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Der Levitenleser der Nation wird 80

Sein Lebenslauf ist eine Erfolgsgeschichte. Schon als Journalist war Wolf Schneider auf der Karriereleiter schnell ziemlich weit oben - jetzt feiert der bekannte Sprachkritiker seinen 80. Geburtstag.

Wolf Schneider ist nicht nur in Journalistenkreisen bekannt dafür, dass er ein Buch nach dem anderen schreibt. Etliche davon wurden Bestseller. Viele Jahre war er gleichzeitig Moderator der "NDR-Talkshow". Als oberster Sprachkritiker der Nation las er den Medien immer wieder die Leviten. Und als Leiter der Henri-Nannen-Schule lehrte er den journalistischen Nachwuchs Verachtung gegenüber Behördendeutsch und Bandwurmsätzen. Am 7. Mai wird Schneider 80 Jahre alt.

"Journalist war ein Verlegenheitsberuf"

Selbstverständlich war diese Erfolgsgeschichte nicht: Schneider kam 1925 in Erfurt zur Welt, bald darauf zog die Familie nach Berlin. Dort machte er 1942 Abitur und wurde Soldat. Nach dem Kriegsende arbeitete er als Dolmetscher bei der US-Army, später bei der amerikanischen "Neuen Zeitung" und der Nachrichtenagentur Associated Press. "Journalist war ein Verlegenheitsberuf", sagt Schneider. "Ich war ein Arbeitsloser mit Abitur, für den an Studium nicht zu denken war."

Bedauert hat er die Berufswahl nicht. 1956 wechselte er zur "Süddeutschen Zeitung", wurde bald Nachrichten-Chef und einer der häufigsten Autoren der berühmten "Streiflicht"-Kolumne, ein Tummelplatz für Schreibtalente: 260 Mal war er hier zu lesen.

stern-Gründer Henri Nannen holte ihn 1966 als Chef vom Dienst nach Hamburg. "Wir mochten uns auf streitbare Weise. Er war der wichtigste Lehrer meines Lebens", sagt Schneider heute. Nannen schätzte den neuen Kollegen wegen seiner spitzen Feder und seiner spitzen Zunge. Einen "Meister der deutschen Sprache" hat er ihn genannt.

Nach Stationen beim Axel Springer Verlag, unter anderem als Chefredakteur der "Welt", wurde Schneider 1978 Leiter der neugegründeten Journalistenschule, die später nach Henri Nannen benannt wurde.

Schneider sei kein Oberlehrer gewesen, sondern habe seinen Schülern die Pflege der deutschen Sprache vorgelebt, war Nannens Überzeugung. Mit Kuschelpädagogik hatte der Schulleiter nichts am Hut. "Qualität kommt von Qual" ist das Motto, das er seinen Schülern einimpfte - nur wer sich Mühe gibt, darf von sich brauchbare Texte erwarten.

"Auch die ihn hassen, hassen ihn auf Knien"

Berüchtigt waren Schneiders Korrigiermethoden, stets mit Filzstift, immer in drei Farben. Missglückte Formulierungen kommentierte er mit "Bäh!", in Einzelfällen malte er einen Galgen an den Rand. Die tiefe Zuneigung der Kritisierten hat ihm das nicht eingetragen, allerdings Respekt nach der Devise "Auch die ihn hassen, hassen ihn auf Knien".

Die Leitung der Schule gab er 1995 ab, die Arbeit aber nicht auf, im Gegenteil. "Ich bin so beschäftigt wie nie", sagt Schneider. Nach wie vor arbeitet er als Dozent, hält Vorträge und Seminare, schreibt als Kolumnist für die "Neue Zürcher Zeitung" und geht nie ohne Stift und Notizblock aus dem Haus. Spontane Einfälle werden sofort notiert - als Material für kommende Bücher. Zwei davon sollen noch in diesem Jahr erscheinen. Und auch danach denkt Schneider nicht ans Aufhören. "Ich wünsche mir noch ein paar gute Jahre", sagt er. "Und ich würde am liebsten bei der Arbeit tot umfallen."

Andreas Heimann/DPA/DPA

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