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15. Januar 2008, 11:32 Uhr

"Herdprämie" vor "klimaneutral"

"Herdprämie" ist das Unwort des Jahres 2007, wie Jury-Sprecher Horst Dieter Schlosser jetzt mitteilte. Es diffamiere Eltern und besonders Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen. Auf den zweiten Platz wählte die Experten-Jury der Frankfurter Universität den Begriff "klimaneutral", auf Platz drei "entartet".

Die "Herdprämie" setzte sich gegen 968 andere Vorschläge als Unwort des Jahres 2008 durch© Jens Büttner DPA/LMV

Die Jury hatte die Begriffe aus knapp 1800 Einsendungen ausgewählt. Unter den Vorschlägen waren nach Angaben des Gremiums neben Dieter Bohlens Äußerung über das "epileptische Singen" eines Kandidaten in der Show "Deutschland sucht den Superstar" auch einige Begriffe zur aktuellen politischen Diskussion über mehr Überwachung, darunter "Bundestrojaner" und "Vorratsdatenspeicherung".

"Eltern werden diffamiert"

"Herdprämie", das "Unwort des Jahres" 2007, "diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen", sagte der Sprecher der sechsköpfigen unabhängigen Jury, Horst Dieter Schlosser, in Frankfurt. Auf Platz zwei setzte die Jury das Wort "klimaneutral". Kritisiert wird der Versuch, mit diesem Begriff für eine Ausweitung des Flugverkehrs oder eine Steigerung anderer CO2-haltiger Techniken zu werben, ohne dass dabei deutlich wird, wie diese Klimabelastungen "neutralisiert" werden sollen. Platz drei nimmt nach der Entscheidung der Jury die Formulierung von Kardinal Meisner aus Köln ein, wonach Kunst und Kultur "entartet", wenn sie ihre religiöse Bindung verliert. "Entartete Kunst" war ein NS-Schlüsselbegriff, mit dem missliebige Künstler und ihre Werke diffamiert und "beseitigt" wurden.

Von "Wohlstandsmüll" bis "Freiwillige Ausreise"

"Worte" und "Unworte" des Jahres gelten als Ausdruck des Zeitgeistes in Deutschland. 1997 wurde die Aussage des Ex-Nestlé-Verwaltungspräsidenten Helmut Maucher zum Unwort. Mit "Wohlstandsmüll" umschrieb er arbeitsunwillige und -unfähige Menschen. 1998 wurde die zynisch wirkende Ironisierung des Ex-Präsidenten der Bundesärztekammer, Karsten Vilmar, gekürt: "sozialverträgliches Frühableben". Nach "Kollateralschaden" (1999), "National befreite Zone" (2000), "Gotteskrieger" (2001), "Ich-AG" (2002), "Tätervolk" (2003), "Humankapital" (2004) und "Entlassungsproduktivität" (2005), war 2006 das Jahr der "Freiwilligen Ausreise".

Zeitgleich mit dem Unwort des Jahres wird in Düsseldorf das Börsen-Unwort 2007 bekannt-gegeben. Makler, Wertpapierhändler und Analysten an der Börse Düsseldorf haben die beschönigende Bewertung "Subprime" für Hypotheken-Darlehen gewählt, die in Wahrheit hochriskant waren und 2007 in den USA, dann aber auch in Deutschland finanzielle Schäden größten Ausmaßes verursacht haben, die noch immer nicht ganz überschaubar sind.

DPA/AP/kmi
 
 
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