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3. April 2008, 10:45 Uhr

Deutschlands neuer Posterboy

Doktor Sommer, 231 "coole Handysticker" und ein Poster vom US-Präsidenten Barack Obama. Erstmals ist ein Politiker als Poster in der Jugendzeitschrift "Bravo". Chefredakteur Tom Junkersdorf sagt stern.de, warum er Obama für einen echten Popstar hält und warum keiner der deutschen Politiker so ein Poster verdient. Von Sophie Albers

Barack Obama,

"Niemals wird es ein deutscher Politiker auf ein 'Bravo'-Poster schaffen"© Bravo/ Bauer Verlag

Wenn am Mittwoch deutsche Teenager zum Wochenmagazin "Bravo" greifen, werden sie nicht nur den guten alten Doktor Sommer, das Neueste über Miley Cyrus und "231 coole Handysticker" finden, sondern auch den frisch gewählten 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, zum Herausnehmen. Denn: Erstmals in ihrer 52-jährigen Geschichte widmet die Jugendzeitschrift einem Politiker eines ihrer Poster.

Wird der Mann, auf dem sich derzeit die Hoffnung eines Großteils der Welt vereinigt, also demnächst neben Tokio Hotel und Rihanna an Kinder- und Jugendzimmerwänden hängen? Wird er es sogar schaffen, den Teufelskreis der immer wieder beklagten Politikverdrossenheit der deutschen Jugend zu durchbrechen? Oder ist das einfach nur das Bild einer coolen Ikone, deren Inhalt aber niemanden so richtig interessiert? Fragen, die am besten "Bravo"-Chefredakteur Tom Junkersdorf beantworten kann.

Glauben Sie wirklich, dass "Bravo"-Leser sich Obama neben Rihanna an die Wand hängen werden?

Absolut. Der Mann ist Kult, und das ist ein Kultposter. Das wird in vielen Jugendzimmern hängen, aber auch in Schulen.

Schulen kann ich mir eher vorstellen.

Unterschätzen Sie die Jugendlichen nicht. Gerade Jugendliche merken, ob sich ein Politiker wirklich für seine Themen interessiert. Der Mann ist einfach cool. Mit ihm hat die Welt einen neuen Megastar. Er hat absoluten Popstar-Status. Er ist vor allem auch der Star der Stars. Von Kate Perry bis Kanye West freuen sich alle über seine Wahl. Und "Bravo" ist schließlich am Ende auch ein Star-Magazin.

Gab es Anfragen von Lesern?

In der Tat gab es Briefe dazu. "Macht doch mal was zu Obama, macht doch mal ein Poster." Das hat uns auch gewundert.

Daher kam die Idee?

Nein, die wurde aus den Bildern der Begeisterung geboren. Obama ist ein Jahrhunderttyp, der die Menschen bewegt wie sonst keiner. Und er ist cool: ein Mann, der zwischen den Wahlkampfveranstaltungen Basketball spielt, der in Chucks, mit Baseballcap und Sonnenbrille rumläuft und einen iPod in der Hand hält.

Apropos Musik, auch damit hat Obamas Erfolg zu tun. Er wurde von vielen HipHoppern unterstützt.

Er sieht ja selbst aus wie ein HipHopper. Man spürt einfach, da ist jemand, der für Wandel steht. Und dann dieser Slogan: "Yes we can". Das kennt jedes Kind aus "Bob der Baumeister": "Can we fix it? Yes we can!" ["Können wir es reparieren? Ja, das können wir!", Red.] Das erreicht natürlich junge Leute. Das verstehen die eher als: "Wir brauchen einen neuen Gesundheitspakt."

Mir ist aufgefallen, dass die "Bravo" sich mittlerweile auch politischen Themen widmet. Es geht um Integration und Arbeitslosigkeit. Ist das eine neue Richtung? Sehen Sie sich in einer neuen Verantwortung?

Das machen wir seit drei Jahren. Damals haben wir mit der Sparte "Real Life" angefangen, denn bei den Jugendlichen geht es nicht nur um Spaß! Wir sehen uns als Anwalt der Generation Schule. Deshalb gab es die Kampagne "Schau nicht weg" gegen Gewalt an Schulen, oder auch die "Job-Attacke", weil Jugendliche immer schwieriger Jobs finden.

Barack Obama,

Obama auf dem Cover und als Poster© Bravo/ Bauer Verlag

Und von der Politik zu wenig kommt?

Deutsche Politiker machen keine Politik für Jugendliche. Wenn, dann so was wie Roland Koch, der Hetzkampagnen startet - "Sperrt sie alle weg". Jugendliche haben großes politisches Interesse. Den Klimawandel zum Beispiel. In die Kerbe trifft wiederum Barack Obama, und sie denken dann: "Vielleicht passiert da mal was." Obama lebt die Wahrhaftigkeit vor. Deutsche Politiker sitzen jahrelang rum, und wenn der Letzte weggemobbt ist, heißen sie Angela Merkel und sind Bundeskanzlerin. Obama hat es in 21 Monaten vom Nobody zum Weltstar geschafft. Das vermittelt er auch den Jugendlichen: Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst. Der amerikanische Traum.

Ist die Klage über die Politikverdrossenheit der deutschen Jugend also Unsinn?

Ich würde eher sagen, die deutsche Politik ist jugendverdrossen. Die interessiert sich nur für die Wählerschaft, und die wird ja immer älter.

Können Sie sich einen deutschen Politiker auf einem "Bravo"-Poster vorstellen?

Niemals wird es ein deutscher Politiker auf ein "Bravo"-Poster schaffen. Das haben sie nicht verdient.

Obama-Starschnitt Damit der "Change" auch in ihrem Büro ankommt, bietet die FTD den "Obama Starschnitt" zum Runterladen

Von Sophie Albers
 
 
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