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5. Juli 2002, 15:43 Uhr

Die Drei-Welten-AG

Jürgen Schrempp wollte das profitabelste Automobilunternehmen der Welt bauen. Zwei Jahre später gilt DaimlerChrysler selbst als Übernahmekandidat. Was ist schief gelaufen?

Von Dietmar Hawranek und Dirk Kurbjuweit

Jetzt beten sie, der Kardinal, die Gemeinde und ganz vorn in der ersten Reihe Wolfgang Schrempp, Chef von DaimlerChrysler Italien und Bruder des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp. Sanctificet nos, hallt es durch die Kirche, heilige uns. Amen, haucht die Gemeinde. Dann singt der Chor, das Requiem von Mozart, und über allem strahlt der Stern, aber erstmals in einer Kirche nicht der von Bethlehem, sondern der aus Stuttgart. Dies ist eine Premiere, ein Gottesdienst, gesponsert von DaimlerChrysler.

Ein Gottesdienst der S-Klasse versteht sich, nicht in einer Dorfkirche, sondern in Rom in der prächtigen, herrlichen Basilika San Paolo, wo alle Päpste seit Petrus im Bild verewigt sind, wo 80 Säulen zum Himmel streben, wo Gold von den Wänden und Decken blitzt, und natürlich predigt ein Kardinal, und natürlich spielt die Staatskapelle Dresden mit dem Stardirigenten Giuseppe Sinopoli, und natürlich singen vier erstklassige Solisten, und natürlich sind Donna Borghese und die Fürstin von Thurn und Taxis zugegen, und natürlich fahren sie hinterher alle mit den edelsten Karossen von Mercedes zum Empfang des deutschen Botschafters.

Gedacht war das einmal als Zeichen der Allgegenwart von DaimlerChrysler. Aber in dieser Situation? Wo es drunter und drüber geht, Chrysler in den Miesen, der Aktienkurs im Keller, Jürgen Schrempp von der Ablösung bedroht, wie wirkt denn da ein von DaimlerChrysler bezahlter Gottesdienst, ein Requiem zumal, eine Totenmesse?

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