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31. Juli 2006, 11:13 Uhr

"Ich, Rabentochter"

In ihrem autobiographischen Erstlingswerk "Ich, Rabentochter" beschreibt die 36-jährige Katharina Ohana, wie es ist, Tochter einer depressiven Mutter zu sein. Dabei zeichnet sie zugleich das psychologische Porträt einer ganzen Generation.

Karatekämpferin, Kriegsenkelin, Rabentochter: Katharina Ohana© Picture Alliance/DPA

Warum heißt Ihr autobiografisches Buch "Ich, Rabentochter"?

Ohana: "Eine Rabentochter ist das Kind einer Rabenmutter. Meine Mutter hat uns drei Töchtern häufig Vorwürfe gemacht. Wir entsprachen nicht ihren Vorstellungen und bekamen ständig das Gefühl vermittelt, nicht gut genug zu sein und daran schuld zu sein, dass sie unglücklich war. Ich war also in ihren Augen eine Rabentochter. Als artige Tochter würde ich ja auch nicht so ein Buch veröffentlichen. Mein Buchtitel greift diesen Zusammenhang allerdings etwas ironisch auf."

Glauben Sie, dass Ihre Lebensgeschichte etwas Repräsentatives für Ihre Generation hat?

Ohana: "Ich gehöre zur Generation der "Kriegsenkel". Bei uns treten viele unverarbeitete psychische Altlasten hervor, die von unseren Eltern, den Kriegskindern, nicht verarbeitet worden sind. Meine Eltern haben furchtbare Dinge im Krieg erlebt - Bombennächte, Leichen, Hunger, Flucht. Doch damals glaubte man wohl, die Kinder würden das nicht so schwer nehmen. Niemand hat ihnen bei der Verarbeitung geholfen. Dann kam das Wirtschaftswunder, und die Erinnerungen wurden mit dem Streben nach Sicherheit und Wohlstand betäubt. Ihre Ängste haben die Kriegskinder dann später ihren Kindern in Form von ungelebter Nähe, krankhafter Sparsamkeit, zu hohen Erwartungen oder Zwangsvorstellungen weiter gegeben."

Und welche Folgen hat das?

Ohana: "Bei uns Kindern der Kriegskinder kommen nun, bei den derzeit wirtschaftlichen Unsicherheiten, die vererbten psychischen Probleme an die Oberfläche. Wir wechseln ständig Beziehungen. Viele von uns glauben, mehr leisten zu müssen, besser aussehen zu müssen, um wirklich glücklich zu werden. Wir fühlen uns oft missverstanden und nicht genug geschätzt - alles Dinge, die aus der Behandlung in unseren Kindertagen kommen. Wir sind in gewisser Weise noch kriegsgeschädigt und gerade dabei, diese Neurosen an unsere Kinder weiter zu geben, wenn wir nicht aufpassen."

DPA
 
 
 
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