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13. August 2007, 14:23 Uhr

"Sexisten" gegen "Blondinen"

Unter Schwedens Krimi-Elite herrscht Krieg. Die Riege der erfolgreichen schwedischen Krimiautoren streitet sich um den literarischen Anspruch. Sexismus, Kitschnovellen-Stil, übertriebene Selbstvermarktung - die Kollegen geizen nicht mit heftigen Vorwürfen.

"Eine Million Schweden können schreiben wie Liza Marklund", kritisierte Krimiautor Björn Ranelid seine Kollegin© Jens Schlueter/DDP

Unter Schwedens international erfolgreichen Krimiautoren ist ausgerechnet in den Sommerferien ein an Gehässigkeit schwer zu überbietender Krieg der Worte ausgebrochen. Während zahllose Leseratten überall an Stränden, in Hängematten oder Pensionsbetten in den neuen, fast immer dicken Krimis von Henning Mankell, Liza Marklund oder Ake Edvardsson schmökern, bescheinigen sich die Autoren der Millionenbestseller aus Skandinavien derzeit gegenseitig, dass sie entweder nicht schreiben können oder missmutige Neidhammel sind.

Frontlinie zwischen alten Männern und jungen Frauen

G. W. Persson, 62 Jahre alter Kriminologie-Professor und auch in Deutschland erfolgreicher Krimiautor, attestierte seiner 30 Jahre jüngeren Kollegin Camilla Läckberg in einem Interview, sie lege ihre Krimis an wie "Kitschnovellen für Pferdemagazine" und schreibe im Stil dümmlicher Kinderbücher. Die Attackierte zahlte es ihm mit gleicher Münze und drastisch heim: "Das ist einfach Pisse von einem älteren Herrn, der sich irgendwie übergangen fühlt."

Ernst Brunner (56), kommerziell nicht so erfolgreicher Autor anspruchsvollerer Romane, verglich die tatsächlich enorme Flut von Schwedenkrimis weiblicher Autoren gar mit der "Scheiße von Möwen, die meine Insel in den Stockholmer Schären kaputtmacht". Sein Kollege Björn Ranelid (58) nahm vor allem Liza Marklund (44) aufs Korn, die es in Schweden mit neun Millionen Einwohnern auf eine Auflage von neun Millionen verkauften Büchern gebracht hat: "Eine Million Schweden können schreiben wie Liza Marklund."

Ranelid sah die systematische Selbstvermarktung der attraktiven, blonden Marklund auf allen Covers ihrer Bücher als Gefahr für sein eigenes Gewerbe: "Wenn das so weitergeht, wird die Belletristik untergehen." Auch hier ließ die Antwort nicht lange auf sich warten. Krimiautorin Mari Jungstedt (45) sah in solchen Äußerungen einfach die Verzweiflung von Männern, die es "nicht ertragen können, von erfolgreichen und schönen Frauen aus dem Feld geschlagen zu werden".

Vermarktung über Identifikation

Als einziger aus der Garde der in die Jahre gekommenen männlichen Bestsellerproduzenten findet das auch Jan Guillou (63), dessen Bücher wie die Agentenserie "Coq Rouge" in Schweden ebenfalls in neun Millionen Exemplare verkauft worden sind: "Hier geht es um Neid." Die Zeitung "Dagens Nyheter" fügte in einem Kommentar an: "Mit Sexismus als Beigabe." Dass die Frontlinie praktisch ausschließlich zwischen älteren Männern und jüngeren Frauen verlaufe, illustriere überdies, wie sehr Krimis als Produkte auch über Identifizierung mit dem Autor vermarktet werden: "Will ich jetzt lieber das Päckchen mit dem älteren, sexistischen Kriminologie-Professor kaufen oder das mit der weiblichen Pappfigur der jungen Autorin im Schaufenster?"

Dass mit Stieg Larsson der zur Zeit erfolgreichste schwedische Krimiautor und mit dem 59-jährigen Henning Mankell der seit Jahren unbestrittene "König" der Garde schwiegen, ist kein Zufall. Larssons Millionenerfolg mit seiner "Millennium-Trilogie" erschien schließlich erst nach dem Tod des Autors 2002 im Alter von 50 Jahren. Mankell hat als Schwiegersohn des Ende Juli gestorbenen Filmregisseurs Ingmar Bergman sowie als "Sprecher" der Hinterbliebenen andere Sorgen.

Thomas Borchert/DPA
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
h.hass (15.08.2007, 06:58 Uhr)
Stieg Larsson...
... ist tot, deshalb ist es in der Tat kein "Zufall", dass er in den Streit nicht eingreift. Diese völlig verunglückte Formulierung hätte sich der Autor besser erspart...
Dewerth (14.08.2007, 10:52 Uhr)
Hier unterstellt der Stern....
...Henning Mankell, er habe sich an der Schlammschlacht der anderen Autoren nicht beteiligt, weil eben sein Schwiegervater gestorben ist. Dass er es getan hätte, wenn letzterer noch leben würde, ist einfach nicht beweisbar. Also unterlassen Sie auch solche Unterstellungen zwischen den Zeilen. - Ich bin keineswegs Mankell-Fan und finde den Umfang der ganzen neueren Kriminalromane einfach unangebracht. Seht euch mal die „dünnen" Krimis von Chandler und Hammett an. Qualität!
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