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Die Rock'n'Roller des Klimaschutzes

Um Kundengefühle zu wecken, bauen Autokonzerne Prunkbauten wie die BMW-Welt in München. Sowas müsste es auch für Öko-Produkte geben, meinen die Brüder Unfried. Sie sind Vorkämpfer eines neuen Energiebewusstseins, das auf eine veränderte Konsumlogik setzt.

Von Axel Henrici und Oliver Fuchs

Zwanzig Jahre hatte Martin auf Peter eingeredet und gesagt, bei der Umwelt, da müsse man was tun. Aber Peter hörte nie hin. Ökos. Geh mir weg mit diesen vertrockneten Spaßbremsen, die immer alles besser wissen! Bis zu diesem Moment im Jahr 2006, als er aus dem Kino trat, in die Sonne blinzelte, seufzte - und wusste: Es ist soweit. Jetzt muss wirklich was passieren. Mist.

Obwohl er es längst hätte wissen müssen, war Al Gores Film "Eine unbequeme Wahrheit" für Peter Unfried der ausschlaggebende Moment. Mit dieser Schlüsselszene beginnt auch sein Buch "Öko. Al Gore, der neue Kühlschrank und ich", das auf äußerst unterhaltsame Weise Unfrieds Wandlung vom Müslihasser zum erklärten Vorkämpfer für die solare Effizienzrevolution beschreibt. Es ist ein mühsamer Weg. An was man alles denken muss: Strom sparen, ökologische Produkte kaufen, und überhaupt nachhaltig leben! Klingt wahnsinnig anstrengend - aber, sagt Peter Unfried, "das täuscht. Am Ende der Entwicklung steht - entschuldigen Sie das Pathos - ein schöneres und besseres Leben."

Für sein Buch sprach der Journalist Unfried mit Praktikern wie dem Geschäftsführer von Atmosfair, Dietrich Brockhagen, aber auch mit Theoretikern wie dem Solarpapst Hermann Scheer. Und stellte fest: Die Ökologisierung unseres Alltags kann nur über den Markt, über bessere, nachhaltige Produkte funktionieren. Als Kronzeuge dient ihm dabei der Kulturwissenschaftler Nico Stehr ("Die Moralisierung der Märkte"), der lapidar feststellt: "Es gibt keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen Moral und Kapitalismus. Wenn sich herausstellt, dass es profitabel ist, Waren mit einer bestimmten moralischen Würde am Markt zu verkaufen, dann werden die Produzenten sich entsprechend verhalten."

Anhand ganz alltagspraktischer Fragen - was für ein Auto kaufe ich mir? Wie viel Strom frisst mein alter Kühlschrank? Darf ich jetzt überhaupt noch fliegen? - lässt Peter Unfried seine Leser teilhaben an der allmählichen Ökologisierung seines Alltags. Und an den Zweifeln, die ein geübter Skeptiker dabei haben kann ("Ist es nicht eine naive Kuschelfantasie, sich eine gerechtere Welt kaufen zu wollen?").

Als Sidekicks und Widerpart dienen ihm dabei sein alter Freund Minki, ein Zyniker wie er im Buche steht ("Du interessierst dich doch nur für Energiesparlampen, weil du gemerkt hast, dass du keine Karriere mehr machst und die Weiber auch nicht mehr auf dich stehen"), und sein Bruder Martin, der sogar ein eigenes Kapitel erhält, in dem er sich über Peters 180-Grad-Wende zum Superöko lustig machen darf.

Seit einiger Zeit hat Martin Unfried, der im niederländischen Maastricht lebt, eine eigene Zeitungskolumne in der Berliner "tageszeitung (taz)". Stellvertrender Chefredakteur der linksalternativen "taz": Peter Unfried. Unter der Rubrik "Ökosex" versucht der Klima- und Umweltexperte Martin Unfried auf ironische Weise, dem vermeintlich trockenen Thema "Öko" etwas mehr Pfiff zu verleihen. Wie es dazu kam, dass zwei Brüder, die in ihrer Jugend im selben Zimmer unterm Dach hausten, sich so unterschiedlich entwickelt haben - und wie wir künftig besser und klimafreundlicher leben können, ohne uns den Spaß am Konsum vermiesen zu lassen, darüber sprach stern.de mit Peter und Martin Unfried.

Lesen Sie auf der nächsten Seite unser Interview: Ein Gespräch über Pop und Umwelt, Saufen und Dreiliterautos - und die Frage, wieso es keine Erlebnisparks für Klimaschutz gibt.

