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14. Oktober 2008, 19:12 Uhr

Frankfurter Buchmesse ist eröffnet

Für Autoren und Verleger ist die Frankfurter Buchmesse das Ereignis des Jahres. Mit einem Appell zu einer besseren Einbettung der Türkei in die EU hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier den offiziellen Startschuss gegeben, am Mittwoch öffnet die Messe dann zum 60. Mal ihre Pforten für Besucher.

Der türkische Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk (l.) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier© Michael Probst/AP

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat zur Eröffnung der 60. Frankfurter Buchmesse für eine Einbindung der Türkei in die Europäische Union geworben. Nur dann könne die Integration der in Deutschland lebenden Türken vollständig gelingen, sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Frankfurt. "Die Türkei hat sich auf den Weg gemacht zu einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft." Dies werde auch in der modernen türkischen Literatur deutlich. Die Türkei ist bis Sonntag Ehrengast auf der weltgrößten Bücherschau.

Unter dem Motto "Faszinierend farbig" sind etwa 250 türkische Schriftsteller und 150 Verlage vertreten. Insgesamt liegt die Buchmesse mit rund 7300 Ausstellern aus 100 Ländern leicht unter dem Rekordniveau des Vorjahres. Rund 280.000 Besucher werden während der fünf Tage erwartet.

Meinungsfreiheit angemahnt

Steinmeier forderte zugleich einen "Mentalitätswechsel" bei der Meinungsfreiheit in der Türkei. "Da mag die Türkei noch ein Stück des Weges vor sich haben." Deutschland müsse das Land dabei unterstützen und verwies auf eine geplante deutsch-türkische Universität in Istanbul. Die Buchmesse könne beim Brückenschlag zwischen den Kulturen helfen.

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül wertete die Gastland-Teilnahme seines Landes als "wichtige Stufe" der "traditionellen deutsch-türkischen Freundschaft". Bücher und Kunst spielten eine wichtige Rolle, "dass sich unsere Völker durch gegenseitiges Kennenlernen noch näherkommen". Gül würdigte zugleich das Schaffen der in Deutschland geborenen türkischen Schriftsteller und Künstler. Ihre Werke - egal ob in Deutsch oder Türkisch - erzeugten nicht nur "gemeinsame Farben", sie seien zugleich "eine Botschaft hinsichtlich des Dialogs zwischen den Kulturen", sagte Gül.

Zur Situation der Meinungsfreiheit in der Türkei meinte Gül, Einschränkungen und Druck, denen Schriftsteller und Bücher ausgesetzt gewesen seien, "haben mit der Zeit abgenommen oder sind gänzlich verschwunden". Die Türkei habe dank der in den letzten Jahren beschleunigten wirtschaftlichen und politischen Reformen "die Kriterien der Europäischen Union auf den Gebieten der Meinungs- und Redefreiheit sowie der Achtung der kulturellen Vielfalt in großem Maße verwirklicht".

Pamuk kritisiert türkische Regierung

Scharfe Kritik übte hingegen der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk an Einschränkungen der Meinungsfreiheit in seiner Heimat. "Der Hang des türkischen Staates, Bücher zu verbieten und Schriftsteller zu bestrafen, hält leider immer noch an", sagte der 56-Jährige in seiner literarischen Eröffnungsrede. Aufgrund des Paragrafen 301 des türkischen Strafrechts, "mit dem man Schriftsteller wie mich einzuschüchtern versucht", würden Hunderte von Autoren und Journalisten gerichtlich belangt und verurteilt. Ein gegen Pamuk angestrengter Prozess war vor zwei Jahren eingestellt worden. Den Paragrafen 301, der Haftstrafen für die "Herabwürdigung des Türkentums" vorsah, hat die Türkei in diesem Jahr abgemildert.

Pamuk kritisierte zudem, dass der Zugang zum Internet-Portal YouTube und Hunderten anderen in- und ausländischen Websites den Menschen in der Türkei "aus politischen Gründen" verwehrt werde.

Die Buchbranche stehe vor einschneidenden Veränderungen, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, zur Eröffnung der Messe. Die Verlage täten gut daran, sich diesen Herausforderungen zu stellen und das Internet als Chance zu begreifen und nicht als Feind zu sehen. Dennoch sei es "skandalös, wie unsere Politik der Piraterie digitaler Bücher freien Raum zu geben scheint". Der Konsum von Inhalten, für die nicht bezahlt wurde, werde immer häufiger zur Selbstverständlichkeit.

DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
manesse (14.10.2008, 21:20 Uhr)
Unwählbar
Indem Steinmeier nach wie vor und selbst nach der Skandal-Rede des türkischen Ministerpräsidenten in Köln für eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU plädiert, hat er sich für die kommende Bundestagswahl unwählbar gemacht. Er hätte besser dem Nobelpreisträger Pamuk zugehört, um sich über die unzureichende Meinungsfreiheit unter dem Regiment der AKP zu informieren, anstatt sich mit dem Staatspräsidenten Gül gemein zu machen.
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