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13. November 2008, 10:51 Uhr

"Inspector Rebus ist meine dunkle Seite"

Der schottische Bestseller-Autor Ian Rankin schickt seinen erfolgreichen Ermittler Inspector Rebus in den gesetzlichen Ruhestand. Im stern.de-Interview spricht der 48-Jährige darüber, wie es ist, Gott zu spielen - und welches Gerücht er über Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling in die Welt setzte.

Nimmt Abschied von seinem Inspector Rebus: Krimi-Autor Ian Rankin© AFP

Nach über zwanzig gemeinsamen Jahren und 17 Bänden schicken Sie Ihren Inspektor John Rebus in "Ein Rest von Schuld" in den Ruhestand. Wie verkraften Sie den Abschied?

Ich weiß tatsächlich nicht, ob ich ohne Rebus leben kann. Der Kerl war schließlich wie eine Art Therapeut für mich. Immer wenn etwas Schlimmes in meinem Leben passierte, konnte ich das durch ihn ausleben.

Das klingt, als ob man sich jetzt Sorgen um Sie machen müsste.

Nun ja, er ist ein bisschen wie mein Mr. Hyde, meine dunkle Seite. Die lebe ich zum Glück nicht aus, seien Sie unbesorgt. Ich schreibe einfach weiter und erfinde andere Charaktere. Es ist nur eine besondere Herausforderung, gerade auf ihn zu verzichten.

Warum musste er denn überhaupt in den Ruhestand, Sie hätten ihn doch weiter ermitteln lassen können?

Man könnte sagen, ich habe mir vor zwanzig Jahren einen groben Schnitzer erlaubt.

Nämlich?

Ich habe Rebus von Anfang an zu alt gemacht. Im ersten Buch war er bereits um die 40. Und ich wollte ihn unbedingt in Echtzeit altern lassen. Nicht so wie es John Le Carré oder PD James machen, die das Alter ihrer Ermittler einfach einfrieren und sie im Greisenalter noch immer arbeiten lassen. Vor ungefähr vier Jahren hat mich leider ein Polizist darauf hingewiesen, dass Rebus mit 60 in den Ruhestand muss.

Muss? Wieso denn?

In Schottland ist das so. Wahrscheinlich würde ich die Leser gar nicht verschrecken, wenn Rebus nicht altern würde, aber ich finde es gut, dass er älter wird. Er lebt halt in einer echten Welt und in der wird man eben pensioniert. Da hat auch der Antrag eines schottischen Parlamentariers nichts genützt, das Pensionsalter auf 65 hoch zu setzen, nur damit ich weiter über Rebus schreiben kann.

Wenn man sich "Ein Rest von Schuld" aufmerksam durchliest, könnte man glatt meinen, Sie lassen sich ein Hintertürchen für seine Rückkehr offen.

Wenn Sie auf die "Einheit für die nochmalige Untersuchung von Kapitalverbrechen" anspielen, könnten Sie recht haben. Es wäre eine authentische Möglichkeit für Rebus, wiederzukommen und anhängige Verbrechen aufzuklären. So richtig gehen gelassen habe ich ihn offensichtlich nicht.

Können Sie sich daran erinnern, was Sie gemacht haben, nachdem die vermeintlich letzten Sätze aufgeschrieben waren?

Ich habe genau das getan, was Rebus von mir gewollt hätte: Ich bin in eine Kneipe gegangen und habe ein paar nette Drinks zu mir genommen. Frau Rowling hat mich übrigens dasselbe gefragt.

Joanne K. Rowling?

Genau, wir wohnen in Edinburgh zufällig in derselben Straße, genau wie Alexander McCall Smith. Ich traf sie zufällig in einem Café und sie erzählte mir, dass sie ungefähr zur selben Zeit Harry Potter beendet und nach den letzten Sätzen zwei Tage nur geweint hätte.

Joanne K. Rowling, Alexander McCall Smith und Sie. Das sind ja drei Bestseller-Autoren auf einem Haufen. Eine durchaus ungewöhnliche Nachbarschaft.

Unsere Straße wird auch "Writer's Block" genannt, also auf Deutsch "Schreibblockade" ... Finde ich sehr lustig.

Zur Person: Ian Rankin, 1960 in dem schottischen Bergarbeiterstädtchen Fife geboren, gilt als einer der führenden Krimiautoren Großbritanniens. Seine Serie um den eigenbrötlerischen Detective Inspector John Rebus wurde unter anderem mit dem Gold Dagger, dem Deutschen Krimipreis und dem British Book Awards ausgezeichnet. Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Edinburgh.

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