Wie kommt es, dass aus einer Familie zwei so verschiedene Brüder kommen: ein Ökomoralist und ein hedonistischer Moralverweigerer, "der Ökos verachtete, wie sich das gehörte", um Peters Buch zu zitieren?

Peter: Das ist eigentlich seltsam, denn wir kommen ja aus demselben Zimmer. Wir hatten ein Zimmer unter dem Dach, in dem wir beide unsere Jugend verbracht haben, und im Prinzip auch denselben Werdegang: Schule, Fußballverein usw. Aber der Martin war - was mir damals gar nicht so klar war - immer etwas "gemeinwohliger" angelegt und ich eher ironisch.

Kann man ironisch Öko sein?

Peter:

Nein. Früher habe ich meine Kraft aus der Ironie gezogen, aus dem Distinktionsgewinn, und heute finde ich es großartig, eine Sache völlig unironisch zu machen.

Martin:

Vielleicht ist es so, dass die Ironiker ernster werden mussten und die klassischen Ökos, mit ihren "Wir-haben-die-Erde-von-unseren-Kindern-nur-geerbt"-Aufklebern, etwas entspannter.

Es lag also nicht daran, dass Martins Engagement Ihnen schon von Ihrer Jugend an auf die Nerven ging?

Peter: Nein, das war ja eher so katholische Jugendarbeit, und ich hatte ja auch so eine katholische Phase.

Martin:

Der Unterschied war vielleicht eher, dass er sich ein paar Jahre lang eher dem Saufen gewidmet hat, und da war ich wohl eher etwas abstinenter...

Wieso hat die Bekehrung so lange gedauert?

Peter:

Ich habe einfach nicht zugehört. Das Thema war immer da, und es wurde immer darüber geredet, aber ich habe einfach nicht zugehört. Ich hab's kapiert, aber es hat mich nicht erreicht. Ich musste erst ein bestimmtes Alter und eine bestimmte Lebensphase erreichen, um zu kapieren, was der mir da erzählt hat. Ich konnte nicht zwischen dem Inhalt und dem, was mich äußerlich gestört hat, unterscheiden. Sprich: Ökotum und Ökos. Diese ganzen Vorurteile, die es teilweise ja auch zu Recht gibt, also dass das Leute sind, die einem ständig was vorhalten wollen und einem erzählen, dass sie das bessere Leben führen und dass man das gefälligst auch tun soll. Aber durch diesen Film, durch Martin und andere Dinge, die sich in diesem Zeitraum 2006 ereignet haben, fing ich auf einmal an, anders zuzuhören und bestimmte Dinge zu verstehen. Und dann fängt man an, Sachen auch wissen zu wollen.

Martin, denken Sie im Nachhinein, dass Drängeln die richtige Strategie war?

Martin: Nein. Damals war das ja auch noch sehr moralisch geprägt. Wir müssen das für unsere Kinder tun und so weiter. Irgendwann war mir aber klar, man erreicht die Leute gar nicht über diese Schiene. Es gab ja keinen moralischen Rahmen für diese Debatte. Man konnte vielleicht über die Frage diskutieren, "Ist es gut oder schlecht, im Supermarkt zu stehlen?" - aber nicht über die Frage, "Ist es jetzt gut oder schlecht, ob man CO2 emittiert?" Erst später habe ich kapiert, dass man in einer Konsumgesellschaft die Leute anders kriegt - dass längerfristig vielleicht eher die Produkte ein Bewusstsein schaffen und nicht umgekehrt das Bewusstsein die Menschen zu anderen Produkten hinführt.

Nervt es Sie nicht ein bisschen, dass Peter jetzt auf einmal so ein hundertfünfzigprozentiger Öko ist?

Martin (lacht):

Nee, nee, da muss der Peter noch einiges machen.

Was zum Beispiel?

Martin:

Konsequenter seinen eigenen Verbrauch im Bereich Strom und Wärme prüfen. Bis Ende 2008, das ist ja das große Ziel von meinem "taz-Klimaclub", soll jeder seinen persönlichen Verbrauch um 50 Prozent gesenkt haben. Ich werde das gut schaffen, aber wie er das machen will, ist mir noch schleierhaft.

Was ist die Idee des Klimaclubs?

