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20. November 2006, 14:14 Uhr

Pointenjagd mit spitzer Feder

"Geld oder Leben!": Das Motto des diesjährigen Deutschen Karikaturenpreises könnte einem Krimi entstammen, trifft aber auch den Zeitgeist der Hartz-IV-Ära. stern.de präsentiert die Gewinner 2006.

Die Siegerkarikatur: Barbara Henningers Beitrag mit dem Titel "Überfall"© Deutscher Karikaturenpreis 2006

Zum siebten Mal hat die Sächsische Zeitung den größten deutschen Karikaturenpreis verliehen, dieses Jahr erstmals zusammen mit der "Frankfurer Rundschau". Bei der Themenvorgabe legten die Zeitungen ihre Finger auf eine erst jüngst wieder aufgebrochene Wunde: "Geld oder Leben!" - die Unterschichtendebatte hat die Diskussion über Klassen in Deutschland neu entflammt.

So mokierten sich viele der fast 400 eingesandten Arbeiten über die Schere zwischen Arm und Reich. Auch die Schwierigkeit, als Einwanderer Zugang zum deutschen Wohlstand zu finden, werden immer wieder thematisiert.

Der erste Preis ging an Barbara Henninger, die unter dem Titel "Überfall" auf das Fortleben der Ressentiments zwischen Ost- und Westdeutschen hindeutet. Skurril ist auch die Zeichnung "Unheilbar" von Ari Plikat, die auf dem zweiten Platz landete. Wenn schon Millionen im Fernsehen zu gewinnen sind, warum dann nicht auch hessische Staatsbürgerschaften, fragte sich der Künstler BURKH unter dem Titel "Geld oder Hesse" und gewann damit den dritten Platz.

Aktueller denn je

Karikaturen haben eine lange Tradition: Wer Kritik an der Gesellschaft üben wollte, wandelte in früheren Zeiten auf dünnem Eis. Kaum ein Monarch glänzte durch besonders viel Selbstironie: So wanderte der französische Karikaturist Honoré Daumier noch im 19. Jahrhundert für eine Karikatur von König Louis-Philippes für sechs Monate in den Kerker.

Inzwischen ist die Pressefreiheit hierzulande ein ganzes Stück weiter, aber die Karikatur hat sich als satirische Königsdisziplin erhalten. Bewusst übertrieben, zugespitzt, verzerrt: Karikaturen sollen auf den Punkt bringen, was Kommentare langatmig umschreiben müssen. Dass sie sich dabei oft am Rande eines Tabubruchs bewegen, zeigt der Karikaturen-Streit um Mohammed.

Ausstellung mit den Karikaturen In einer Ausstellung vom 20. November 2006 bis 21. Januar 2007 sind die eingereichten Arbeiten zu sehen. Sie ist täglich von 10 bis 19 Uhr, dienstags von 10 bis 15 Uhr im Haus der Presse in Dresden geöffnet, der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung erscheint auch ein Katalog.

Andreas Klatt
 
 
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