Unter sechs Stunden macht er's nicht

16. November 2010, 11:46 Uhr

Ken Follett ist einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Seit Montag läuft auf Sat.1 die Verfilmung seines Bestsellers "Die Säulen der Erde". Im stern.de-Interview verrät Follett, weshalb er so häufig googelt - und wer für ihn die attraktivste Frau der Welt ist. Von Carsten Heidböhmer

© Olivier Favre Ken Follett Ken Follett, geboren 1949 in Cardiff, gehört zu den erfolgreichsten Bestseller-Autoren der Gegenwart. Seine Bücher haben sich weltweit mehr als 100 Millionen Mal verkauft. Follett ist in zweiter Ehe mit der Labour-Politikerin Barbara Follett verheiratet, die bis vor kurzem noch dem britischen Unterhaus angehörte. Soeben ist Folletts neues Buch "Sturz der Titanen" erschienen, das vom Ersten Weltkrieg handelt. Der erste Teil der Verfilmung seines Erfolgsbuchs "Die Säulen der Erde" ist heute Abend um 20.15 Uhr auf Sat1 zu sehen.

Herr Follett, die Verfilmung Ihres Bestsellers "Die Säulen der Erde" läuft jetzt im deutschen Fernsehen. Wieso hat es 20 Jahre gedauert, bis dieser Stoff verfilmt wurde?

Ein solches Werk zu verfilmen, ist ein großes Vorhaben. Es ist ein langes Buch, und es geht um den Bau einer Kathedrale. Die erste Frage lautet also: Wirst du eine Kathedrale bauen, wenn du das Buch verfilmst? Es ist ein gewaltiges Projekt. Wir haben mit verschiedenen Produzenten verhandelt. Die meisten Gespräche sind aber an der Länge des Films gescheitert. Ich habe drauf bestanden, dass die Verfilmung sechs oder acht Stunden dauert. Die Produzenten wollten sich dagegen das Recht vorbehalten, den Film in vier oder sogar zwei Stunden auszustrahlen. Das war für mich aber nicht verhandelbar. Dann kam Ridley Scott. Er hat mindestens sechs Stunden garantiert.

Waren Sie am Casting beteiligt?

Nein. Ich bin aber sehr zufrieden mit der Besetzung: Ian McShane, Matthew MacFadyen, Rufus Sewell, Eddie Redmayne sind großartige Schauspieler. Und Natalia Wörner ist die attraktivste Frau, die ich je getroffen habe.

Sie selbst haben auch eine kleine Szene. Wie kam es dazu?

Das ist aus einem Spaß heraus entstanden. Ich bin nach Budapest gereist, um mir die Dreharbeiten anzuschauen. Dort kam spontan die Idee auf, ich solle eine kleine Rolle übernehmen. Der Drehbuchautor John Pielmeier war auch vor Ort und schrieb eine Szene um, damit ich auftreten konnte. Ich habe viel dabei gelernt. Und es hat auch Spaß gemacht.

"Die Säulen der Erde" spielt wie viele Ihrer Bücher im Mittelalter. Was fasziniert die Menschen so an dieser Epoche?

Die Menschen im Mittelalter waren nicht großartig anders als wir. Aber die Bedingungen, unter denen sie lebten, waren komplett andere: sehr hart und brutal. Es ist faszinierend, uns selbst vorzustellen, wie wir unter diesen Bedingungen leben würden.

Ist es für Menschen leichter, sich in eine weit zurückliegende Geschichte einzufinden, als wenn sie in der Gegenwart spielt?

Viele Kindergeschichten sind sehr brutal. Aber sie fangen immer an mit "Es war einmal vor langer Zeit, in einem entfernten Land". Das distanziert die Kinder von der Geschichte, es ängstigt sich nicht so. Vielleicht ist es auch für uns angenehmer, über Gewalt und Gefahr im Mittelalter zu lesen, als wenn all dies in der Gegenwart spielt.

Ihr neues Buch "Sturz der Titanen" ist der erste Teil einer Trilogie über das 20. Jahrhundert und erzählt vom Ersten Weltkrieg. War dieser Krieg für Sie die Urkatastrophe, aus dem sich alle weiteren Katastrophen des 20. Jahrhunderts ableiten?

Das ist eine Theorie, da ist einiges dran. Aber die Wahrheit ist komplexer. Zum Beispiel waren der Zusammenbruch der Wall Street von 1929 und die folgende Depression wichtige Gründe für den Zweiten Weltkrieg - wichtiger als die Versailler Verträge, die den Ersten Weltkrieg abschlossen. Von daher ist die Sichtweise, den Ersten Weltkrieg für alles verantwortlich zu machen, zu simpel.

Hierzulande gelten die Versailler Verträge und die daraus abgeleiteten hohen Reparationsforderungen an Deutschland noch immer als wichtigste Ursache für den Zweiten Weltkrieg.

Das schlimmste an den Versailler Verträgen war, dass sie ein Propaganda-Instrument für die Nazis waren. Aber die Reparationen wurden niemals bezahlt. Insofern ist es falsch, alles darauf zu schieben.

Buchtipp:

Buchtipp: In seinem neuen Roman "Sturz der Titanen" erzählt Ken Follett anhand verschiedener Familien in England, Russland, Deutschland und den USA von den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das Leben der der Menschen. Das Buch ist bei Bastei Lübbe erschienen, umfasst 1022 Seiten und kostet 28 Euro.

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