Martin:

Wir wollen zeigen, dass das mit den angeblich so ehrgeizigen Klimazielen eigentlich Pipifax ist. Wir machen das einfach. Das ist nicht komplex und schrecklich. Für jemand, der über einen halbwegs normalen Lebensstandard verfügt, ist das überhaupt kein Problem, dieses Ziel bis nächstes Jahr zu erreichen. Und die G8 sagt, das machen wir bis 2050. Wir müssen doch nicht auf George Bush warten oder auf Angela Merkel. Wir haben das in dieser Produktgesellschaft doch selber in der Hand - durch unsere Kaufentscheidungen.

Warum hat Al Gores Film "Eine unbequeme Wahrheit" bei so vielen Menschen, die es eigentlich schon vorher hätten wissen können oder müssen, eine derartige Wirkung gehabt?

Peter: Ich habe den Film sofort als für den amerikanischen Markt gemacht durchschaut und analysiert, wie der Regisseur Al Gore als massentaugliche Figur aufbaut. Wie aus diesem alten Langweiler Gore plötzlich ein Popheld werden sollte. Das fand ich schon sehr dick aufgetragen, aber es hat trotzdem funktioniert, denn die Idee dahinter war gut: Leute, hört mir zu, ich hab was zu sagen. Wir haben nur noch zehn Jahre. Man braucht diese Art der Zuspitzung, um die Leute wachzurütteln. Das habe ich alles kalt analysiert und trotzdem fand ich: Das Herz des Films ist einfach rein. Und das hat mich angesprochen - über das übliche Nach-Kino-Gefühl à la "ich möchte ein besserer Mensch werden" hinaus.

Martin:

Für mich war ja das Verblüffende: Dieser Film wird für das amerikanische Publikum gemacht, wo es noch keinen Konsens gibt, "Ja, der Klimawandel findet statt" - und in Europa, wo es diesen Konsens eigentlich längst gibt, funktioniert der Film trotzdem. Das Wuppertal-Institut und die europäischen Think Tanks, die waren richtig geplättet. Die Ökobewegung hat unterschätzt, dass man für den Klimaschutz Gefühle wecken muss. Es geht nicht nur ums Begreifen. Das Auto ist das beste Beispiel. Seit ich mich mit dem Klimaschutz beschäftige, schaue ich Autos anders an. Dieses Nichtvorhandensein von Emotionen nach 15 Jahren Klimaschutzdebatte, das ist absolut niederschmetternd.

Peter:

Da spielen zwei Dinge eine Rolle. Zum einen waren die Ökolobbys jahrzehntelang nicht in der Lage, mit uns Normalos und Hedonisten zu kommunizieren, und zum anderen waren wir amerikanisch geschult. In dem Moment, in dem wie bei Gore jemand auf diese amerikanische Weise mit einem kommunziert, springt man auf einmal darauf an. Aber diese Entwicklung, dass die Ökologie typisch deutsch startet, um dann über den Umweg Amerika in Form von Konsumprodukten - in diesem Fall einem Film - wieder zu uns kommt, das ist schon sehr interessant. Wo dann die Leute auf einmal sagen: "Hey super, der Film von Al Gore und diese Smarts" - die es in Amerika jetzt auch gibt - "das ist ja ganz toll!"

Martin Oder Leute wie Frau Langer von utopia.de. Die ganze Werbebranche. Ich bin natürlich froh, dass es passiert, aber irgendwie fasse ich mir auch an den Kopf und frage mich: "Jungs, was habt ihr eigentlich die ganzen Jahre gemacht" Das ist schon irgendwie tragikomisch.

Woher kommt diese Unlust, sich mit Umweltthemen zu beschäftigen?

Martin:

Das hängt auch mit dem zusammen, was ich "Klimaschutz-Paradox" nenne. Nehmen wir ein Produkt wie das Dreiliterauto: In der Konsumgesellschaft bestimmen die "Vibrations", wie erfolgreich ein Produkt ist. Durch die ganze bierernste Klimaschutzberichterstattung von Johannesburg bis Rio sind die Vibrations eben schlecht. "Oh Gott, die Amerikaner, das ist ja alles so schrecklich, und ich darf nicht fliegen!" Und das führt dazu, dass das Dreiliterauto, obwohl es ein so faszinierendes Hightech-Produkt ist, derart negativ aufgeladen wird, dass jeder meint, "das kaufen sich doch nur Leute, die leiden wollen - viel Geld für wenig Spaß". Und das ist natürlich tödlich. Ähnlich war es bei den sogenannten "Passivhäusern". Das fängt schon mit dem unglücklichen Begriff an. "Passivhaus - da darf man das Fenster nicht aufmachen..." Obwohl das Passivhaus seit der Mondlandung das Faszinierendste ist, was der Mensch technologisch zustande gebracht hat.

