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"Der ewige Störenfried hat sich verrannt"

Ist Günter Grass' Gedicht letztlich nicht mehr als die Torheit eines alten Mannes? Die Kommentatoren der Tageszeitungen gehen mit dem Nobelpreisträger hart ins Gericht. Eine Presseschau.

  Ausriss aus der der "Süddeutschen Zeitung" vom Mittwoch mit Günter Grass' "Aufschrei"

Ausriss aus der der "Süddeutschen Zeitung" vom Mittwoch mit Günter Grass' "Aufschrei"

Günter Grass hätte besser schweigen sollen – so kommentiert die "Frankfurter Rundschau" das in der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlichte Gedicht "Was gesagt werden muss" des Nobelpreisträgers. Dem "Tagesspiegel" ist das lyrische Stück nur einen Seufzer wert "Ach, Grass". Viele Kommentatoren erwähnen explizit das Alter des Dichters Grass, als sei das Werk nur die Torheit eines greisen Mannes. Nur wenige stärken dem Schriftsteller den Rücken. Die internationalen Tageszeitungen zielen in ihren Kritiken vor allem auf Grass' Mitgliedschaft in der Waffen-SS ab.

Frankfurter Rundschau

Was da angeblich gesagt werden musste, wäre besser ungesagt geblieben. Politisch ist es Unfug. Das Urteil über die literarische Qualität überlassen wir der Literaturkritik. Aber erklären kann wohl nur die Psychologie, warum ein alter Mann glaubt, "mit letzter Tinte" ein angebliches Tabu brechen zu müssen, das er sich und seiner Generation selbst auferlegt hat.

Berliner Zeitung

Bombenangriffe auf Atomanlagen sind dennoch etwas völlig anderes als die Auslöschung eines Volkes durch den atomaren Erstschlag. Wenn der politische Lyriker Grass diesen Unterschied nicht kennt, liegt er mit seiner Analyse falsch. Wenn er den Unterschied kennt, ihn aber nicht macht, handelt er perfide.

Nürnberger Nachrichten

Schon der Titel des fürchterlich aufgeblasen daherkommenden Alterswerks ist eine rechte Zumutung. "Was gesagt werden muss", heißt das Grass-Gedicht - "....was sich außer mir aber keiner traut", darf beziehungsweise soll der Leser da wohl ergänzen. Und schon ist die alte Stammtisch-Tonlage bestimmt, in der Kritik an Israel gerne angestimmt wird. Nach dem Motto der vermeintlich letzten Mutigen und Aufrechten: Leider darf man das als Deutscher alles gar nicht sagen. Wenn Grass in seiner offenbar grenzenlosen Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und öffentlicher Bedeutung jetzt mit Schmackes auch mal auf diese billige Blechtrommel haut, klingt das nur etwas schwülstiger.

Der Tagesspiegel

Ach, Grass. Zu fürchten ist, zu befürchten auch, dass sich hier einer um den Ruhm schreibt, wenigstens um den Ruf, dass er was zu sagen hätte. Weil er die Weisheit des Alters hätte. Oder weil er eine moralische Instanz wäre. So ist es nicht. Seine Worte sind ein Schlag gegen moralische Integrität. Weisheit spricht aus seinen Worten nicht; er wägt nicht, er weiß nicht. Was übrig bleibt? Das Alter. Und dass er Willy Brandt gut kannte. Und selbst das ist lange her.

Pforzheimer Zeitung

Musste das wirklich gesagt werden? Stünde nicht der Name des deutschen Nobelpreisträgers unter dem Text, fast jede Redaktion hätte das Gedicht im Papierkorb endgelagert. Fakt ist, auch wenn es Grass auf üble Weise ins Gegenteil verdreht: Der iranische Präsident hat Israel mit Vernichtung bedroht; nicht umgekehrt, wie es Grass suggeriert. Dass der iranische Präsident obendrein den Holocaust leugnete, scheint den Dichter nicht zu tangieren. Grass hat ohnehin keine glückliche Figur mehr abgegeben, seit er sich zu seiner SS-Mitgliedschaft hat bekennen müssen. Im Bestreben, sich nun als streitbarer Aufklärer zu profilieren, hat er sich kläglich verrannt. So demontiert sich eine Geistesgröße selbst, was wirklich nicht sein muss.

