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Unter sechs Stunden macht er's nicht

Ken Follett ist einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Seit Montag läuft auf Sat.1 die Verfilmung seines Bestsellers "Die Säulen der Erde". Im stern.de-Interview verrät Follett, weshalb er so häufig googelt - und wer für ihn die attraktivste Frau der Welt ist.

Von Carsten Heidböhmer

Herr Follett, die Verfilmung Ihres Bestsellers "Die Säulen der Erde" läuft jetzt im deutschen Fernsehen. Wieso hat es 20 Jahre gedauert, bis dieser Stoff verfilmt wurde?
Ein solches Werk zu verfilmen, ist ein großes Vorhaben. Es ist ein langes Buch, und es geht um den Bau einer Kathedrale. Die erste Frage lautet also: Wirst du eine Kathedrale bauen, wenn du das Buch verfilmst? Es ist ein gewaltiges Projekt. Wir haben mit verschiedenen Produzenten verhandelt. Die meisten Gespräche sind aber an der Länge des Films gescheitert. Ich habe drauf bestanden, dass die Verfilmung sechs oder acht Stunden dauert. Die Produzenten wollten sich dagegen das Recht vorbehalten, den Film in vier oder sogar zwei Stunden auszustrahlen. Das war für mich aber nicht verhandelbar. Dann kam Ridley Scott. Er hat mindestens sechs Stunden garantiert.

Waren Sie am Casting beteiligt?
Nein. Ich bin aber sehr zufrieden mit der Besetzung: Ian McShane, Matthew MacFadyen, Rufus Sewell, Eddie Redmayne sind großartige Schauspieler. Und Natalia Wörner ist die attraktivste Frau, die ich je getroffen habe.

Sie selbst haben auch eine kleine Szene. Wie kam es dazu?
Das ist aus einem Spaß heraus entstanden. Ich bin nach Budapest gereist, um mir die Dreharbeiten anzuschauen. Dort kam spontan die Idee auf, ich solle eine kleine Rolle übernehmen. Der Drehbuchautor John Pielmeier war auch vor Ort und schrieb eine Szene um, damit ich auftreten konnte. Ich habe viel dabei gelernt. Und es hat auch Spaß gemacht.

"Die Säulen der Erde" spielt wie viele Ihrer Bücher im Mittelalter. Was fasziniert die Menschen so an dieser Epoche?
Die Menschen im Mittelalter waren nicht großartig anders als wir. Aber die Bedingungen, unter denen sie lebten, waren komplett andere: sehr hart und brutal. Es ist faszinierend, uns selbst vorzustellen, wie wir unter diesen Bedingungen leben würden.

Ist es für Menschen leichter, sich in eine weit zurückliegende Geschichte einzufinden, als wenn sie in der Gegenwart spielt?
Viele Kindergeschichten sind sehr brutal. Aber sie fangen immer an mit "Es war einmal vor langer Zeit, in einem entfernten Land". Das distanziert die Kinder von der Geschichte, es ängstigt sich nicht so. Vielleicht ist es auch für uns angenehmer, über Gewalt und Gefahr im Mittelalter zu lesen, als wenn all dies in der Gegenwart spielt.

Ihr neues Buch "Sturz der Titanen" ist der erste Teil einer Trilogie über das 20. Jahrhundert und erzählt vom Ersten Weltkrieg. War dieser Krieg für Sie die Urkatastrophe, aus dem sich alle weiteren Katastrophen des 20. Jahrhunderts ableiten?
Das ist eine Theorie, da ist einiges dran. Aber die Wahrheit ist komplexer. Zum Beispiel waren der Zusammenbruch der Wall Street von 1929 und die folgende Depression wichtige Gründe für den Zweiten Weltkrieg - wichtiger als die Versailler Verträge, die den Ersten Weltkrieg abschlossen. Von daher ist die Sichtweise, den Ersten Weltkrieg für alles verantwortlich zu machen, zu simpel.