Stehen wir vor einer Re-Moralisierung der Gesellschaft?

Peter: Ich glaube, dass inzwischen Moral wieder etwas mehr nachgefragt wird, und zwar nicht, weil ich jetzt in ein bestimmtes Alter gekommen bin, sondern insgesamt. Das hat verschiedene Gründe: die Leute haben Kinder, fangen an nachzudenken, suchen nach etwas Sinnhaftem - gleichzeitig hat die Wirtschaft die Moral als Produkt entdeckt. Man muss da auch vorsichtig sein und darf es nicht übertreiben. Wenn der stern diese Woche mit "So retten wir die Welt" aufmacht, dann ist sie gerettet, dann kann man damit nicht noch mal in der nächsten Woche kommen.

Martin:

In der Konsumgesellschaft ist das Pathos kontraproduktiv. Da braucht man positive Gefühle.

Peter:

Aber ich glaube, dass die Konsumorientierung richtig ist. Man muss die entsprechenden Produkte anbieten, und darüber passiert dann etwas. Dass ich sage, das Dreiliterauto ist das geilste Auto der Welt, dafür musste ich erst mal die Erfahrung machen. Das kam ja nicht allein daher, dass ich dachte, damit rette ich die Welt. Sondern daher, dass ich sehr gern damit fahre. Das beinhaltet natürlich den ökologischen Aspekt, dass ich Sprit spare.

Martin:

Auf der Produktebene geht es vor allem um die Frage: "Was ist jetzt modern? Was finden wir hip?" Nehmen wir das iPhone. Oder das Prius-Phänomen in Kalifornien, wo die Showbiz-Elite sagt, "Jungs, wir fahren jetzt Prius, das ist total angesagt!" Das würde auch bei uns funktionieren. Bislang sagt die Automobilindustrie eben noch, "Der Fahrspaß besteht darin, 250 zu fahren", aber das ist völlig beliebig. Der Claim könnte auch völlig anders lauten. Ich glaube nicht an den konditionierten Verbraucher, der immer nur "schneller, schneller, schneller" sagt. Durch intelligente Werbung kann man diese Reize auch umpolen. Wenn Franz Beckenbauer, Boris Becker, Harald Schmidt und Heidi Klum plötzlich im Zweiliterauto fahren - da würde sich was tun. Wir müssen aber auch darauf achten, dass wir keine Pseudo-Ökologisierung bekommen, kein "Green-Washing". Wo die großen Konzerne alles unternehmen, um ihr Image grün aufzufrischen, ohne dass substanziell etwas dahinter steckt.

Reichen ein paar Promis aus, damit das erwünschte (ökologische) Verhalten Mainstream wird?

Martin: Zusätzlich braucht der Klimaschutz natürlich eine konsequente Medien- und Kommunikationsstrategie. Man kann das nicht so einfach nebenbei machen. Man braucht einen Masterplan. Wenn man sich zum Beispiel die Abholzentren der Autohersteller anguckt, die Erlebnisparks in Wolfburg und München: Milliardensummen, um das Produkt Auto gefühlsmäßig aufzuwerten. Wir brauchen fünf Abholzentren für den Klimaschutz in Deutschland! Wo man mit der ganzen Familie hingeht und die Photovoltaikanlage und das Passivhaus erleben kann und denkt, "Wow, geil!"

Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor, damit wir in Zukunft nachhaltig und klimafreundlich leben können?

Peter: Es geht nicht nur darum, künftig Bio-Joghurt zu essen, sondern darum, weniger Energie zu verbrauchen, und zwar erneuerbare. Das wäre der Hauptpunkt.

Martin:

Mit "Dreh mal ein bisschen die Heizung runter" ist es nicht getan. Aber wenn man sich einfach sagt, "50 Prozent runter in zwei Jahren", dann kommt man auch automatisch auf die richtigen Prioritäten. Die wichtigste Frage ist doch, "was verbrauchst du an Gas, was an Strom?" Und wenn man die einem normalen Menschen stellt, weiß das kein Schwein. Energiesparlampe gut und schön: Aber wie können wir mit Laptop und Wireless LAN in einem Haus sitzen, das kein Doppelglas hat! Das passt auch produktmäßig nicht zusammen! Auf der einen Seite wollen wir die Super-Sexy-Produkte im IT-Bereich, aber es ist allen wurscht, ob ihr Haus Steinzeit ist...