Augsburger Allgemeine

Grass hat zweifellos recht, wenn er darauf hinweist, dass Israel selbst ohne internationale Kontrolle über Atomwaffen verfügt. Der Unterschied zu einem nach Atomwaffen strebenden Iran besteht jedoch darin, dass Israel seine Nachbarn nicht vernichten will, Irans Präsident Ahmadinedschad aber genau dies Israel angedroht hat. Niemand kann Grass verbieten, seine Gedanken zu äußern. Es gehört auch kein Mut dazu: Was er glaubt sagen zu müssen, darf gesagt werden. Auch wenn es im Kern Unsinn ist.

Allgemeine Zeitung Mainz

Kratzfüße hier, Beschuldigungen dort - das Gedicht "Was gesagt werden muss" ist ein eitler Slalom zwischen dreister Aufgeblasenheit und vorgeschützter Umsicht. Klar: Grass bekennt sich zur deutschen Schuld. Aber er weiß nichts von der Angst, die bis heute unter den Überlebenden des Holocaust und ihren Kindern regiert, weiß nichts von der fortdauernden Furcht vor einem neuerlichen Holocaust, wie sie derzeit gerade wieder vom Iran genährt wird.

Rhein-Neckar-Zeitung

Dieses "Gedicht" ist nicht das, was gesagt werden muss. Es entspringt entweder der Torheit eines Alten, der glaubt, auf niemanden mehr Rücksicht nehmen zu müssen oder der Autor sucht ganz bewusst den Skandal, um seinen eigenen "Ruhm" zu mehren. Angela Merkels Replik trifft es wohl ganz gut: Kunst genießt Narrenfreiheit politisch ernst zu nehmen ist das Geschriebene jedenfalls nicht.

Kölner Stadt-Anzeiger

Kölner Stadt-Anzeiger Der "Spätaufklärer" Grass, wie er sich selbst nennt, hat sich stets als politischer Zeitgenosse verstanden. In dieser Rolle ist er auch früher schon mal übers Ziel hinausgeschossen. Mittlerweile zielt er leider permanent daneben. So wird es nicht lange dauern, bis es ihm nicht einmal mehr gelingen wird, mit seiner Rufschädigung in eigener Sache für Aufmerksamkeit zu sorgen. Die Worte seiner Mutter, festgehalten in "Mein Jahrhundert", gelten mehr denn je: "So ist er nun mal. Denkt sich die unmöglichsten Sachen aus. Muss immer übertreiben.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ)

Was treibt nur Günter Grass, fragt sich Ulrich Reitz und gibt in seinem Leitartikel eine Antwort: "Grass will nicht provozieren, er meint ernst, was er schreibt. Man kommt also nicht daran vorbei, ihn ernst zu nehmen. Grass dichtet nicht, er stammelt. Seine Haltung ist nicht souverän, sondern weinerlich. Grass' Ansichten sind skandalös. Und sie sind antisemitisch, weil sie unterstellen, wer Kritik an Israels Politik übe, werde stets als Antisemit rhetorisch totgeschlagen. Dass das so sei, behaupten aber nur Antisemiten. Nirgendwo wird mehr ernsthaft gestritten über israelische Politik als in Israel selbst. Grass behauptet, indem Israel den Iran bedrohe, gefährde es den Weltfrieden. Das Gegenteil ist wahr. Iran bedroht mit seinen Atombombenplänen den Frieden, denn der Führer dieser Regierung leugnet nicht nur den Holocaust, sondern will Israel von der Landkarte tilgen. Grass ignoriert das schlichtweg. Das ist unfassbar und unwürdig. Stattdessen nennt der Dichter Irans Präsidenten Ahmadinedschad einen "Maulhelden". Was für eine Verharmlosung für jemanden, der sein Volk unterdrückt und einem anderen Land aus im Kern rassistischen Gründen den Krieg erklären will."

General-Anzeiger

Der moralische Druck auf Deutschland ist heute längst nicht mehr so stark, wie Grass in seinen Versen glauben macht. Kritik an Israel ist möglich. Wenn sie allerdings so ideologisch verbrämt und argumentativ so dünn daherkommt, ist es für den Adressaten schwer, damit umzugehen. Wenn nun nicht über den eigentlichen politischen Inhalt seines Gedichtes debattiert wird, sondern die ideologischen Girlanden zur Hauptsache werden, ist das Grass' eigenes Verschulden.