Hierzulande gelten die Versailler Verträge und die daraus abgeleiteten hohen Reparationsforderungen an Deutschland noch immer als wichtigste Ursache für den Zweiten Weltkrieg.
Das schlimmste an den Versailler Verträgen war, dass sie ein Propaganda-Instrument für die Nazis waren. Aber die Reparationen wurden niemals bezahlt. Insofern ist es falsch, alles darauf zu schieben.

Sie recherchieren für Ihre Bücher sehr viel. Wann wissen Sie, dass die Recherche abgeschlossen ist und Sie mit dem Schreiben beginnen können?
Ich schreibe zunächst einen Entwurf der Geschichte, das läuft parallel zu meinen Recherchen. Wenn ich eine Geschichte habe, die durchgehend spannend ist, fange ich mit dem Schreiben an. Während des Schreibens stelle ich immer mal wieder fest, dass ich über einen historischen Vorgang nicht genug weiß. Dann lese ich am nächsten Tag ein Buch, z.B. über die Marne-Schlacht oder die Abdankung des Zaren. Danach setze ich das Schreiben fort.

Nutzen Sie das Internet für Ihre Recherchen?
Ja. Früher musste ich jeden Tag in die Enzyklopädie schauen, jetzt google ich. Das geht schneller, als wenn ich aufstehe und zum Bücherregal gehe. Ich habe auch Google Earth viel genutzt. Natürlich bevorzuge ich es, die Orte zu besichtigen, über die ich schreibe. Aber wenn ich zuhause sitze und die Szene schreibe, ist Google Earth sehr nützlich, um die Erinnerung aufzufrischen. So habe ich mir bei der Arbeit an "Sturz der Titanen" immer wieder St. Petersburg angeschaut, die Lage der Straßen, der Brücken, um eine Szene wie die Stürmung des Winterpalasts lebendig schreiben zu können.

Sie selbst bezeichnen sich als Atheist, spielen in einer Bluesband, Ihre Frau ist Labour-Politikerin, und Ihre Bücher sind u.a. für Sexszenen bekannt. Gibt es überhaupt etwas an Ihrem Leben, worauf Ihre Eltern stolz wären?
(lacht) Gute Frage. Ich glaube, sie wären stolz auf meine Leistungen, auch wenn sie mit einigen Aspekten meiner Bücher nicht einverstanden wären. Sie wären aber erfreut, dass ich erfolgreich bin.

Trotzdem wirkt es so, als hätten Sie sich ein Leben lang an Ihren Eltern abgearbeitet. Die heutige Jugend, so scheint es, möchte eher sein wie die Eltern. Ist es für einen Künstler wichtig, sich von seinen Eltern abzuheben?
Die meisten Menschen gehen durch eine Phase, in der sie Aspekte des elterlichen Lebens zurückweisen. Das muss nicht immer dramatisch sein. Wenn ich mir meine Kinder ansehe, dann ging dieser Prozess eher sanft vonstatten. Aber auch sie haben eine Phase durchlaufen, da waren sie mit meiner politischen Einstellung nicht einverstanden, oder mit der Art, wie ich mein Haus einrichte. Das ist ein natürliches Stadium, aber es muss nicht als Krise ablaufen, vor allem wenn die Eltern entspannt sind. Künstlerisch ist es so, dass die meisten Künstler damit anfangen, etwas zurückzuweisen, was es vorher gab, sie sagen: Das kann ich besser!

Ihre Frau war Labour-Abgeordnete und Ministerin. Waren Sie manchmal neidisch, dass sie die Wirklichkeit verändern kann, während Sie nur die Fiktion bearbeiten?
Nein, denn die wirkliche Politik haben wir zusammen gemacht. Wir haben uns auch bei einer politischen Versammlung kennen gelernt. Ich habe ihr in ihrer Karriere geholfen. Wir haben alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam besprochen. Ich will damit nicht den Eindruck erwecken, ich hätte ihr gesagt, was sie tun soll - sie ist eine sehr unabhängige Frau. Ich habe mich immer als Teil ihrer politischen Karriere gefühlt.

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