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Roches Stiefvater entsetzt über "Schoßgebete"

Während viele Rezensenten Charlotte Roches "Schoßgebete" in den höchsten Tönen loben, stößt das Buch ihrem Stiefvater übel auf. Auf stern.de erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Autorin.

Von Carsten Heidböhmer

  Auch mit ihrem zweiten Buch "Schoßgebete" sorgt Charlotte Roche für viel Diskussionsstoff

Auch mit ihrem zweiten Buch "Schoßgebete" sorgt Charlotte Roche für viel Diskussionsstoff

Die Protagonistin von "Schoßgebete", Charlotte Roches neuem Buch, heißt zwar Elizabeth Kiehl, ansonsten stimmt vieles aus ihrem Leben mit dem der Autorin überein: Sie ist wie Roche 33 Jahre alt, lebt in einer Patchworkfamilie mit Tochter und neuem Mann, der wiederum aus erster Ehe einen Sohn hat. Vor allem aber hat es im Leben von Elizabeth Kiehl einen schrecklichen Unfall gegeben. Vor einigen Jahren, so der Roman, seien ihre drei Brüder auf dem Weg zu ihrer Hochzeit nach London auf der belgischen Autobahn tödlich verunglückt. Ihre Mutter sei schwer verletzt worden.

Diesen Unfall hat es wirklich gegeben. 2001 wollte Roche ihren damaligen Freund, den Musikjournalisten Eric Pfeil, in London heiraten. Auf dem Weg dorthin verunglückten ihr Bruder William, 21, ihr Halbbruder David, 9, und Dennis, 6, das Pflegekind von Roches Mutter Liz Busch und ihrem Ex-Ehemann Ulrich Busch. Ihre Mutter erlitt bei dem Unfall auf der belgischen Autobahn kurz vor Antwerpen zudem schwere Verbrennungen.

Die Übereinstimmungen mit dem tatsächlichen Unfallhergang sind groß. Sogar das Alter der drei gestorbenen Jungen stimmt in zwei von drei Fällen überein: Im Buch heißen die drei Brüder Harry, Lukas und Paul und sind 24, 9 und 6 Jahre alt.

Früherer Stiefvater ist entsetzt

Von ihrem neuen Buch verspricht sich Roche viele Leser. Einer, der es sich gleich gekauft hat, war Ulrich Busch. Er ist der vierte Ehemann von Charlotte Roches Mutter Liz Busch. Und er ist der Vater, Stiefvater und Pflegevater der verunglückten Jungen. Busch ist entsetzt darüber, wie die Autorin diese Katastrophe in dem Buch darstellt: "Ohne Rücksicht, Skrupel und Respekt wird das Familienunglück zur Schau gestellt und vermarktet", sagt Busch stern.de. "Die Eltern werden öffentlich geschlachtet." Er wirft ihr zudem Charakterschwäche vor.

Buschs Vorwürfe gehen noch weiter. Vor einem Jahr habe ihn Charlotte Roche "unter einem Vorwand" dazu bewegen wollen, ihr die komplette Dokumentation des Unfalls (Anwaltsschreiben, Behördenschreiben, Todesscheine und Obduktionsberichte, Gegenstände aus dem ausgebrannten Fahrzeug) auszuhändigen. Sie brauche die Unterlagen für ihre Behandlung bei ihrer Therapeutin. Busch habe damals ein schlechtes Gefühl gehabt und ihr die Unterlagen nicht ausgehändigt: "Jetzt weiß ich, wofür sie die Dokumentation haben wollte. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht", sagt der frühere Stiefvater jetzt.

"Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit"

Auf Nachfrage bestätigt Charlotte Roche den Vorgang, bestreitet aber, dass sie die Unterlagen für das Buch ausschlachten wollte: "Dass ich meinen ehemaligen Stiefvater um Einsicht in die Unfallakten gebeten habe, stimmt. Dass dies 'unter einem Vorwand' geschehen ist, stimmt nicht. Natürlich hätte ich gerne Einsicht in die Unfalldokumente, es sind doch meine Brüder. Die Aufarbeitung dieser Akten, die mir mein ehemaliger Stiefvater ja leider nicht ausgehändigt hat, wäre ein wichtiger Teil meiner Traumatherapie gewesen. Was ist daran verwerflich?"

Ihrem Buch hat Roche den folgenden Passus vorangestellt: "Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Darüber hinaus ist jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen sowie realen Geschehnissen rein zufällig und nicht beabsichtigt." Dass der schreckliche Familienunfall in dem Buch viel Raum einnimmt, hat Stiefvater Ulrich Busch stark aufgewühlt. Nicht nur er dürfte sich fragen, wie zufällig die Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind.

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