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Aliens greifen die Erde an. Alle Hoffnung für den Fortbestand der Menschheit scheint dahin. Doch zum Glück gibt es die Marines. "World Invasion: Battle Los Angeles" ist ein Propagandafilm alter Schule. Aber warum sollen wir dafür Geld ausgeben?

Von Sophie Albers

  Wir danke für die fruchtbare Zusammenarbeit: Hollywoodstar Aaron Eckhart und ein Marine

Wir danke für die fruchtbare Zusammenarbeit: Hollywoodstar Aaron Eckhart und ein Marine

Karl-Theodor zu Guttenberg, um große Auftritte nie verlegen, muss von so einem Film geträumt haben, als er in Tarnweste durchs afghanische Feldlager schritt: Die neue Freiwilligenarmee Bundeswehr als Retter der Menschheit im Kinogroßformat. Wahre Helden, die in Blut, Schweiß und Feindesresten stehen und ohne die das Land verloren wäre. Doch Spezialisten für solche Szenarien sind die Amerikaner und daher zeigt nun die Hollywood-Produktion "World Invasion: Battle Los Angeles" wie man die Armee so vortrefflich ins schmeichelnde Licht rückt, dass man vor dem Kino nach dem Rekrutierungsstand sucht.

"World Invasion: Battle Los Angeles" beginnt wie jeder ordentliche Kriegs-Katastrophenfilm: mit der Idylle. Surfer paddeln im Pazifik, ein Mann küsst den Bauch seiner schwangeren Frau, ein Pärchen sucht Blumen für die Hochzeit aus. Dann hagelt es Kometen, die in Wahrheit Kampfschiffe sind. Heraus strömen Aliens, die die Erde kolonisieren wollen. Und wie bei jeder Kolonisation sollen zu diesem Zweck die Ureinwohner vernichtet werden.

Die Völker und ihre Armeen scheinen dem Angriff an den Küsten der Welt (auch Hamburg ist ein Ziel der Außerirdischen) hilflos ausgeliefert. Wäre da nicht ein US-Marine, Marke harter Hund, der eigentlich den Dienst quittieren wollte. Der dann aber - unterstützt von einem zunehmend dezimierten "dreckigen Dutzend" - in die Schlacht zieht. Er hat ja sonst nichts zu tun.

Zielgruppen-Massaker

So weit, so schon Hunderte Male gesehen. Doch ist "World Invasion: Battle Los Angeles" anders als die anderen Der-Verlierer-rettet-die-Welt-Filme - von "Rambo" bis "Independence Day" - nämlich noch schlechter. Er ist so platt und dummdreist, dass er allenfalls als zweistündiges Werbevideo für die Marines taugt.

Und dabei werden die Zielgruppen generalstabsmäßig angegriffen:

Die Kinder: Ein kleiner Junge klammert sich an einen Soldaten. Er weint, nicht nur wegen der Aliens. Der harte Hund (gespielt von "The Dark Knight"-Star Aaron Eckhart - man fragt sich immer wieder: warum) geht in die staubigen Knie, sucht mit stahlblauen Augen den Kinderblick und sagt: "Du musst jetzt mein kleiner Marine sein. Und vergiss nicht, ein Marine gibt niemals auf!" Der Junge schluchzt noch ein paar Mal, dann wird er sich offenbar seiner Pflicht bewusst. Und im Hintergrund klimpert der Soundtrack auf den Knöpfen für große Gefühle.

Nach der Zielgruppe bis zehn Jahre kommen die Computerspieler dran: Die Optik von "World Invasion: Battle Los Angeles" ist deutlich Games wie "Battlefield 3" oder auch "Medal of Honour" nachempfunden. Einschließlich Handlungsanweisungen ("noch vier Kilometer bis zum Zielpunkt") und Ego-Shooter-Gewackel, das ältere Zuschauer kirre macht, bei jüngeren aber wohl eher für ein vertrautes Gefühl sorgt. Natürlich gibt es schon ein Game zum Film.

  "Ein Marine gibt nicht auf"

"Ein Marine gibt nicht auf"

Bleibt der fast schon aus der werberelevanten Gruppe fallende Rest: Den versucht Regisseur Jonathan Liebesman (hat vorher ein paar Horrorfilme gedreht) mit gewaltigen Explosionen, Spezialeffekten und harten Kerlen mit markigen Sprüchen zu beeindrucken. Letztere waren lange Zeit so anachronistisch, dass sie nun ein der Zielgruppe entsprechender Retrocharme umhüllt.

Kino als Kasernenhof

Das Traurige: Kinogänger auf der ganzen Welt geben seit Jahrzehnten viel Geld für die Pentagon-Propaganda des Pentagon aus. Die Geschichte der Zusammenarbeit zwischen Hollywood und US-Armee ist lang. Populärstes Beispiel ist wohl das Tom-Cruise-Fliegerabenteuer "Top Gun" (1986), das die Navy verherrlicht. Wie das "Time Magazine" damals berichtete, zahlten die Produzenten dem Militär 1,8 Millionen Dollar für die Benutzung einer Airbase, für vier Flugzeugträger, ungefähr ein Dutzend F-14 Tomcats, F-5 Tigers und A-4 Skyhawks sowie Piloten, die sie fliegen können. Ein wahrer Freundschaftspreis, für den die Armee das Mitspracherecht am Drehbuch bekam.

Weil ein Kriegsfilm ohne Kriegsgerät nichts taugt, macht Hollywood mit - bis heute. Ob Navy oder Marines, jeder Zweig des US-Militärs hat eigens Verbindungsoffiziere, die das "richtige Bild" der Waffengattung betreuen. Das fängt an beim Sitz der Uniformen und endet beim Herausstreichen ungenehmer Dialoge oder Szenen, die dem gewünschten Image nicht entsprechen. Sprich: kein Sex, keine Drogen, keine Kriegsverbrechen.

Der für "World Invasion: Battle Los Angeles" zuständige Verbindungsmann war Lieutentant Colonel Jason Johnson, dessen Job es nach eigenen Worten war, "das Image der Marines zu beschützen". Wie die US-Seite Nola.com berichtet, wurden Johnsons Anweisungen und Drehbuch-Anmerkungen genau befolgt, denn Regisseur Liebesman standen nicht nur die üblichen Hubschrauber, Humvees und rund 50 echte Marines zur Verfügung, sondern auch der Helikopter-Flugzeug-Hybrid MV-22 Osprey, Stolz der Truppe. Dafür grenzt "World Invasion: Battle Los Angeles" hart an Gehirnwäsche. Und natürlich taucht der Name Jason Johnson nicht auf.

Also, wenn Ihnen der Sinn gerade nach deftiger Kriegspropaganda steht: "Oorah!". Ansonsten gucken Sie sich lieber den großartigen, mutigen und vor allem ehrlichen "Der Name der Leute" an.

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