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"Schmutzige Demokratie": Jürgen Roths Abrechnung mit den Eliten

Seine Themen sind die Mafia, die Bosse, die Mächtigen. In seinem neuen Buch will Jürgen Roth zeigen, wie diese Akteure die Demokratie zerstören - und die Bürger in die Arme der populistischen Verführer treiben.

Empörung über die Gier der Eliten: Jürgen Roth

Empörung über die Gier der Eliten: Jürgen Roth

Es steht nicht gut um die liberale . Populisten sind mit ihren Hass-Parolen vielerorts auf dem Vormarsch. Wladimir Putin in Russland und Viktor Orban in Ungarn herrschen mit harter Hand. Sie sind gewählt und in ihren Ländern hinreichend beliebt. Für die neue populistische Rechte in Deutschland um AfD und Pegida sind sie das Rollenmodell.

In seinem neuesten Buch "Schmutzige Demokratie" versucht der Enthüllungsjournalist den Ursachen für den europaweiten Demokratieverfall auf den Grund zu gehen. Er ortet sie im Versagen der Führungseliten der großen demokratischen Länder. In der Maßlosigkeit und Gier, im Zynismus und in der Korruptionsanfälligkeit der Spitzen in Politik und Wirtschaft. 

Zwischen Bankenrettung und Sozialabbau

Der einfache Bürger hingegen erfahre Sozialabbau, Steuergeldmissbrauch und generell den Verlust von Hoffnung und Perspektiven. Wenn - wie nach der Finanzkrise 2008 - Banken gerettet und die Menschen mit ihren Problemen alleine gelassen würden, steige ihre Bereitschaft, "rechtsradikalen beziehungsweise rechtspopulistischen Verführern hinterher(zu)marschieren", so das Fazit des Autors. 

Die längste Fallstudie widmet Roth dem "autoritären Führerstaat", den Orban seiner Ansicht nach in Ungarn errichtet hat. Über 45 Seiten beschreibt er, wie der machtbewusste Budapester Regierungschef die liberale Demokratie ausgehebelt hat, wie die hetzerische Regierungspropaganda Flüchtlingen und Migranten jegliche menschliche Würde abgesprochen hat. Ausführlich geht er auf Orbans Strohmann- und Oligarchen-System ein, das ganze Segmente der Volkswirtschaft überzieht und Gelder aus den EU-Hilfen in die Taschen der Insider und Günstlinge lenkt. Auch die möglichen Verstrickungen von Orbans ewigem Innenminister Sandor Pinter mit der russischen Mafia finden ihre Würdigung.

Empörung über Gier der Banker und Bosse

Roth echauffiert sich darüber, dass ehemalige Spitzenpolitiker aus Deutschland und Österreich als bestens bezahlte Lobbyisten für das despotische Regime in Kasachstan oder für den russischen Mineralöl-Konzern Gazprom dienen. Ihn empören die Gier der Banker und Bosse, die soziale Gefühllosigkeit der meisten Politiker, die neue Armut der Arbeitenden, die von Hartz IV, Mini-Jobs und Leiharbeit nicht mehr leben können.

Roth ist nicht unumstritten, er verlor schon mal Prozesse wegen ungenauer oder nicht beweisbarer Anschuldigungen. Störender an dieser über weite Strecken leidenschaftlichen Streitschrift ist aber, dass sie oft sprungartig von Thema zu Thema hüpft, möglichst viel in das Sündenregister der "Demokratieverschmutzer" packen will.

Jürgen Roth über Kriminalität auf allen Seiten

An einer Stelle fragt Roth: "Hells Angels und Deutsche Bank - ein dummer Vergleich?" Dumm vielleicht nicht, aber nicht besonders tragfähig, sieht man davon ab, dass Roth den Kriminellen des Frankfurter Milieus und den in derselben Stadt ansässigen Bankern dasselbe "Geschäftsprinzip der skrupellosen Bereicherung" mit den entsprechenden zerstörerischen Konsequenzen für die demokratische Bürgergesellschaft zuschreibt.

Gerade Stellen wie diese dürften es Kritikern und Angegriffenen erleichtern, dem Autor selbst populistisches Eliten-Bashing vorzuwerfen. Seine Absicht ist das nicht, wie er betont. Durchhalten lässt sich dieser Vorwurf gegen ihn letztlich nicht, weil er Akteure und Missstände konkret benennt und in ihre Kontexte einordnet. Man muss nicht mit jeder These von "Schmutzige Demokratie" einverstanden sein. Dennoch ist das Buch ein bedeutsamer Beitrag zur Diskussion über die Frage, die alle angehen sollte: Was ist zu tun, damit die Demokratie nicht langsam verloren geht?

Gregor Mayer/DPA
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