Märkische Allgemeine

Grass irrlichtert durch die Politik. Es ist nicht Israel, das den Weltfrieden bedroht. Die Vernichtung Israels ist Staatsdoktrin im Iran. Dessen politische und geistliche Führer lassen keine Gelegenheit aus, öffentlich zu verkünden, Israel von der Landkarte tilgen und "die Juden ins Meer" treiben zu wollen. Zweifellos drängt der Iran nach Nuklearwaffen. Doch Grass erklärt in seiner lyrischen Analyse, im Iran sei "die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen". Es ist Grass' Naivität gegenüber dem aggressiven Teheraner Regime, die Verkennung von Ursache und Wirkung, die sprachlos macht. Der Literatur-Nobelpreisträger, der sich einen Israel-Freund nennt, hat einmal gesagt, Unwissenheit spreche nicht frei. Er hat es, wie so oft, anderen ins Stammbuch geschrieben.

Westdeutsche Zeitung

Schon der Titel "Was gesagt werden muss" lässt wegen der Nähe zu Stammtisch-Parolen schaudern. Günter Grass wird zu Recht wegen seines Textes angegriffen. Es geht nicht darum, dass ein Deutscher nicht Israel kritisieren dürfte, sondern um seine klischeehafte und faktisch teilweise falsche Darstellung. Er hat sich, Deutschland und Israel geschadet. Auch wenn ihn echte Sorgen getrieben haben sollten, war das falsch.

Mitteldeutsche Zeitung

Warum versteigt sich Grass zur Unterstellung, der Teheraner Diktator sei nichts als ein Maulheld, Israels Drohung dagegen Ausdruck konkreter Angriffsabsicht? Hat der einstige Anti-Raketen-Demonstrant noch nie etwas von Abschreckungspolitik gehört? Wenn der Staat der Juden mit seiner Art der Selbstbehauptung oft auch seine Freunde vor den Kopf stößt, dann deshalb, weil Deutsche versucht haben, das Volk der Juden auszurotten. Ist es schonAntisemitismus, wenn einer meint, sich mit maßloser Polemik darüber hinweg setzen zu müssen? Auf jeden Fall ist es eine geschichtsvergessene Eselei.

Kieler Nachrichten

Nein, hier schreit nicht Oskar Matzerath, der kleine Junge mit der Blechtrommel, um auf sich aufmerksam zu machen. Hier verspritzt ein alter Mann sein antisemitisches Gift. Ein Mann, der gehört haben muss, wie der iranische Staatspräsident Ahmadinedschad Israel ein "Krebsgeschwür" nannte, das vernichtet werden müsse. Ein Mann, der wissen muss, dass Israel seit seiner Gründung um die schiere Existenz kämpft. Ein Mann, dem man vom millionenfachen Massenmord an den Juden doch mindestens erzählte, als er vom Dienst in Hitlers Waffen-SS nach Hause kam. So wie Grass reden Antisemiten, denen unsere Freundschaft zum Staat Israel ein Dorn im Auge ist und die die deutsche Geschichte endlich umschreiben wollen.

Badisches Tagblatt

Würde über dem Gedicht "Was gesagt werden muss" ein unbekannter Name stehen, dann hätte kein Hahn danach gekräht. Zum einen sicherlich deshalb, weil es keine einzige der drei internationalen Gazetten abgedruckt hätte - was vor allem mit der poetischen Qualität zu tun gehabt hätte: Das Werklein ist bei Lichte betrachtet ein recht dürftiges Beispiel engagierter Agitprop-Lyrik - und wäre sicherlich ohne die prominente Autorenzeile ungelesen geblieben. Was Grass da mit "letzter Tinte" (Grass) und somit quasi als politisches Vermächtnis zu vermitteln versucht, ist zwar eigentlich schon im Aufgalopp so verschwurbelt, dass den meisten Lesern der weitere Inhalt ohne das Medien-Ballyhoo verschlossen geblieben wäre, aber es hat eine klare politische Aussage. Und die wäre in der Tat besser ungesagt geblieben.

