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Jack is back

Die Themen Krebs und Tod klingen so gar nicht nach Jack Nicholson. Doch darum geht es in seinem neuen Film "Das Beste kommt zum Schluss". In Berlin hat der Hollywoodstar die Tragikomödie vorgestellt - und ein paar Hirnklone niedergestreckt.

Von Sophie Albers

Die Stimme, das Lachen, die Sonnenbrille. Als Jack Nicholson den Raum betritt, hat jeder der Anwesenden bereits ein mehr oder weniger ausgearbeitetes Bild von ihm im Kopf. Wenn man es genau nimmt, treffen also zehn Jack-Nicholson-Varianten auf das Original. Der Hollywoodstar hängt sein kariertes Jackett über die Stuhlehne, setzt sich und geht auf Angriff: "Ich kann ohne diese Brille nicht sehen", entschuldigt er sich für ein braunes Sonnenbrillenungetüm auf seiner Nase. Schon o.k., Herr Nicholson. Er lehnt sich zurück und lässt sie kommen.

"Der verrückte Jack", das "Übertalent", der "wilde Junge Hollywoods", der "Frauenheld" wirkt ganz entspannt und guckt sich die Verzerrungen seiner Selbst in aller Ruhe an. Das scheint ihm auch nach 50 Jahren vor der Kamera immer noch Spaß zu machen. Sein berühmtes irres Grinsen gibt es dabei allerdings nicht ein einziges Mal zu sehen. Mit den Worten "Ich bin nicht der Hollywood-Womanizer. Aber es ist gut, wenn die Leute das denken", legt der 68-Jährige seinen ersten Hirnklon um. Ob man denn nicht mit einer Frau im Leben glücklich werden könne? "Woher soll ich das wissen?", fragt er, und alle warten vergebens auf ein schelmisches Blitzen unter den geschwungenen Augenbrauen.

Die "Löffel-Liste"

Zum zweiten Mal nach "Im Namen der Ehre" hat Nicholson unter der Regie von Hollywoods emotionaler Allzweckwaffe Rob Reiner ("Stand by Me", "Harry und Sally") gearbeitet. "Das Beste kommt zum Schluss" erzählt die Geschichte zweier alter Männer mit Krebs im Endstadium. Anstatt sich der Krankheit zu ergeben, setzen sie eine Liste auf mit den Dingen, die sie noch tun wollen, bevor sie den Löffel abgeben.

Nicholson spielt das Ekel Edward, ein dekadenter, zynischer Millionär, dessen bester Freund das Geld ist. Im Krankenhauszimmer trifft er den Automechaniker Carter (Morgan Freeman), ein einfacher Mann, der seine Träume den Realitäten des Lebens opfern musste. Das nahe Ende schweisst die ungleichen Männer zusammen, und sie begeben sich auf die letzte Reise zu sich selbst. Das ist zum Verzweifeln traurig und gleichzeitig brüllend komisch.

Natürlich hat man Nicholson schon häufiger als Scheusal, das sein Herz entdeckt, gesehen - sei es in "Besser geht's nicht" oder "Was das Herz begehrt" -, doch ist es auch immer wieder großes Kino. Vor allem im Zusammenspiel mit dem "Zenmeister" Freeman. So schaffen es zwei Typen, deren Leben eigentlich vorbei ist, dem Sensenmann gleich ein paar Mal eine Grimasse zu schneiden.

Unglaublicher Angsthase

Nein, er habe keine "Löffel-Liste", sagt Nicholson. Er habe zwar ernsthaft darüber nachgedacht, aber ihm fiele nicht wirklich etwas ein. "Eine letzte große Liebe" vielleicht, aber das dürften seine derzeitigen Freundinnen nicht hören. Lachen. Und nein, der Film habe nicht seine Sicht auf den Tod verändert: "Wir wissen, dass wir sterben werden". Aber hoffentlich nicht heute. Nicholson klopft wild auf den Holztisch. Dann sagt er, dass er ein unglaublicher Angsthase sei, und jeder der behaupte, er fürchte nicht den Tod, sei ein dicker, fetter Lügner.

Wenn er solch ein Angsthase sei, habe er dann nicht gezögert, in einem Film wie "Das Beste kommt zum Schluss" mitzuspielen? "Jeder Schauspiellehrer sagt dir in der ersten Stunde, ‚Wenn du die Rolle nicht 15 Minuten nachdem du sie gespielt hast, fallen lassen kannst, spielst du sie nicht richtig. Bei mir ist von keiner einzigen Rolle etwas hängen geblieben. Als ich ‚About Schmidt' gespielt habe, habe ich mich in ein körperliches Wrack verwandelt. Ich sah scheiße aus. Morgens bin ich immer an so einem großen Spiegel vorbeigekommen und habe echt gedacht, ‚Jesus, was wenn ich das nicht wieder in Form kriege'. Als ich ‚Einer flog übers Kuckucksnest' gedreht habe, waren wir in einer psychiatrischen Anstalt. Das kriecht dir schon etwas mehr ins Leben. Aber wie gesagt, das ist ganz frühes Training. Du gibst eine Vorstellung."

Der furchtlose Jack

Er bewundere Nicholson, seitdem er ihn in "Easy Rider" gesehen habe, sagt Freeman, und nach all den Jahren glaube er zu wissen, was das Schauspieltalent seines Kollegen ausmache: "Erstens hat er keine Angst, und zweitens ist er wahrhaftig, tut immer genau das, was er will. Er ist nicht zufällig Schauspieler geworden. Es sollte so sein."

Gut, dass Nicholson ihn nicht hören kann. "Wenn man wie ich mal im Schnittraum gearbeitet hat, weiß man, dass die Hälfte von dem, was man macht Scheiße ist. Wenn du das erstmal akzeptiert hast, setzt du andere Standards für das, was gut heißt", sagt Nicholson und zerdeppert noch ein Zerrbild. Und zwar das jenes Mannes, der nach all den Lobpreisungen den Bezug zur Realität verloren hat. Das hat er wohl tatsächlich ein bisschen, aber anders: Wenn man Nicholson so reden hört, wird klar, dass er viel Zeit und Ruhe gehabt hat, sich Gedanken zu machen. Und die tragen ihn zuweilen ein bisschen weit weg.

"Versuche niemals, deine Erfolge zu wiederholen"

"Ich nehme mir hin und wieder ein Jahr frei. Und ich meine wirklich frei: keine Filme, keine Drehbücher. Ich bin dann für niemanden zu erreichen. Und dann gucke ich mir an, wo ich stehe. Das habe ich schon drei Mal gemacht. Es ist anstrengend aufzuhören. Wenn ich dann wieder anfange, freue ich mich, denn ich liebe es, Filme zu drehen. Es ist ja nicht so, dass ich es muss." Das Geheimnis seines Erfolges? "Versuche niemals, deine Erfolge zu wiederholen. Nach dem dritten Mal arbeitet das Muster gegen dich."

Er bedankt sich für das Gespräch, steht auf und geht. Ein paar Hirnklone rappeln sich wieder auf und schütteln sich. Eine halbe Stunde reicht dann doch nicht aus, um ein halbes Jahrhundert Jack Nicholson zu zerstören.

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