recht: Er habe nicht so ganz verstanden, was Gendermainstreaming eigentlich sei. Das sei ein "Verwirrspiel", ein weltweites Programm, mit dem Politiker "umwälzende Veränderungen der ganzen Menschheit" planen, klärt ihn Eva Herman auf. Gendermainstreaming schaffe die Geschlechterunterschiede ab und "entnaturalisiere" die Menschen, schimpft sie. Und wie es sich für eine ordentliche Verschwörungstheorie gehört, hat Herman "Gehirnwäsche gleichende Programme" ausgemacht und vermutet ein Kalkül dahinter, "dass es nicht jeder verstehen soll."

Eine junge Radioreporterin fragt am Ende, ob Eva Herman ähnlich heftige Reaktionen wie auf ihre ersten Bücher erwarte. "Das hängt von Ihnen ab und von den Kollegen der Journaille", sagt diese in die Mikrofone. Es klingt nicht weich und weiblich, sondern angriffslustig. Und beinahe so, als erhoffe sie sich eine Bestätigung ihrer Verschwörungstheorie.

Von Eva Wolfangel, Stuttgart
 
 
KOMMENTARE (10 von 62)
 
J.Stahl (07.05.2008, 00:37 Uhr)
wenn ich einige kommentare hier so lese...
wundere ich mich schon sehr.einige leute hier scheinen die letzten fünf jahre kein kind bekommen zu haben sonst wüßten sie das die realität eine andere ist.ich,in den letzten wochen meiner schwangerschaft,habe mir die mühe gemacht einen betreuungsplatz für mein kind zu suchen.fehlanzeige.am besten sucht man eine krippe bevor man überhaupt schwanger wird.es ist ja so das frau von der leyen das ruhmreiche ziel hat das es in ein paar jahren für jedes dritte kind einen krippenplatz gibt.wir liegen jetzt noch darunter.wer davon redet das es einen arbeitszwang für mütter gibt sollte sich das vielleicht noch mal durch den kopf gehen lassen...ganz davon abgesehen wird man in deutschland eh schief angeschaut wenn man nicht mindestens die ersten drei jahre zuhause bleibt.ich muß aber ehrlich sagen wenn ich sehe was einige hausfrauen und mütter frühkindliche förderung nennen,was maximal babyschwimmen ist meistens stundenlanges rumrennen auf dem spielplatz währen mami ihren schwatz hält,gebe ich mein kind doch lieber in dafür ausgebildete hände.das hat nichts mit nicht vorhandener mutterliebe zu tun.ich mache gerne meinen job und brauche außerdem das geld.wenn frau herman allein mit einem säugling dagestanden wäre und einen job an der kasse bei xy gehabt hätte möchte ich wissen ob sie heute genauso reden würde.leider zerbrechen ehen und es soll auch manchmal den unromantischen fall geben das in einer ehe das geld nicht reicht wenn nur einer arbeiten geht oder der männliche versorger arbeitslos wird.sie sollte endlich ihrem ideal nachkommen und zuhause bleiben und uns mit ihren unmöglichen thesen verschonen.
crossagent (06.05.2008, 23:34 Uhr)
Eva und die braune Soße
Lieber Spock, in der braunen Soße ist Eva Herman soweit ich es mitbekommen habe nicht gelandet, weil sie - wie Sie es nennen - "die Schwelle der Gemeingefährlichkeit der Religion mit ihren Positionen bei weitem überschritten" hat. Vielmehr hat man Frau Herman gewissermaßen in der braune Soße befördert, weil man in den Medien ohne darüber nachzudenken einen verstümmelten Satz falsch weiter verbreitet hat und ihn mangels Kenntnis der deutschen Sprache und mangels Interpretationsfähigkeit auch noch (bewußt oder unbewußt) falsch verstehen wollte (oder eben nicht konnte). Sicher, der Satzbau war verworren und man kann ihn gut und gerne als "Bahnhof!?" abstempeln. Dennoch: Daraus eine "Gemeingefährlichkeit" abzuleiten grenzt für mich schon ein wenig an Verfolgungswahn. So einen Käse habe ich (trotz der ganzen, langen Hermandebatte mit all ihren teils unschönen Ausuferungen) selten gelesen oder gehört.
brainspam (06.05.2008, 23:23 Uhr)
Ach Spock!
Wer so hirnlos ist, wie Sie es beschreiben, den würde man ohnehin gar nicht ernst nehmen, sondern als Spinner abtun. Offenbar scheint Frau Herman noch nicht ganz so weit zu sein, denn man nimmt Sie noch insoweit ersnt, dass man ihr gar nationalsozialistisches Gedankengut unterstellen muss, um Sie möglichst unglaubwürdig dastehen zu lassen.
Und im Übrigen können Sie schreiben was Sie wollen - es wird nicht differenzierter, sondern nur immer pauschaler. Nun haben Sie auch noch alle Kirchgänger zu potentiellen Mördern erklärt. Um es mit Kerkeling zu sagen "Ich glaube es gerade nicht!"
Spocks_Kommentar (06.05.2008, 23:14 Uhr)
@crossagent
Ok, auf den Punkt:
Frau Hermann hat die Schwelle der Gemeingefährlichkeit der Religion mit ihren Positionen bei weitem überschritten, so weit, daß sie mitten in der brauenen Soße gelandet ist.