Südkurier

Nichts ist schlimmer als Beifall von der falschen Seite. Günter Grass kennt das. Schon 2002, als er sich in seinem Roman "Im Krebsgang" zu Recht dem Schicksal deutscher Vertriebener angenommen hatte, bekam er Zuspruch aus Kreisen, die dem kritischen Literaten sonst nicht unbedingt nahe stehen. Umgekehrt hatten gerade jene Kreise viel Verständnis für Grass, als dieser 2006 seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS zugegeben hatte. Und nun also herbe Kritik an Israel. Wieder werden diejenigen besonders laut applaudieren, deren Israel-Kritik nicht nur lauteren Motiven entstammen dürfte. Dass Grass allerdings die Führung des Iran, die unverhohlen, den jüdischen Staat auslöschen will, überhaupt nicht, die Opfer jener Drohung aber streng in die Verantwortung nimmt, fällt nicht nur in Israel etwas unangenehm auf.

Leipziger Volkszeitung

Man kann Günter Grass eine Menge vorwerfen. Eitelkeit, und Selbstgerechtigkeit zum Beispiel. Er, der sich als Instanz auf den Sockel stellte und das Recht zu moralisieren nahm, hat über 60 Jahre geschwiegen über sich selbst, der im Alter von 17 Jahren der Waffen-SS beitrat. Aber ist Günter Grass ein Antisemit? Ist er, wie Henryk M. Broder behauptet, gar "der ewige Antisemit"? Nein, das ist Günter Grass nicht. Wer diesen Vorwurf macht, sollte Beweise vorlegen. Aber weder Broder, noch Emmanuel Nahshon, Gesandter der israelischen Botschaft in Deutschland, können das. Stattdessen wühlen sie in der Schublade mit den Totschlagargumenten und bestätigen damit doch nur Grass, der da vom "Verdikt ,Antisemitismus'" fabuliert.

Sächsische Zeitung

Es ist durchaus das Vorrecht von Schriftstellern und Künstlern, aus dem üblichen politischen Diskurs auszubrechen und Dinge zuzuspitzen. Aber Grass, der ewige Störenfried, hat sich verrannt. Er stellt Israel als den eigentlichen Aggressor dar, dabei ist es der Iran, der immer wieder unverblümt mit der Vernichtung Israels droht. Irans Staatspräsidenten Ahmadinedschad, der nicht nur den Holocaust leugnet, sondern auch sein eigenes Volks unterdrückt, verharmlost Grass hingegen als "Maulhelden". Gleichzeitig unterstellt er Israel, die Auslöschung des iranischen Volkes zu planen. Welche Verdrehung der Lage.

Hannoversche Allgemeine

Wahr ist vielmehr, dass Israels Politik auch in Deutschland – vom Kanzleramt bis zu den Leitartikel- und Leserbriefspalten der Zeitungen - immer wieder auf Kritik stößt. Dass sich Israel gegen Teherans Aggression rüstet, wird dabei kaum bemängelt. Gegenstand der Kritik ist eher Israels Besatzungsregime und Landnahme in den Palästinensergebieten. Doch darüber verliert Grass in seinem 384-Wörter-Werk kein Wort. Wichtiger als der Nahostkonflikt ist ihm offenbar das Podest des Tabubrechers. Das aber erweist sich bei näherem Hinsehen als ziemlich brüchig."

Offenburger Tageblatt

Günter Grass ein Antisemit, weil er Israel kritisiert? Weil dem deutschen Literaturnobelpreisträger die Zuspitzung des Atomkonflikts mit dem Iran nicht gefällt? Weil er der Meinung ist, dass auch Israels Atompotenzial international kontrolliert gehört? Die durch ein Gedicht ausgelöste Debatte hört sich nach einem schlechten Witz an. Ist aber tatsächlich ein typisch deutscher Reflex der veröffentlichten Meinung. Die offene Kritik an Israel gehört auch 67 Jahre nach Kriegsende in die Kategorie Tabubruch. Doch die deutsche Vergangenheit und der Holocaust sollten keine Gründe sein, zu schweigen. Im Gegenteil: Sie sind Verpflichtung die Stimme zu erheben, wenn sich Untolerierbares anbahnt.

