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"Das Original wurde unter Schmerzen geschrieben"

Die 17-jährige Autorin Helene Hegemann hat zugegeben, dass sie Teile ihres Bestsellers "Axolotl Roadkill" vom Buch eines Berliner Autors abgeschrieben hat, das im Mini-Verlag Sukultur erschienen ist. Das Ausmaß der kopierten Passagen sei noch nicht klar, sagt Geschäftsführer Frank Maleu im Interview mit stern.de.

Herr Maleu, Sie sind Geschäftsführer des Sukultur Verlags, in dem das Buch "Strobo - Technoprosa aus dem Berghain" Ende 2008 in einer Auflage von 600 Stück erschienen ist. Durch einen Blog ist publik geworden, dass einzelne Stellen von Helene Hegemanns Bestseller "Axolotl Roadkill" mit Passagen aus dem Buch "Strobo" übereinstimmen, das bei Ihnen erschienen ist.
Die Stellen, die übernommen wurden, sind eindeutig. Auch Frau Hegemann bestreitet das nicht. Sie sagt, sie hätte eine Seite übernommen und eingebaut. Die Aussage kann ich nicht ganz nachvollziehen, weil ich nicht weiß, was sie damit meint. Sie hat nicht einen Blogeintrag genommen und den zerschnitten und verteilt, sondern sie hat sich aus mehreren Blogeinträgen bedient. Alle Passagen des Buches sind auch im Blog erschienen, der Blog enthält aber noch mehr Material.

Der Ullstein Verlag, bei dem "Axolotl Roadkill" erschienen ist, hat sich bislang nur über eine Pressemitteilung öffentlich geäußert und angekündigt, man werde sich bei Ihnen die Veröffentlichung der entsprechenden Passagen nachträglich genehmigen lassen. Wie stehen Sie dazu?
Über eine Genehmigung kann ich nicht sprechen, weil ich noch nicht weiß, um wie viele Stellen es sich handelt. Unser Autor Airen prüft das derzeit. Ansonsten finde ich das Verhalten des Verlages angemessen. Sie haben sofort versucht, mit uns Kontakt aufzunehmen und sind zu Verhandlungen bereit. Wie soll man sonst als Verlag reagieren, wenn ein Autor woanders abgeschrieben hat, ohne dass man davon weiß? Mir wurde gesagt, Frau Hegemann habe nur auf David Foster Wallace hingewiesen. Was ich allerdings zweifelhaft finde: Frau Hegemann behauptet, sie habe nur den Blog gelesen. Am 28.8.2009 ist die Amazon-Bestellung für das Buch "Strobo" auf ihren Namen bei uns eingegangen.

Steht denn Ihr Autor Airen in Kontakt zu Helene Hegemann?
Nein, die beiden kennen sich nicht.

Wie hat Airen auf das Plagiat reagiert?
Der Roman beschreibt das Partyleben eines jungen Mannes in der Zeit ab 2007. Dazu gehören ständige Besuche von Clubs, Feiern, Technomusik und auch Drogen. Der Autor hat diesen stark autobiografischen Roman teilweise unter Schmerzen geboren und sich Formulierungen regelrecht abgerungen. Es ist bitter, wenn dann ein anderer Autor für seine Sprachgewalt gelobt wird. Also wäre es nur fair, wenn sich die Literaturkritiker noch mal mit "Strobo" beschäftigen würden, um zu einem eigenen Urteil zu kommen.

Wer ist Airen?
Airen scheut die Öffentlichkeit, ich kann Ihnen aber versichern, dass er seine Texte selbst geschrieben hat, auch wenn er Lesungen nicht selbst hält. Wegen seiner Scheuheit lässt er sich anwaltlich vertreten. Ansonsten sehe ich im Moment keinen Anlass, die juristische Keule zu ziehen, das Buch per einstweiliger Verfügung einstampfen zu lassen, oder gar Frau Hegemann zu denunzieren. Sie hat ein gutes Buch geschrieben und sich dabei vergriffen, ohne zu fragen. Jetzt reden wir erstmal.

Kathrin Buchner

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

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