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Die Nackte schreibt jetzt

Für ihre unzähligen Nacktszenen in "Girls" wurde Lena Dunham berühmt. Jetzt hat sie ihre Biografie geschrieben - oder ist es doch Fiktion?

Von Sarah Stendel

Lena Dunham hat ihr erstes Buch veröffentlicht. "Not That Kind of Girl" erscheint am 7. Oktober im Fischer Verlag.

Lena Dunham hat ihr erstes Buch veröffentlicht. "Not That Kind of Girl" erscheint am 7. Oktober im Fischer Verlag.

Lena Dunhams Danksagung am Ende von "Not That Kind of Girl - Was ich vom Leben so gelernt habe" liest sich wie die Gästeliste einer exklusiven Hollywood-Party: Amerikas Popliebling Taylor Swift, die Schauspielerin Mindy Kaling und die gesamte Redaktion des renommierten "New Yorker" werden da unter anderem erwähnt. Einen Tag in Dunhams Leben stellt man sich nach der Lektüre so vor: Aufstehen, Käsepizza frühstücken, Buch schreiben, berühmten Freunden danken. Es ist diese Mischung aus bodenständig und unerreichbar, die Dunham so wunderbar verkaufen kann.

3,7 Millionen Dollar hat die 28-Jährige für ihr erstes Werk bekommen, eine Art Autobiografie, die in Ratgeberform verfasst ist. Buzzfeed-artige Listen tauchen gelegentlich auf, meist liest es sich aber wie Tagebucheinträge aus ihrer Jugend. "Als ich neun war, schrieb ich ein Keuschheitsgelübde auf einen Zettel und aß ihn auf", schreibt sie. Oder: "Lange war ich mir nicht sicher, ob ich Sex gut fand."

Lena Dunham und ihr Alter Ego Hannah Horvath teilen viele Gemeinsamkeiten.

Lena Dunham und ihr Alter Ego Hannah Horvath teilen viele Gemeinsamkeiten.

Von Therapiesitzung zur Sexgeschichte

Die Episoden reihen sich ohne chronologische Reihenfolge aneinander, Dunham springt im flapsigen Ton von Therapiesitzung zu Sexgeschichten, von Esstörung zu Todesangst. Doch das macht sie so unterhaltsam und intelligent, dass dem Leser beinahe beiläufig die klugen Beobachtungen untergejubelt werden. Schnell ist man gefangen von Dunhams spezieller Welt, die weit vom Durchschnitt entfernt ist. Wer gab mit 17 schon vegane Dinnerpartys und wurde dafür von der "New York Times" porträtiert? "Ich trug ein Diorkleid meiner Großmutter, bestand auf Barfüßigkeit (Leder ging gar nicht) und erklärte dem Reporter, der Irak-Krieg ließe mich kalt, solange in unserem Land unschuldige Rinder abgeschlachtet wurden", schreibt sie. Längst isst Dunham heute wieder Fleisch – die eigene Inkonsequenz liefert ihr immer wieder Pointen.

Aber natürlich ist Lena Dunhams Erfolg keineswegs zwischen Leberwurstbrot und schlechtem Sex vom Himmel gefallen. Als Tochter zweier Künstler wuchs sie sehr priviligiert in New York auf, ging später auf das renommierte Künstlercollege Oberlin. Was ihr von Kritikern oft vorgeworfen wird. Doch das allein reicht nicht, um noch vor 30 eine eigene Show, eine Biografie und sieben Emmy-Nominierungen vorweisen zu können.

Wo steckt die echte Lena Dunham?

Wer ihre Serie "Girls" guckt, die sie schreibt und produziert, für die sie Regie führt und in die Hauptrolle schlüpft, der wird viele der Geschichten, die Dunham in ihrem Erstlingswerk erzählt, kennen. Tatsächlich gibt es kaum eine Episode im Buch, die es nicht in irgendeiner Form bereits in die Serie geschafft hat. Jobben in der versnobbten Kindermoden-Boutique, ein misanthropischer Exfreund, ein schwuler Exfreund, die Ticks, der Narzissmus - das alles gehört sowohl zu Dunham, als auch zu ihrem Alter Ego Hannah Horvath. Und natürlich ist sie wie vor der Kamera auch auf dem Papier bereit, ohne Zögern die Hüllen fallen zu lassen. Und dabei nicht perfekt auszusehen. Besonders berührend ist die Stelle, in der sie ihren kläglichen Versuch schildert, eine erlebte Vergewaltigung als Pointe für ein Drehbuch zu verkaufen.

Trotzdem weiß man auch nach der Lektüre der Biografie nicht, wer Dunham eigentlich ist. Von ihrem Ehrgeiz und ihrer kreativen Arbeit erfährt man in "Not That Kind of Girl" wenig. Über ihr heutiges Privatleben, vor allem ihre Beziehung zum Musiker Jack Antonoff, möchte sie schweigen: "Er ist mein, und ich muss ihn beschützen. Ich habe so vieles öffentlich gemacht, und so vieles wurde dadurch zerstört." Manchmal verwischen die Grenzen zwischen Realität und Geschichte auch. So zum Beispiel bei ihren Erzählungen vom Sommercamp, die eigentlich die ihrer Mutter seien. "Ich brauche dann einen Augenblick, um zu begreifen, dass ich lüge. Meine schönsten Erinnerungen, die, die mir aus meiner Zeit in Fernwood Cove die liebsten sind, sind gar nicht meine. Sie gehören jemand anderem", schreibt sie.

Aber das macht vielleicht auch gar nichts. Denn kaum jemand kann die Erzählungen so gut zu ihren eigenen machen, wie Lena Dunham.

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