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Liebe lieber ungewöhnlich

Zwei Schauspieler, zehn Rollen: Wie kann man Katja Riemann und Olli Dittrich jeweils gleich fünf Mal ertragen? Relativ gut! Hinter dem Titel "Die Relativitätstheorie der Liebe" verbirgt sich überaus leichte Unterhaltung mit extremen Kostümen und viel Klamauk.

Der Humor in deutschen Komödien ist reine Geschmackssache. Der eine Filmfan liebt seit je den übertriebenen Schalk der "Otto"-Filme. Der nächste klopft sich bei den Sprüchen der Karl-May-Parodie "Der Schuh des Manitu" auf die Schenkel. Wieder ein anderer bevorzugt den subtilen Witz von "Alles auf Zucker!".

Auch das Publikum des Episodenspiels "Die Relativitätstheorie der Liebe" wird nicht nur das Paarungsverhalten der zehn geschlechtsreifen Großstädter in dem Film hinterfragen, sondern auch den Humor der Leinwandgeschichte.

So werden die plakativen Dialoge und die Situationskomik in Buch und Regie von Otto Alexander Jahrreiss wohl nicht jedermanns Lachmuskel kitzeln. Etwa, wenn ein Furz die Stille des Meditationskreises von Yogi Swami Helmut durchbricht, oder wenn Tauben auf den ausgestreckten Armen des Taxifahrers Paul landen, der auf dem Balkon seine Gymnastik macht. Trotz dieser deutlichen Bestrebungen nach einem möglichst massentauglichen Spaßfaktor liegen die Humorquellen auch woanders: in den fein überzeichneten Figuren.

Das ist das Verdienst der Schauspieler. Mal abgesehen von den Perücken, Bauch- und Po-Prothesen zeigen Riemann wie Dittrich nicht einfach nur Kunstfiguren, wie sie in den Sketch-Formaten der deutschen Fernsehlandschaft oft zu finden sind. Bei aller Karikatur bleiben die meisten Charaktere Menschen mit Schwächen, Marotten - und viel Herz. Das wird nie langweilig. Denn neben den ideenreichen Kostümen bringen die Darsteller ihre ganz unterschiedlichen Fähigkeiten ins Spiel: Katja Riemann ihr routiniertes Rollenhandwerk, Olli Dittrich seine nahezu genialische Improvisationsgabe.

Dass diese Komödie nicht einfach nur albern wirkt, liegt außerdem an Dramaturgie und Technik. Der Schnitt arbeitet mit rigoros kurzen Sequenzen. Diese liefern den Zuschauern immer gerade soviel Futter, dass sie ihnen wie Appetithäppchen zum Weiterschauen den Mund wässrig machen.

Ein weiteres Überraschungsmoment: Hin und wieder begegnen sich die verschiedenen Figuren - obwohl sie ja alle von Riemann und Dittrich gespielt werden. Für diesen Effekt arbeitet Jahrreiss nicht nur mit Doubles, sondern auch mit der Motion-Control-Kameratechnik. Die damit nacheinander gefilmten Aufnahmen werden zu einer Art Collage mit mehreren Ebenen zusammengefügt. So treffen in einer Galerie schon mal fünf der zehn vervielfältigten Riemanns und Dittrichs aufeinander.

Da sieht man es dem Regisseur gleich etwas leichter nach, dass er ähnlich wie Hitchcock ganz kurz auch selber auftritt. Relativ gesehen ist das arrogant. Bei so viel Lust an der Unterhaltung aber irgendwie auch liebenswert.

Franziska Bossy, DPA/DPA

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