Zeit für große Gefühle

28. Juni 2011, 10:26 Uhr

Ohne Liebe läuft auch auf dem Literaturmarkt nichts: Leser, die sich im Strudel der Gefühle mitreißen lassen wollen, haben unter zahlreichen neuen Liebesromanen die Qual der Wahl.

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Von Zärtlichkeit und Nähe bis hin zu zerstörerischem Hass: Die Liebe lässt Literaten nicht los©

Liebe, jenes mächtige Gefühl, das Berge versetzen und manchen auch in einen Abgrund der Verzweiflung stürzen kann, bleibt ein Lieblingsthema der Romanautoren. Sie spielen in ihren neuen Büchern alle möglichen Variationen des stärksten Gefühls der Zuneigung durch.

Mit Eleganz und Menschenkenntnis hat etwa der Pariser Erzähler Hervé Le Tellier sein komödiantisches Kammerspiel "Kein Wort mehr über Liebe" verfasst: Im Jahrhundertsommer erliegen zwei Ehefrauen dem Reiz des Verbotenen. Sie genießen den ersten Rausch mit ihren Liebhabern und geben sich Illusionen hin. Doch bald kommen erste Zweifel darüber auf, ob es sich lohnt, für eine flüchtige Begegnung alles aufs Spiel zu setzen. Der 54-jährige Autor stellt sich mit der Sommerkomödie erstmals dem deutschen Publikum vor.

Eine der erfolgreichsten Liebesgeschichten der Saison ist wohl die von "Léon und Louise": Mit Leichtigkeit und dennoch großer Intensität erzählt der in der Schweiz lebende Franzose Alex Capus von einem Paar, das sich in den Wirren des Ersten Weltkrieges ineinander verliebt, durch einen Fliegerangriff getrennt wird und sich erst 1928 in der Pariser Métro wieder begegnet. Der Text des 50-Jährigen lebt von seiner ganz besonderen Sprache.

Eine unmögliche Liebe hat der Londoner Journalist und Autor William Coles in seinem Roman "Das limonengrüne Zimmer" festgehalten. Im Rückblick erzählt ein Mann von dem prägenden Erlebnis seiner Jugend: Als er gerade einmal 17 Jahre alt war, endete seine unschuldige Jugendzeit jäh, als er in seinem letzten College-Jahr in Eton eine neue, junge und gut aussehende Klavierlehrerin bekam. Zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebe, die auf Dauer nicht überleben kann.

Liebe auf dem Prüfstand schildert auch die 46 Jahre alte gebürtige Kroatin Natasa Dragnic in ihrem Roman "Jeden Tag, jede Stunde": Als sich die Freunde aus Kindheitstagen Dora und Luka überraschend in Paris wiedertreffen, soll ihre Beziehung nach ihrer beider Willen für immer sein. Nur kurz will Luka in die Heimat Kroatien, um ein paar Dinge in Ordnung zu bringen, doch er kehrt nicht mehr zurück.

Ihre traurig-schöne Geschichte "Bis zum letzten Atemzug" verlegt die 42-jährige Schwedin Anne Swärd in ein südschwedisches Dorf in den 1970er Jahren: Während die ausgedörrten Felder brennen, begegnet die Grundschülerin Lo dem älteren Jungen Lukas. Als Erwachsene und längst getrennt von Lukas lebt sie so, als hätte sie jeden Halt verloren. Lo macht sich auf die Suche nach ihrer ersten Liebe.

Nach dem Verkauf der Firma will Shep das Leben in vollen Zügen genießen. Doch dann erfährt er, dass seine Frau Glynis schwer krank ist und die lebensrettende Behandlung vermutlich sein ganzes Geld verschlingen wird. Schonungslos und berührend schreibt die US-Bestsellerautorin Lionel Shriver in "Dieses Leben, das wir haben" vom Wandel einer Ehe und von tiefer Liebe, die das Äußerste fordert. Der Roman "Wir müssen über Kevin reden", mit dem Shriver international bekannt wurde, wird zur Zeit mit Tilda Swinton verfilmt.

"Kein Wort mehr über Liebe"

"Kein Wort mehr über Liebe" Von Hervé Le Tellier
Deutscher Taschenbuch Verlag
Preis 14,90 Euro

"Léon und Louise"

"Léon und Louise" Von Alex Capus
Hanser
Preis: 19,90 Euro

"Das limonengrüne Zimmer"

"Das limonengrüne Zimmer" Von William Coles
Knaur
Preis: 8,99 Euro

"Jeden Tag, jede Stunde"

"Jeden Tag, jede Stunde" Von Natasa Dragnic
DVA
Preis: 19,99 Euro

"Bis zum letzten Atemzug"

"Bis zum letzten Atemzug" Von Anne Swärd
Suhrkamp
Preis: 14,95 Euro

"Dieses Leben, das wir haben"

"Dieses Leben, das wir haben" Von Lionel Shriver
Piper
Preis: 19,93 Euro

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