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Martin Suter und das Spiel mit der Zeit

Der Schweizer Autor Suter erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte zweier Männer, die nicht über den Tod ihrer Frauen hinwegkommen. Ein surreales Experiment bringt ihnen Ablenkung und Linderung.

Zwei Männer haben ihre Frauen verloren. Die völlig unterschiedlichen Nachbarn - der eine ist 42, der andere fast doppelt so alt - werden mit dem Tod nicht fertig und flüchten sich in ein absurdes Experiment: Sie wollen die Zeit überlisten. "Die Zeit, die Zeit" heißt dann auch der neue Roman des Schweizer Bestsellerautors Martin Suter. Das Buch hat zugleich einen starken autobiografischen Hintergrund. Der 64 Jahre alte Autor muss selbst den Tod seines dreijährigen Adoptivsohns verkraften, der 2009 bei einem Unfall ums Leben kam.

Er rechne nicht damit, dass die Trauer allmählich weniger werde, sagte Suter jetzt dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Die Zeit heilt nicht alle Wunden, das glaube ich nicht." Das ist ein zentrales Thema seines neuen Romans, wesentlicher Antrieb der beiden Hauptfiguren und möglicherweise der Schlüssel für den überraschenden Schluss der Geschichte.

Überzeugt, dass die Zeit nicht existiert

Die jüngere Hauptfigur, Peter Taler, arbeitet als Sachbearbeiter in der Finanzabteilung eines Bauunternehmens. Eines Tages wird Talers Frau Laura, eine Illustratorin, an der Haustür von einem Unbekannten aus dem Hinterhalt erschossen. Peter will ihren Mörder finden und seine Frau rächen. Bei seinen Ermittlungen lernt er seinen Nachbarn von Gegenüber kennen, den alten Albert Knupp. Der pensionierte Lehrer ist schon mehr als 20 Jahre Witwer und fühlt sich - ähnlich wie Peter - mitschuldig am Tod seiner eigenen Frau.

Der Alte sieht nur noch einen Weg, seinen Frieden zu finden: Überzeugt, dass die Zeit nicht existiert, setzt er alles auf eine Karte. Er will den 11. Oktober 1991 im Gustav-Rautner-Weg 39 exakt bis ins letzte Detail rekonstruieren - mit allen Mitteln und ohne jeden Skrupel. Dem ausgekochten Eigenbrötler gelingt es, den eigentlich skeptischen Taler zu seinem Helfer zu machen. Der Jüngere gibt in seiner Einsamkeit seine Widerstände mehr und mehr auf und engagiert sich schließlich ganz und gar für das Vorhaben des Alten.

Knupp ist aber keineswegs bloß ein alter Spinner, sondern ein "Kerbelianer", Anhänger einer erfundenen, esoterischen Bewegung. Mit viel Ironie spielt Vielschreiber Suter mit den Anhängern und Ausprägungen einer solchen Gruppe.

Ein unplausibles Ende

Mit seiner gewohnt schnörkellosen, direkten Sprache gelingt es dem früheren Werbetexter dabei auch erneut, Spannung zu erzeugen. "Die Zeit, die Zeit" kommt aber bei weitem nicht an seine früheren Erfolgs-Romane (wie "Small world", "Lila, Lila" oder "Der Teufel von Mailand") heran. Die Geschichte verliert sich zunehmend in uninteressanten Einzelheiten und endet schließlich nicht nur völlig überraschend, sondern auch unplausibel.

Ira Schaible, DPA/DPA

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