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1. Juni 2008, 09:46 Uhr

"Mein Vater ist ein Border Collie"

Sie ist Autorin, Hundetrainerin und Kind eines prominenten Politikers. Jetzt hat sie das autobiografische Buch "Tochter und viel mehr" geschrieben. Ein Gespräch mit Mirjam Müntefering über Mensch und Tier, ihre Homosexualität und ihren Vater Franz.

Mirjam Müntefering

Mirjam Müntefering mit einem ihrer Cockerspaniels© Thomas Rabsch

Sie sind Lesbe, Hundetrainerin und Schriftstellerin. Fühlen Sie sich wohl unter Randgruppen?

Ich empfinde mich nicht so, als würde ich in einer Randgruppe leben.

Aber auf einer Party dürfte die Hundetrainerin eher als Exotin gelten, oder?

In der Regel sind die Leute interessiert. Interessierter als an der Schriftstellerei. Da hat man gleich so einen Intellektuellenstempel. Dabei bin ich gar keine Intellektuelle. Bei Hundetrainerin denken noch viele an den klassischen Hundeplatz, wo eher der Hund ausgebildet wird. Ich bin eher eine Trainerin für Menschen mit Hunden.

Was gefällt Ihnen an Hunden besonders?

Sie sind unmittelbar und niemals falsch.

Wenn Sie sich als Hundetrainerin das SPD-Wolfsrudel ansehen, was fällt Ihnen dazu ein?

Bei Wölfen gibt es ein Alphatier, dann gibt es die Alttiere, die juvenilen Tiere und die Welpen. Das ganze Rudel kümmert sich darum, die Welpen aufzuziehen und den Nachwuchs zu versorgen. Bei Hunden ist das übrigens nicht so. Deswegen glaube ich, dass alle Parteien eher Hunderudel sind. Da kümmert sich jeder nur um sich selbst.

Fehlt der SPD gerade ein starkes Alphatier?

Ich halte nichts davon, dass ein Einziger die Galionsfigur ist. Man braucht viele Alphatiere, die am Wohlergehen aller interessiert sind.

Wäre Ihr Vater ein Hund, was für eine Rasse wäre er?

Auf jeden Fall ein Arbeitshund. Da kommen zum Beispiel die Hütehunde infrage. Vielleicht ein Border Collie oder ein Australian Shepherd. Oder ein Herdenschutzhund.

Hütehund, Herdenschutzhund: Was genau ist der Unterschied?

Die Hütehunde sind damit beschäftigt, die Schafherde zu umkreisen und zusammenzuhalten und dahin zu treiben, wo der Schäfer sie hin haben will. Die Herdenschutzhunde sind dazu da, die Tiere vor Wölfen oder wildernden Hunden zu beschützen. Es gibt Rassen, die sind so ein Mittelding. So was wäre mein Vater. Eins passt allerdings nicht: Diese Hunde sind häufig ziemlich nervös. Das ist mein Vater nicht.

Als Kind waren Sie ein Wildfang. Wie kamen Ihre Eltern damit zurecht?

Die mussten das hinnehmen. Mein Vater fand das natürlich toll, dass ich so eine war, die Fußball spielt und alles macht, was mutige und neugierige Kinder so machen. Meine Mutter musste sich von allen anhören, dass sie als Kind ja genauso gewesen sei.

Blöde Hetero-Frage: Wären Sie lieber ein Junge gewesen?

Nein, ich bin total froh, eine Frau zu sein.

Waren Sie darüber auch als Kind und Jugendliche froh?

Ja. In meiner Jungsclique erfreute ich mich großer Anerkennung. Die fanden das toll, dass ich so gut Fußball spielen konnte, obwohl ich ein Mädchen war. Und mit den Mädchen konnte ich über Gefühle sprechen, Geheimnisse haben.

Waren Ihre Eltern streng?

Hier passt: liebevolle Konsequenz.

Ein Beispiel?

Ich habe nie erlebt, dass jemand gesagt hätte: "Du bist aber um acht Uhr zu Hause." Ich wurde gefragt: "Wann wirst du zu Hause sein?" Diese Zeit wurde von uns Kindern dann auch eingehalten. Wir wurden zur Eigenverantwortung erzogen.

War das Eintauchen in die Lesbenszene der willkommene Befreiungsschlag nach der Provinzjugend im Sauerland?

Das war schon toll. Man muss sich nur mal vorstellen, wie viel Auswahl man im Sauerland so hat. Dann auf dem Frauenschwof in Düsseldorf: zack, 2000 Lesben auf einem Haufen! Wow! Man entwickelt ein bestimmtes Zusammengehörigkeitsgefühl, ein Modebewusstsein. Das war eine nachgeholte Sturm-und-Drang-Zeit.

Klingt spannender als unsere verklemmten Hetero-Partys.

Ist das verklemmt? Muss ich mal gucken gehen.

Jedenfalls gibt es nicht die Offenbarung: Wow, 2000 potenzielle Abschleppkandidaten!

Moment! One-Night-Stands gibt's bei Lesben selten. Nee, da umkreist man sich monatelang auf den Schwofs, bis man sich zum ersten Mal anspricht.

Mit 19 haben Sie Ihren Eltern einen Brief an ihren Urlaubsort geschickt, um ihnen mitzuteilen, dass Sie lesbisch sind. Warum einen Brief?

Da war ich noch so nah an der Pubertät, wo es mir schwerfiel zu reden. Sollte man jetzt nicht mehr meinen, aber so war's.

Ihre Eltern haben Sie dann angerufen, um zu sagen, dass alles in Ordnung sei und Sie sich keine Sorgen zu machen brauchten. Haben Sie danach miteinander geredet?

Klar. Aber viel gibt's da auch nicht zu reden. Man kann fragen: "Bezieht sich das nur auf diese Frau? Oder auf alle Frauen?" Auf manche Sachen weiß man auch keine Antwort, wie: "Meinst du, du kannst dich auch noch mal in einen Jungen verlieben?" Keine Ahnung!

Wurden Ihre Partnerinnen im Alltag von Ihrer Familie akzeptiert?

Meine Eltern kannten meine erste Freundin ja schon. Die ging dann bei uns ein und aus und wurde zu allen Festen eingeladen. Meine jetzige Lebensgefährtin ist für meine Mutter wie eine zweite Tochter.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 22/2008

Zur Person

Zur Person Mirjam Müntefering wurde 1969 geboren. Sie ist Tochter aus erster Ehe des SPD-Politikers Franz Müntefering. 1998 veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Ada sucht Eva". Sie hat sich früh zu ihrer Homosexualität bekannt und wurde dabei von ihrem Vater unterstützt - er riet ihr zu offensivem Umgang mit dem Thema. Müntefering lebt im Ruhrgebiet, wo sie eine Hundeschule betreibt und Bücher schreibt. Soeben erschien ihr autobiografisches Buch "Tochter und viel mehr" (Piper, 7,95 Euro).

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
Kalox (01.06.2008, 18:05 Uhr)
klingt anbiedernd...
...z.B. "wow, aufregender als unsere hetero-parties", als würde man krampfhaft homosexualität auf ein podest heben müssen. also bitte.
ganzbaf (01.06.2008, 12:29 Uhr)
Alfa-Tierchen, Erpelmännchen...

Münteschrecke oder doch mehr ein Fox-Terrier...??
Fragen über Fragen...(O;
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