"La Repubblica" (Italien)

Günter Grass tritt wieder auf den Plan. Und er tut dies mit einem lyrischen Text, der dazu bestimmt ist, einen Streit auszulösen. Der Literatur-Nobelpreisträger meint, dass Israel die wahre Gefahr für den Frieden ist und nicht der Iran. Die israelische atomare Abschreckung ist es und nicht das Arsenal, von dem es heißt, Mahmud Ahmadinedschad baue es auf. Das Ergebnis seines Gedichts besteht allein darin, ein konfuses Rauschen zu erzeugen, eine unmögliche Gleichstellung von Israel mit dem Iran, eine unglaubwürdige Verdrängung jener Bedrohung, die das Regime in Teheran für Jerusalem darstellt. (...). In diesem ganzen (Konflikt) ist das Schweigen Europas ohrenbetäubend. Das Europa nach dem deutschen Maß von heute ist ein politischer Zwerg, eine schweigende Zuschauerin. Es wird jedoch kein Gedicht sein, das Europa aus dieser Ecke herausholt. Und sicherlich nicht dieses Gedicht."

Die Presse (Österreich)

Wenn sich Grass schon anmaßt, moralische Instanz zu spielen, warum gerade, wenn es um Israel geht? Dieses Land ist gewiss nicht das einzige, das den "brüchigen Weltfrieden", wie Grass pathetisch schreibt, gefährdet. Und noch gewisser werden in anderen Ländern des Nahen Ostens die Menschenrechte ärger verletzt. Grass ist freilich nicht der einzige politische Interessierte in Deutschland (und Österreich), der sich obsessiv mit Israel befasst, der einen Gutteil seines Protestpotenzials diesem Land widmet. Der - wie Grass in einer besonders perfiden Passage - dem Staat Israel vorwirft, ein Volk (diesfalls das iranische) "auslöschen" zu wollen. Man kann an der Politik Israels einiges kritisieren. Aber als Deutscher, der noch dazu in das für den Holocaust verantwortliche Regime verflochten war, sollte man den Anstand besitzen, besonders behutsam über den Staat zu sprechen, den sich Juden aufgebaut haben. Und auch einmal einfach zu schweigen. Günter Grass hätte schweigen sollen."

De Volkskrant (Niederlande)

So mancher Schriftsteller hat in seinen späteren Lebensjahren politische Gedichte verfasst, Harold Pinter zum Beispiel im Jahr 2003 aus Anlass des Irak-Krieges. (...) Günter Grass war Mitglied der Waffen-SS. Ist er eine geeignete Person, solcherart Gedichte zu schreiben? Gerade jemand, der die Uniform der Waffen-SS getragen hat, ist eine Art Erfahrungsexperte auf dem Gebiet der Bedrohung des Weltfriedens. Dass das Gedicht an sich nicht besonders gut ist, hat mit dem Genre zu tun, es ist Agitprop."

Corriere della Sera (Italien)

Wer der Waffen-SS angehört hat, sollte vorsichtiger in seinen Urteilen sein. Ist es möglich, dass die iranischen Drohungen und das Vorhaben, die Atombombe zu bauen, um den Staat Israel auszulöschen, Grass nicht dazu bringen, sich an den antijüdischen Hass zu erinnern, der doch genau dieses doppelte "S" beherrschte? Ist es möglich, dass diese ganze Entrüstung des Günter Grass sich gegen die Bewaffnung des Staates Israel richtet, nie gegen den "gängigen" Antisemitismus, der in Europa das Blutbad unter jüdischen Kindern in Toulouse preist? Ein Gedicht reicht nicht aus, um soviel Unsensibilität zu kaschieren."

Salzburger Nachrichten (Österreich)

Günter Grass hat große Meriten als Literat, der sich politisch einmischt. Doch seine jüngste Intervention zeugt vor allem von politischer Inkompetenz. Der Autor verkennt die komplizierte Realität in Nahost ganz und gar. Ein iranischer Atomunterhändler hat soeben dargelegt, dass sein Land kurz vor der Bombe stehe. Wie kann Grass dann die Alarmrufe internationaler Experten als völlig unbewiesene Behauptungen abtun? Irans Präsident Ahmadinedschad hat Israel immer wieder mit der Auslöschung gedroht. Wie kann Grass das als bloßes Maulheldentum bezeichnen - obwohl er als Schriftsteller wissen müsste, wie schnell Verbalattacken in furchtbaren Krieg umschlagen können?

swd/DPA/AFP/DPA
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