@brainspam: Die Schwelle liegt sehr niedrig, nämlich dort, wo jemand beginnt zu glauben, es könne eine Wahrheit hinter den Dingen geben, einen Planer gegen dessen Willen man ohnehin nicht handeln kann oder eine höhere Gerechtigkeit im Jenseits. Wer das glaubt, hat die Schwelle zur potentiellen Gefahr für sich und andere überschritten, weil er sich selbst nicht mehr kontrollieren kann, ihm sind die Maßstäbe abhanden gekommen, die die Vernunft und Logik braucht. Wieviele potentiell gefährlich sind, mögen Sie selbst einschätzen, nach meiner Meinung zumindest alle regelmäßigen Kirchgänger......
brainspam (06.05.2008, 22:59 Uhr)
ganz einfach?
"Und weil das so ist, sind alle Religiösen ab einer gewissen Stufe des Glaubens potentiell gefährlich."
Zur Abwechslung kann man das sogar mal so stehen lassen. Sie nehmen sich aber selbst den Wind aus den Segeln, weil sie damit ihre Vorwürfe gegen bestimmte Personen umgehend zurücknehmen müssten, denn Sie können gar nicht beurteilen welche Stufe den aktuell erreicht ist.
"Wer für religiöse Werte eintritt tritt auch für die Excesse ein."
Das wiederum ist erneut der gewohnte pauschalisierende Schmarrn. Sie schließen aus, dass religiöse Werte zu haben auch friedliche Konsequenzen haben kann. Vielleicht haben Sie da ja was falsch verstanden?
crossagent (06.05.2008, 22:51 Uhr)
pauschal durchgequirlt
Schade - der kurze Schlagabtausch war schon interessant zu lesen. Man hatte irgendwie gehofft, dass Spock doch noch auf den Punkt kommt. Die Frage von brainspam bleibt aber nach wie vor unbeantwortet, würde ich sagen...
Spocks_Kommentar (06.05.2008, 22:46 Uhr)
@brainspam
Ganz einfach:
Religion per se ist die größte Gefahr für das menschliche Individuum überhaupt, weil sie das Denken und die Kritikfähigkeit blockiert. Sie verschiebt alles, was man irgendwie nachprüfen könnte, in die Ewigkeit und hat damit immer Recht, weil von dort ja nun mal kein Widerspruch kommen kann. Weil alle Religionen so sind, das ist ihre Natur, führen sie zu Excessen, weil man nicht mehr entscheiden kann, was richtig oder falsch ist und weil es ja wichtig ist, schlägt man sich vorsichtshalber gegenseitig den Schädel ein.
Und weil das so ist, sind alle Religiösen ab einer gewissen Stufe des Glaubens potentiell gefährlich.
Ersparen Sie mir bitte Zitate, "wenn Dich Dein Auge verführt so reiß es heraus" oder Ezechiel, der Mann in Linnen "gehet hinaus und füllet die Vorhöfe mit Erschagenen und schonet nicht Weiber und Kinder" usw mag genügen.
Die Menschen werden erst in Frieden leben können, wenn es keine Religionen und Nationen mehr gibt. Wer für religiöse Werte eintritt tritt auch für die Excesse ein. Thats ist.
brainspam (06.05.2008, 22:25 Uhr)
@Spocks_Kommentar
Danke für die Blumen. Aber hmmm, jetzt muss ich trotz oder wegen meines Benutzernamens dann doch noch mal ganz blöd nachfragen (Danke übrigens für die Vorverurteilung, ganz ohne dass wir uns kennen): Wo hat Frau Herman denn zu solchen Dingen aufgefordert?! Ich kann jedenfalls nichts über Hetzaufrufe oder Gewaltanstachelung unter dem Denkmantel christlicher Nächstenliebe seitens Frau Herman lesen. Es hat auch noch niemand darüber berichtet - nicht einmal BILD oder stern... und das will ja was heißen - es sind also nicht mal ansatzweise derartige Gerüchte in Umlauf!
Was macht sie (Frau Herman) denn nun so gefährlich? Darauf haben Sie offenbar doch keine Antwort, denn Sie weichen aus.
Stattdessen rollen Sie die halbe Menschheitsgeschichte auf, um damit einen Beweis anzutreten, den es am Ende nicht gibt. Warum beurteilen Sie Frau Herman (und generell andere Menschen) nicht einfach mal "nur" nach deren faktischem Handeln? Bloß weil man eine andere Meinung nicht zulassen, akzeptieren, tolerieren kann muss man nicht gleich mit pauschalisierenden Verallgemeinerungen um sich hauen.
An der Stelle wiederhole ich mioch gerne: DAS ist gefährlich.
Spocks_Kommentar (06.05.2008, 21:55 Uhr)
@brainspam
Hey brainspam, wenn Du nicht verstehst, was an religiösen Eiferern gefährlich ist, dann hast Du vermutlich Deinen Namen sehr gut gewählt.......
Denk doch mal an die Spanier in Südamerika, Nordirland, den Naziwaffen segnenden Pius XII, den heiligen Sachsenschlächter Karl den Großen, die Heilige Inquisition....
Nicht nur der Islam ist gefährlich, es wird auch im Namen der Nächstenliebe nicht zu knapp gemordet und das auch nicht erst seit gestern.
brainspam (06.05.2008, 21:29 Uhr)
was für ein rumge-Spock-e!
"Sie ist eine christlich getriebene Überzeugungstäterin und das macht sie so gefährlich."
Hey Spock, steiler Satz! Was ist denn daran so gefährlich? Ich finde die Leute gefährlich, die so einen Unsinn in die Welt setzen!!!
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