Peter: Es funktioniert wie beim Pop. Über die Oberfläche. Oder Peer-Group-Pressure. Wenn alle Ökostrom haben, denkst du, "Oh Mist, muss sofort zum nächsten Lichtblick-Stand am Biomarkt und schnell unterzeichnen, damit es keiner merkt!" Und dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du sagst, "Fall erledigt!" oder du fängst an, tiefer einzusteigen.

Ist denn Ökologie auch letztlich der ökonomischere Weg?

Martin:

Was wir produzieren und kaufen, hängt auch von unseren Wünschen ab. Meine Hoffnung ist, dass die ökologische Entwicklung durch faszinierende Produkte vorangetrieben wird, weil ich darin die meisten Potenziale sehe. Wenn ich einen Hype um Photovoltaik schaffe und sich jeder die Dinger aufs Dach knallt, dann brauche ich die nicht mehr moralisch zu bequatschen.

Kann es Klimaschutz ohne Verbote geben?

Martin:

Diese Öko-Stalinismus-Angst ist ein bisschen aberwitzig in einem Land, in dem schon die Dachneigung gesetzlich vorgeschrieben ist, oder wie die Regenrinnen zu verlaufen haben. Und beim Thema Solarverordnung schreien die Leute gleich Ökoterror.

Anders gefragt: Kann Klimaschutz auch Spaß machen?

Peter: Ja, beim Autofahren zum Beispiel. Der Kick, wenn du statt drei Litern auf hundert Kilometer nur 2,7 brauchst.

Martin:

Oder wenn du deinen eigenen Solarstrom produzierst und einmal im Jahr den Strom, den du eingespeist hast, abliest und dann deine 2200 Kilowattstunden an den regionalen Versorger meldest und dafür deine 1000 Euro kassierst. Das sind natürlich ganz starke Momente im Leben eines solaren Effizienzrevolutionärs.

Sie sind beide mit Stars wie Udo Lindenberg und The Sweet großgeworden. Wieso ist das dann auseinandergedriftet - wieso blieb Peter dem Pop verhaftet, während Sie sich der Ökologie verschrieben haben?

Martin: Vielleicht deswegen, weil ich die Rock'n'Roller des Klimaschutzes für mich entdeckt habe. Hermann Scheer zum Beispiel, wenn man dem mal zwei Stunden zuhört, wie der Leute anschiebt, dann ist das ein Rock'n'Roller! Oder der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell, der maßgeblich das Erneuerbare-Energien-Gesetz geprägt hat: Der lebt das, was viele andere Grüne nur predigen, ist immer im Elektromobil unterwegs und wohnt in einem voll autarken, klimafreundlichen Haus.

Was uns zu der Frage "Öko-Avantgarde" bringt...

Martin:

Genau. Warum gibt es in Deutschland keine mediale Elite, die da vorangeht, wie in Kalifornien Leonardo di Caprio und andere?

Peter: Dass die Ökos nicht durchgedrungen sind, liegt natürlich auch an der Sprache. Nehmen wir die Worte "Verzicht" und "Vernunft": Beide sind in diesem Zusammenhang negativ aufgeladen. Wenn man es aber positiv wendet, geht es nicht darum, auf etwas zu verzichten, sondern künftig nach anderen Kriterien zu konsumieren - man kauft nicht vernünftiger ein, sondern besser. Mit besseren Produkten kommt auch eine höhere Produktzufriedenheit. Wie bei den neuen Super-Mini-Boxen. Da sagt man doch auch eher, "Mensch, aus diesen kleinen Boxen kommt so ein astreiner Sound!", und nicht: "Ich möchte wieder die Riesen-Boxen aufstellen." Wenn man das mal kapiert hat, schaut man auch die Produkte ganz anders an.

Wird die Ökologie uns irgendwann ohnehin überrollen - frei nach Victor Hugos Satz "Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist"...?

Peter:

Zumindest in der okay verdienenden Mittelschicht wird es so sein. Wir werden nicht überrollt werden, aber es in unser Leben integrieren. Und es nicht als Verzicht, sondern als Gewinn betrachten, und auch damit angeben.

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