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Zeit für große Gefühle

Ohne Liebe läuft auch auf dem Literaturmarkt nichts: Leser, die sich im Strudel der Gefühle mitreißen lassen wollen, haben unter zahlreichen neuen Liebesromanen die Qual der Wahl.

Liebe, jenes mächtige Gefühl, das Berge versetzen und manchen auch in einen Abgrund der Verzweiflung stürzen kann, bleibt ein Lieblingsthema der Romanautoren. Sie spielen in ihren neuen Büchern alle möglichen Variationen des stärksten Gefühls der Zuneigung durch.

Mit Eleganz und Menschenkenntnis hat etwa der Pariser Erzähler Hervé Le Tellier sein komödiantisches Kammerspiel "Kein Wort mehr über Liebe" verfasst: Im Jahrhundertsommer erliegen zwei Ehefrauen dem Reiz des Verbotenen. Sie genießen den ersten Rausch mit ihren Liebhabern und geben sich Illusionen hin. Doch bald kommen erste Zweifel darüber auf, ob es sich lohnt, für eine flüchtige Begegnung alles aufs Spiel zu setzen. Der 54-jährige Autor stellt sich mit der Sommerkomödie erstmals dem deutschen Publikum vor.

Eine der erfolgreichsten Liebesgeschichten der Saison ist wohl die von "Léon und Louise": Mit Leichtigkeit und dennoch großer Intensität erzählt der in der Schweiz lebende Franzose Alex Capus von einem Paar, das sich in den Wirren des Ersten Weltkrieges ineinander verliebt, durch einen Fliegerangriff getrennt wird und sich erst 1928 in der Pariser Métro wieder begegnet. Der Text des 50-Jährigen lebt von seiner ganz besonderen Sprache.

Eine unmögliche Liebe hat der Londoner Journalist und Autor William Coles in seinem Roman "Das limonengrüne Zimmer" festgehalten. Im Rückblick erzählt ein Mann von dem prägenden Erlebnis seiner Jugend: Als er gerade einmal 17 Jahre alt war, endete seine unschuldige Jugendzeit jäh, als er in seinem letzten College-Jahr in Eton eine neue, junge und gut aussehende Klavierlehrerin bekam. Zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebe, die auf Dauer nicht überleben kann.

Liebe auf dem Prüfstand schildert auch die 46 Jahre alte gebürtige Kroatin Natasa Dragnic in ihrem Roman "Jeden Tag, jede Stunde": Als sich die Freunde aus Kindheitstagen Dora und Luka überraschend in Paris wiedertreffen, soll ihre Beziehung nach ihrer beider Willen für immer sein. Nur kurz will Luka in die Heimat Kroatien, um ein paar Dinge in Ordnung zu bringen, doch er kehrt nicht mehr zurück.

Ihre traurig-schöne Geschichte "Bis zum letzten Atemzug" verlegt die 42-jährige Schwedin Anne Swärd in ein südschwedisches Dorf in den 1970er Jahren: Während die ausgedörrten Felder brennen, begegnet die Grundschülerin Lo dem älteren Jungen Lukas. Als Erwachsene und längst getrennt von Lukas lebt sie so, als hätte sie jeden Halt verloren. Lo macht sich auf die Suche nach ihrer ersten Liebe.

Nach dem Verkauf der Firma will Shep das Leben in vollen Zügen genießen. Doch dann erfährt er, dass seine Frau Glynis schwer krank ist und die lebensrettende Behandlung vermutlich sein ganzes Geld verschlingen wird. Schonungslos und berührend schreibt die US-Bestsellerautorin Lionel Shriver in "Dieses Leben, das wir haben" vom Wandel einer Ehe und von tiefer Liebe, die das Äußerste fordert. Der Roman "Wir müssen über Kevin reden", mit dem Shriver international bekannt wurde, wird zur Zeit mit Tilda Swinton verfilmt.

Susanna Gilbert-Sättele/DPA/DPA

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo