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6. September 2010, 16:31 Uhr

"Für mich gibt es kein normales Leben"

Normal sein. Vier Jahre nach ihrer Flucht aus achtjähriger Gefangenschaft hat Entführungsopfer Natascha Kampusch mit dieser Hoffnung abgeschlossen. Am Mittwoch erscheint ihr Buch "3096" - auch als Botschaft an all diejenigen, die ihren Entführer noch immer für einen sympathischen Mann halten.

Natascha Kampusch fühlt sich vier Jahre nach ihrer Flucht aus achtjähriger Gefangenschaft eines Verbrechers immer noch als Außenseiterin. "Für mich gibt es kein normales Leben", sagte die 22-jährige Österreicherin der Zeitschrift "freundin". "Ich habe versucht, mich einzugliedern, aber das klappt nicht, weil ich nicht dazugehöre."

Ihr Buch "3096", dessen Titel sich auf die Zahl der Tage bezieht, die sie in einem Verlies verbrachte, erscheint am Mittwoch im deutschen List Verlag. Nach der Lektüre soll niemand mehr auf die Idee kommen, "dass der Täter ein sympathischer Mann und mein Leben im Verlies ein ganz angenehmes war", sagte Kampusch laut einer Vorabmeldung der Zeitschrift. Über die brutalen Misshandlungen habe sie bislang in Interviews geschwiegen, weil sie stets das Gefühl gehabt habe, dass hinter den Fragen die Absicht stecke, etwa Schmutziges aus ihrer Geschichte zu machen.

"Mich beschleicht die Angst, dass ich manches nie überwinden kann", sagte die 22-Jährige, die therapeutische Hilfe bekommt. Sie beklagt, dass überall, wo sie hinkomme, die Leute über sie Bescheid wüssten. "Ich werde nie unvoreingenommen gesehen", sagte sie. In Zukunft möchte sie ein Handwerk lernen, möglicherweise Goldschmied. Privat könne sie sich grundsätzlich vorstellen, eine Beziehung zu führen. "Aber so weit bin ich noch nicht. Ich brauche erst einmal Freiraum für mich."

Bei der Aufzeichnung für die Montagabend ausgestrahlte ARD-Sendung "Beckmann" sagte Kampusch: "Ich will die ganze Geschichte loswerden, es ist eine Art Ballastpaket für mich." Nach wie vor begegneten ihr Menschen zum Teil mit Zurückhaltung, auch heute noch höre sie bei manchen Gelegenheiten Äußerungen wie: "Was macht die denn da? Unglaublich, unerhört." Über ihr Martyrium sagte sie, der Täter (Wolfgang Priklopil) habe ihr gesagt, er werde sie niemals freilassen. "Es war sehr endgültig, wie ein Verurteilung." Vor ihrer geglückten Flucht habe sie gedacht: "Ich will doch so gerne leben, ich will doch noch so viel machen." Es gehe ihr heute gut. "Ich habe Freunde gefunden, auch wenn es nicht ganz leicht war. Es ist eine starke Belastung für jeden, der mit mir befreundet ist, auch meine Vergangenheit mitzutragen."

APN
 
 
 
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