Martin Walser hat Vorwürfe antisemitischer Tendenzen zurückgewiesen. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki warf Walser vor, »leicht erkennbare Personen lächerlich zu machen und teilweise zu denunzieren«.

»Man darf in der Literatur jede öffentliche Figur parodieren, warum nicht auch Reich-Ranicki?«© dpa
Martin Walser hat Vorwürfe antisemitischer Tendenzen zurückgewiesen. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki warf Walser vor, »leicht erkennbare Personen lächerlich zu machen und teilweise zu denunzieren«. Walser hatte bestätigt, dass Reich-Ranicki als Vorbild für die literarische Figur namens André Ehrl-König gedient habe. Nach Ansicht des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher geht es in dem Roman »nicht um die Ermordung des Kritikers als Kritiker (...). Es geht um den Mord an einem Juden.«
Walser verwahrte sich entschieden gegen eine Verbindung zwischen dem Streit um seinen neuen Roman und der aktuellen Antisemitismus-Debatte in Deutschland. »Mit mir hat diese Debatte nichts zu tun, es wäre doch, als wenn man Fußball mit Kräutern vergleichen würde.«
Er zeigte sich empört, dass die FAZ den Vorabdruck in einem Offenen Brief ablehnte: »Es ist die unfairste Aktion, die ich in Jahrzehnten erlebt habe.« Schirrmacher hatte den Roman als »Dokument des Hasses« bezeichnet. »Ihr Roman ist eine Exekution«, schrieb er an die Adresse Walsers, »das Repertoire antisemitischer Klischees ist leider unübersehbar«.
Walser gab den Vorwurf an Schirrmacher zurück. Im Hintergrund steht die Charakterisierung der Romanfigur durch »Herabsetzungslust« und »Verneinungskraft«. »Herr Schirrmacher sagt, das seien jüdisch besetzte Wörter, dadurch ist er für mich antisemitisch«, sagte Walser der »tageszeitung«.