13. August 2010, 11:45 Uhr

Das Web macht die Leute abergläubisch

Freitag, der 13. - ein Unglückstag? Viele Menschen finden: Ja. Der Glaube an das Schicksal ist alles andere als altmodisch, meint Kulturwissenschaftlerin Katrin Bauer: Das Internet und die Globalisierung verbreite den Aberglauben in alle Welt, und das in Windeseile und in immer neuen Formen.

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Eine schwarze Katze - ein schlechtes Omen. Alles nur Einbildung oder schaut diese schwarze Katze wirklich böse?©

Welche Auswirkung hat das Web auf den Aberglauben?
"Meldungen über den Aberglauben erreichen plötzlich eine viel, viel größere Masse an Menschen als früher, und sie werden dadurch natürlich aufgewertet."

Ist der Aberglaube vom Aussterben bedroht?
"Der Aberglaube beziehungsweise der Volksglaube wird immer einen Platz in der Gesellschaft haben. Er wird nie aussterben, weil immer neue Varianten dazu kommen. Für die Menschen ist es schön, dass es ihn gibt. Er gibt etwas, woran sich die Menschen festhalten können. In Zeiten, in denen Traditionen weggebrochen sind, ist Aberglaube eine Stütze. Früher hatte die Kirche Leitbildcharakter. Aber sie verliert Mitglieder und ihren Stellenwert. In solchen Zeiten, in denen alles möglich ist, wird Volksglaube wichtiger."

Ist der Volksglaube eine Gefahr für die Kirchen?
"Der Volksglaube hat immer etwas Individuelles. Das heißt, die Menschen basteln sich ihren Glauben selbst. Jeder sucht sich aus verschiedenen Religionen das zusammen, was für sein eigenes Leben wichtig ist. Ein allgemeingültiger Anspruch wird nicht mehr so intensiv gewollt. Und deshalb ist das sicherlich ein Phänomen, mit dem die Kirchen sich auseinandersetzen müssen."

Wie macht sich Aberglaube im Alltag bemerkbar?
"Während der Fußball-WM war die Krake Paul ein sehr gutes Beispiel für ein abergläubisches Moment in der Gesellschaft. Auch Horoskope finden sich in jeder Tageszeitung. Und sie werden gelesen, auch von Jüngeren. Ob man sich dann daran hält oder daran glaubt, ist natürlich eine andere Frage. Aber es spielt immer noch eine Rolle."

Ist die "Macht" von Freitag, dem 13. ungebrochen?
"Um diesen künstlich geschaffenen Tag haben sich keine Bräuche oder Rituale gebildet, wie das zum Beispiel an Halloween mittlerweile ist. Aber den Menschen ist bewusst, dass es ein besonderer Tag ist. Sie achten deshalb mehr auf das Ungewöhnliche. Und wenn etwas passiert, wird es auf den Aberglauben geschoben."

Katrin Bauer Die Kulturwissenschaftlerin ist Expertin für Alltagskultur bei der Volkskundlichen Kommission für Westfalen in Münster.

Interview: Christiane Gläser, DPA
 
 
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