HOME

Günter Grass ist Deutschlands Nummer 1

Kann man Geistesgrößen "ranken"? Unbedingt, meint das Magazin "Cicero" - und hat eine Hitliste der wichtigsten deutschen Intellektuellen zusammengestellt.

Günter Grass ist Deutschlands Intellektueller Nummer 1. Dies ist das Resultat eines Rankings des politischen Monatsmagazins "Cicero". Der Literatur-Nobelpreisträger rangiert damit noch vor TV-Entertainer Harald Schmidt, der sich zwar in den vergangenen Jahren zum Liebling der Feuilletons gemausert hat, aber eben nur Grimme-Preise zu bieten hat. Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki schaffte es auch ohne eigene Fernsehsendung auf Rang 3. Der Schriftsteller Martin Walser, der mit bisweilen gewagten Meinungen in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen sorgte, erreichte Platz 4.

Auf den Plätzen fünf bis zehn folgen die üblichen Verdächtigen. Schriftsteller und Serbenfreund Peter Handke steht überraschend noch vor dem Philosophen Jürgen Habermas, immerhin das letzte intellektuelle Flaggschiff der 68er Generation. Lange Zeit galt er als Deutschlands einzige Geistesgröße, der in der Nachfolge Adornos das Licht der Kritischen Theorie am Leuchten hält.

Zwei Frauen in den Top Ten

Der einstmals polarisierende Liedermacher Wolf Biermann rangiert auch Jahrzehnte nach seiner großen Zeit noch auf Platz 7, gefolgt von zwei Frauen: der Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und Alice Schwarzer, die sich in Deutschland unermüdlich für Emanzipation und Gleichberechtigung einsetzt. Der Dramatiker Botho Strauß lebt zwar zurückgezogen und entzieht sich der Öffentlichkeit, so gut es geht. Für die Top Ten reichte es jedoch so gerade noch.

Günter Grass sieht seine Spitzenposition relativ gelassen. Intellektuelle hätten in der Öffentlichkeit keinen großen Stellenwert mehr: "Die Leute, die heute den Ton angeben, werden aus anderen Bereichen geholt. Das Gespräch über Klinsmann ist gefragt, Leute wie der 'Kaiser' Beckenbauer oder der Mann mit den Gummibärchen, ich habe seinen Namen vergessen", sagte Grass im "Cicero" in Anspielung auf Thomas Gottschalk.

Quantitative Zählung

Erstellt wurde die 500 Personen umfassende Liste vom Ranking-Experten und Autor Max A. Höfer. Dabei wurde rein quantitativ vorgegangen: Gemessen wurde die Präsenz der Denker, Künstler und Publizisten in elektronischen Datenbanken der 83 wichtigsten deutschsprachigen Tageszeitungen und Magazine. Außerdem sind Nennungen im Internet, im Fernsehen und im Munzinger-Referenzarchiv berücksichtigt worden.

Carsten Heidböhmer

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo