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Der einsame Rentner mit dem deutschen Namen

In dem Kinodrama "About Schmidt" brilliert Jack Nicholson in der Rolle des Pensionärs und Witwers Warren Schmidt, der zu einer interessanten Reise durch die USA aufbricht.

Ein Film aus dem Heartland, dem Mittleren Westen, wo die Vereinigten Staaten am amerikanischsten sind: "About Schmidt" zeigt zurückhaltende Menschen, die stets auch zu einem freundlichen Wort bereit sind und sehr spontan und herzlich sein können. Aber immer fragt man sich, wie ernst ihre Freundlichkeit gemeint ist.

Warren Schmidt, der nicht zufällig einen deutschen Familiennamen hat, spürt mit einem Mal diese Oberflächlichkeit seiner Mitmenschen. Er ist bei einer Versicherung angestellt als Statistik-Experte, der mit großer Treffsicherheit die Lebenserwartung der Kunden ausrechnen kann. Doch die Woodmen Insurance, die im einzigen Hochhaus von Omaha residiert, kann auf seine Erfahrung verzichten und schickt ihn in den Ruhestand.

Mit dem Wohnmobil durch die USA

Er bekommt eine hübsche Abschiedsfeier mit einer netten Abschiedsrede, und dann übernimmt ein junger Mann seinen Job, und Schmidts Lebenswerk, seine Berechnungen und Pläne, landen im Müll. Als kurz darauf auch noch Mrs. Schmidt stirbt, ist Warren nach 42 Ehejahren völlig aus der Bahn geworfen.

Mit dem Wohnmobil durch die USA

Er beschließt, mit seinem Wohnmobil nach Denver zu fahren, wo seine Tochter den dümmlichen Autoverkäufer Randall Hertzel heiraten will. Weil die Tochter ihn nicht bei den Hochzeitsvorbereitungen dabei haben will, macht er einen Umweg über die wichtigen Orte seiner Kindheit und Jugend. Doch bei all seinen skurrilen Begegnungen wird er das Gefühl der Leere nicht los.

Nicholson brilliert mit Zurückhaltung

Ein mittelmäßiger Schauspieler in der Hauptrolle hätte aus diesem Stoff einen mittelmäßigen Film gemacht. Der Glücksfall in "About Schmidt" ist Jack Nicholson. Nicholson ist Schmidt, und er ist in dieser Rolle herrlich zurückgenommen, ganz im Gegensatz zu früheren Filmen, in denen er nicht gerade durch Untertreibung auffiel. Jetzt genügt ihm ein kurzer Blick, eine Andeutung, wenn er seinen Gemütszustand zeigen will. Er explodiert nicht mehr, er implodiert. Die erneute Oscar-Nominierung für diese Leistung konnte einfach nicht ausbleiben.

Regisseur Alexander Payne, der mit Jim Taylor das Drehbuch schrieb, hat eigene Einfälle mit Motiven aus Louis Begleys Roman "Schmidt" vermischt. Payne, der selbst in Omaha geboren wurde, weiß, wovon er erzählt. Die Reflexionen der literarischen Vorlage hat er geschickt im Film untergebracht: Schmidt schreibt lange Briefe an Ndugu Umbo, ein sechsjähriges Waisenkind aus Tansania, für das er eine Patenschaft übernommen hat. Bezeichnend, dass er das Ziel für sein soziales Engagement nicht vor der Haustür gefunden hat, sondern durch einen Werbespot im Fernsehen.

Späthippies in Denver

Am Ende trifft Schmidt noch auf die Familie seines künftigen Schwiegersohns, eine Gruppe von Späthippies in Denver, in deren Zentrum Randalls herrische Mutter Roberta steht, wundervoll gespielt von Kathy Bates. Bei der Hochzeit, die Schmidt nicht verhindern kann, werden wieder die üblichen hübschen Reden gehalten und die üblichen freundlichen Rituale vorgeführt. Der Film zeigt sie mit deutlicher Ironie. Aus seiner kritischen Bestandsaufnahme der amerikanischen Gesellschaft macht er ein unterhaltsames Kinostück.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

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