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Neuauflage von "Mein Kampf" ist geplant

Hitlers "Mein Kampf" soll 2015 als Neuauflage erscheinen. Die wissenschaftliche Bearbeitung des Originals von 1925 hat bereits begonnen - die Kritik über diesen Entschluss auch.

Von Silvia Micha

Lange lag es in den Archiven, demnächst wird es doch eine Neuauflage von Adolf Hitlers Pamphlet "Mein Kampf" geben. Wie ein Sprecher des Münchner Instituts für Zeitgeschichte mitteilte, bereiten Wissenschaftler eine neue Ausgabe des Hitler-Buches vor, das in sechs Jahren erscheinen soll. Diese Entscheidung hat einen Diskurs über die moralische Vertretbarkeit entfacht. Bisher hatte der Freistaat Bayern als Inhaber der Urheber- und Veröffentlichungsrechte eine Neuauflage stets abgelehnt.

Die Rechte liegen noch bis Ende 2015 beim Bayerischen Staatsministerium für Finanzen. Bis vor kurzem wurde das nationalsozialistische Schlüsseldokument nicht angetastet. Mittlerweile hätten nach Angaben des Instituts die Vorbereitungen für die Editierung einer historisch-kritischen Ausgabe begonnen. Diese Entscheidung wird damit begründet, dass die wissenschaftliche Bearbeitung einige Jahre in Anspruch nehmen würde.

Um der Kritik um dieses Vorgehen schon im Vorfeld zu begegnen, teilte der Pressesprecher des Münchener Instituts, Dr. Bernhard Gotte, mit, man sei sich darüber bewusst, dass "aufwändige Recherchen ausgewiesener Fachhistoriker eine selbstverständliche Voraussetzung für die Qualität" sei. Die Edition dieser Propagandaschrift müsse schließlich "höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen" genügen.

Aufklärung statt Mythifizierung

Das 1924 von Hitler verfasste Manuskript "Mein Kampf" enthält die Grundlagen seiner nationalsozialistischen Ideologie inklusive rassistischen Gedankenguts. Vor diesem Hintergrund befürchtet der Freistaat Bayern, dass eine neue Edition weltweit enorme politische Aufmerksamkeit erregen und vermutlich auf großes Unverständnis stoßen werde. Diese Sorgen teilt der Zentralrat der Juden nicht, der sich für eine Neuveröffentlichung dieses derzeit umstrittensten Zeugnisses der Zeitgeschichte ausspricht. Die geplante kommentierte Ausgabe solle schließlich einen Beitrag zur Aufklärung über den Holocaust leisten.

Während Schriften anderer NS-Größen - darunter Goebbels Tagebücher - bereits in wissenschaftlicher Form veröffentlicht wurden, ist "Mein Kampf" ein seit 1945 unlesbares Werk. Die Geheimhaltung des Inhalts führte daher zu vielen Spekulationen. "Eine wissenschaftliche Edition könne diesen merkwürdigen Mythos brechen", sagte Horst Möller, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte. Eine Neuausgabe müsse allerdings durch "Erläuterungen etwa zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte sowie zur Instrumentalisierung als politische Kampfschrift während der Weimarer Republik und der NS-Diktatur eingeleitet werden". Da die Rezeption einer wissenschaftlich überarbeiteten und kommentierten Fassung für den Leser mühsam sei, wäre die Gefahr eines Missbrauchs durch Neonazis, deren Lesekapazitäten nach Einschätzung Möllers "wohl ohnehin nicht überwältigend sein dürften", eher gering. Das Buch enthielte zudem "kaum wirklich originelle Gedanken".

Seriosität statt Sensation

Wird man eine wissenschaftliche Edition als reine Aufklärungsschrift betrachten und Lehren aus den kranken Gedanken eines imaginären Imperators ziehen können oder wird eine neue Veröffentlichung der Ideologie Hitlers rechtsextreme Strömungen in Deutschland wieder aufleben lassen, wie von vielen Seiten befürchtet wird? Diese Fragen können wohl erst im Jahr 2015 beantwortet werden, da 70 Jahre nach dem Tod des Verfassers die Autorenrechte - auch die der Erben - erlöschen und jeder "Mein Kampf" nachdrucken könne, so der Instituts-Leiter. Schon um dieser dann einsetzenden "Sensationsmache" von Verlagen entgegen zu wirken, plädiere er für das Erscheinen des wissenschaftlichen Werkes.

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