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5. Juli 2009, 14:36 Uhr

Latte Bestiato

Neues Produkt, neues Glück? Bei der Regelmäßigkeit, mit der Neues auf den Markt kommt, könnte man das meinen. Doch die Wirklichkeit steckt voller Enttäuschungen und geschmacklicher Frustrationen. Und manches harte Urteil findet sogar seinen Weg in den Kindergarten. Und trifft auf entsetzte Erzieherohren. Von Jan Weiler

Zoom
Jan Weiler, Mein Leben als Mensch

© Kat Menschik

Hier und da entspanne ich mich mit dem Erwerb neuer Produkte. Die Dinge müssen nicht teuer sein, ein frisch auf den Markt gekommener Kaugummi kann bei mir schon atemlose Begeisterung auslösen. Vielleicht steht dahinter die Hoffnung auf eine Epiphanie, ich weiß es nicht. Meistens enden meine Neuanschaffungen allerdings mit Enttäuschungen und der Erkenntnis, dass man überhaupt keine neuen Produkte braucht, weil die alten ihre Arbeit sehr gut machen. Man braucht ja auch keinen neuen Gott, bloß weil der alte schon so alt ist.

Eine tiefe Wunde fügte ich meiner Seele mit einem Kaffeepulver eines großen Ernährungskonzerns zu. Das gibt es zwar schon eine Weile, aber ich hatte immer Angst davor, diese sofort lösliche Latte macchiato zu kaufen, weil schon das Bild auf der Packung aussieht, als handele es sich bei dem Getränk um das Ergebnis eines unterirdischen nordkoreanischen Atomversuchs. Aber dann ging meine Kaffeemaschine mal wieder kaputt und lieferte keine Latte macchiato mehr, und ich durchstreifte den Supermarkt auf der Suche nach einer Ersatzflüssigkeit. Schließlich stand ich vor der löslichen Ware. Barbara Schöneberger trug eine Weile zur Verbreitung ebendieses Pulvers bei, indem sie großflächig plakatiert behauptete, sie sei ein "Schaumlöffler".

Ich kaufte also eine Packung Instant-Latte und kann an dieser Stelle die Schilderung von Zubereitung und Test des Getränkes dahingehend abkürzen, dass ich Sie einfach warne: Das Zeug schmeckt wie Arsch und Friedrich, und es ist mir ein Rätsel, was Barbara Schöneberger daran so toll findet. Aber vielleicht hat sie es gar nicht getrunken, sondern sich nur damit den Löffel an die Nase geklebt. Jedenfalls verkündete ich mein Urteil im Rahmen des Familienfrühstücks, und Nick war sehr erheitert, weil er einen Freund hat, der Friedrich heißt. Wir sollten solche Sprüche nicht vor ihm äußern, denn er versteht sie manchmal nicht richtig. War mir halt so rausgerutscht.

Billig nervt

Eine Riesenenttäuschung war dieser Kaffee, genau wie die Frischhaltefolie neulich. Man sollte daran niemals sparen und absolut nur die etwas teurere Markenware kaufen. Die Billigprodukte der Handelsmarken führen mit Sicherheit zu Verdruss. Man kann sie schon nicht vernünftig abreißen, sie verdrehen sich und verkleben sofort und lassen sich auch nicht richtig stramm ziehen, sie reißen und gehen einem auf die Nerven. Ein einziger Ärger ist das, man wird schon sauer, bevor man die Folie überhaupt benutzt.

Bei dem Schokobrunnen hingegen war ich hinterher böse. Nick hatte sich das Ding für seine letzte Geburtstagsparty gewünscht, und ich fand dies eine sehr glamouröse Idee. Die deutschen Prominenten halten ja schließlich auch bei jeder Gelegenheit Kekse in Schokofontänen. Man kann sich Barbara Schöneberger dabei sehr gut vorstellen. Was ich mir hingegen nicht vorstellen kann, ist, dass Barbara Schöneberger anschließend die Reinigungsarbeiten übernimmt. Die sind aber nötig, aus Gründen der Hygiene und weil Nick und seine Kumpels die Schokolade zu gleichen Teilen verzehrten und durch die Küche schleuderten.

Das Desaster danach

Die Schokolade erwies sich beim Saubermachen als ausgesprochen zäher Gast, der die Rohre des Brunnens verklebte und dessen hoher Fettgehalt mich ebenso erstaunte wie verstimmte. Ich brauchte fast eine Stunde, um die Spuren von Nicks Festmahl zu beseitigen. Danach haben wir den Brunnen auf dem Dachboden versteckt. Denn ich möchte ihn nie wieder sauber machen müssen. 20 Minuten Spaß und danach nichts als Mühsal und Fron. So ein Schokobrunnen bildet das Familienleben im Kleinen ab.

Die Sache mit dem löslichen Kaffeegetränk hatte übrigens noch ein Nachspiel. Vorige Woche klingelte abends das Telefon, Nicks besorgte Kindergärtnerin war dran. Sie müsse unbedingt mit mir sprechen, sagte sie in ihrem typischen, unentschlossen zwischen tieftraurig und ehrlich entsetzt changierenden Kindergärtnerinnensound. Unser Nick habe da was gesagt und das wolle sie uns nicht vorenthalten, denn womöglich lasse dies auf eine frühe sexuelle oder zumindest soziale Orientierung schließen. Man habe also zusammen einen Früchtetee gekocht. Diesen habe unser Sohn probiert und danach etwas gesagt, das uns sehr zu denken geben solle. "Aha", sagte ich. "Was hat er denn gesagt?"

"Das schmeckt ja wie der Arsch vom Friedrich."

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Ausgabe 27/2009

Von Jan Weiler
KOMMENTARE (4 von 4)
 
batavia (07.07.2009, 13:11 Uhr)
Ein sehr netter
Beitrag. Warum also diese Häme, Aquae ?
atticus (06.07.2009, 11:26 Uhr)
Ich finds lustig.
...
Sublucem (05.07.2009, 23:16 Uhr)
So viel Hass
... in einem Kommentar. Abartig.
AquaeMattiacorum (05.07.2009, 18:59 Uhr)
Sie sind weder amüsant und schon gar nicht witzig,
Herr Weiler. Ich frage mich, in welchem abgeriegelten Reservat Sie leben, dass Ihre Kindergärtnerin aus einem kindlich dahergeplapperten Satz auf die spätere sexuelle Orientierung Ihres Kindes schließt. Schokobrunnen und löslicher Kaffee - Herr Weiler, Sie haben vom Schicksal die gerechte Strafe für Ihre langweiligen Kolumnen erhalten.
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