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Rentner sollen ran - "Werther" muss raus

Rentner will er mit einem sozialen Jahr in die Pflicht nehmen - und sie auch als Nachhilfelehrer einsetzen. Goethes "Werther" ("verlogener Kitsch") will er hingegen aus dem Schulunterricht verbannen. Neuzeit-Philosoph Richard David Precht erläutert im stern, was er in Deutschland ändern würde.

  In aller Munde - und im neuen stern: Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht

In aller Munde - und im neuen stern: Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht

Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht fordert ein soziales Pflichtjahr für Rentner: "Die Generation, die jetzt in Rente geht, die goldene, die eine beispiellose Wirtschaftsprogression erlebt hat, und vom Krieg verschont wurde, muss in die Pflicht genommen werden”, sagte er im Interview mit dem stern. Fitte Rentner könnten junge Menschen coachen, schlägt Precht vor, oder als Nachhilfelehrer in Schulen arbeiten. "Ich bin überzeugt: Nach dem ersten Jahr würden viele Menschen das freiwillig verlängern; weil sie gebraucht würden und das gut fänden."

In Zukunft werde es immer wichtiger, dass sich Menschen auf ehrenamtlicher Basis um soziale Probleme kümmern, so Precht. Das bürgerliche Engagement solle den Staat nicht ersetzen, aber aus der Mitte der Gesellschaft eine moralische Wende herbei führen. "Auf die Oberschicht können wir uns in Moralfragen beim besten Willen nicht verlassen. Träger der Moral ist in diesem Land wie in allen Ländern, in denen das moralische Klima am gesündesten ist, die Mittelschicht. Wir brauchen positive Flächenbrände."

Auch für den Schulunterricht hat der Hochschullehrer einige Änderungsvorschläge parat. Precht im stern: "Unsere Kinder sind in einem Ausmaß von Aufmerksamkeitsraub bedroht wie nie zuvor. Und was lernen sie an den Schulen? Viele Dinge, die sie im Leben mit absoluter Sicherheit niemals brauchen werden. Sie lernen nicht, sich in einer immer komplizierter werdenden Welt zu orientieren." Zum unbrauchbaren Schulwissen zählt der promovierte Germanist auch Goethes "Werther". "Werther halte ich für einen unglaublichen Kitsch, diese verlogene Sozialromantik, diese ausgestorbene Thematik. Warum liest man nicht Feridun Zaimoglu? Was der über Liebe schreibt, ist viel schöner und wahrhaftiger als der junge Goethe."

ar/print
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