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Volltreffer!

Mit "Django Unchained" liefert Quentin Tarantino einen weiteren Kultfilm. Und machte ein für alle mal klar, dass Christoph Waltz die neue Uma Thurman ist. Zehn Gründe für ein Hallelujah!

Von Sophie Albers

Das Pre-Bürgerkriegs-Amerika des 19. Jahrhundert. Der deutsche Kopfgeldjäger Dr. King Schultz und der Sklave Django haben einen Deal: Django unterstützt Schultz beim Geld verdienen. Im Gegenzug schenkt der Doktor aus Düsseldof Django die Freiheit und hilft ihm, seine versklavte Frau zu befreien. Von der ersten Szene an weiß man, wer hier die Knöpfe drückt! Diese Mischung aus Märchen und Exploitation-Kino, aus Geschichtsstunde und Folterporno, aus Hommage und Selbstverliebtheit ist die unverwechselbare Handschrift von Kultregisseur Quentin Tarantino. Die blutroten Titel-Lettern im Retro-Stil, das Slowmotion, das Bildikonen schafft, die Reißschwenks, wenn zig Liter Blut spritzen und Tonnen von Blei tieffliegen - Sie werden sich in "Django Unchained" zuhause fühlen!

Es ist großes Kino, Christoph Waltz dabei zuzusehen, wie er das Universum des Spaghetti-Westerns um ein ganzes Land erweitert: Deutschland. Aus Düsseldorf kommt sein Dr. King Schultz, der den Pragmatismus und die schönen Künste liebt, der jeden mit gewählten Worten totquasseln könnte, wäre es nicht zeitsparender zu schießen, und der Amerika noch weniger versteht als die Amerikaner selbst. So betrachtet er staunend, bewundernd und angeekelt die Neue Welt, und ist geradezu magisch stets zur richtigen Zeit mit der richtigen Ausrüstung am richtigen Ort, um das Richtige zu tun. Schultz ist der Zauberer in diesem Brutalomärchen, die gute Seele des ganzen Films.

"Ich brauche Quentins Blut viel dringender als er meines", hat Waltz die Frage nach der gegenseitigen Beeinflussung im stern-Interview beantwortet. Doch ist es schlicht Fakt, dass der Mann aus Wien die neue Muse des berüchtigten Filmemachers ist. Christoph Waltz die neue Uma Thurman! Er habe "Django Unchained" nur für Waltz geschrieben, hat Tarantino denn auch erklärt. Aber weil Waltz Waltz ist, fällt einem das eben erst hinterher auf.

Ganz ehrlich: Als die Nachricht die Runde machte, dass der singende Jamie Foxx den Helden in Quentin Tarantinos Western-Fantasie mimen werde, hat das vielen nicht geschmeckt. Um so wunderbarer ist das Ergebnis. So tief entspannt wie tief entschlossen lässt Foxx Django seinen Weg gehen - in jeder Sekunde glaubwürdig und so unfassbar cool wie es nur Tarantino-Helden sein können.

Nach "Kill Bill 1&2", "Death Proof" und "Inglourious Basterds" serviert Tarantino das nächste eiskalte Rache-Gericht: nach der Braut, den Frauen und den Juden sind die Schwarzen dran, ultimativ Rache zu nehmen an ihren Peinigern. Niemand sonst beschert seinem Publikum solch eine lupenreine Katharsis. Das Gute ist gut und das Böse schlecht. Also weg damit - und das möglichst gründlich. Krawummm!

Sie haben richtig gelesen! Quentin Tarantino hat sich vom "Ring des Nibelungen" inspirieren lassen, nachdem Christoph Waltz ihn in eine Aufführung der Richard-Wagner-Oper in Los Angeles geschleppt hat. Djangos verkaufte Gattin heißt Broomhilda, spricht Deutsch, und in einer wunderschönen, weil gnadenlos liebevollen Szene erzählt Schultz Django von Siegfried, der auszieht, seine Brünnhilde zu retten. Von einer Sekunde zur nächsten ist Django der erste schwarzer Superheld im amerikanischen Western mit germanisch-mythologischer Rückendeckung. Stärker geht's nicht!

So liebevoll wie in "Django" war Tarantino bisher vielleicht in "Jackie Brown". Das ganz große Gefühl ist Motor der Geschichte. Und damit ist nicht nur die Liebe zwischen Django und Broomhilda gemeint, sondern die Menschlichkeit als solche, die man bei all der Tarantinoesken Gewalt trotzdem immer spürt. Denn sie steckt auch in der schmerzverzerrten Betrachtung ihrer Abwesenheit, die Schultz für uns übernimmt.

Endlich! Seit "Romeo&Julia" und "Titanic" hat Leonardo DiCaprio darauf gewartet, so richtig mies sein zu dürfen. Tarantino bietet ihm eine Plantagen-große Bühne dazu. Darauf tobt sich der ewige Junge denn auch enthusiastisch aus. Nicht unerwähnt bleiben darf Samuel L. Jackson, der sich als in Selbsthass brennender Sklave, der Sklaven treibt, die Seele aus dem Leib spielt. Das sind schon verdammt viele herausragende Schauspieler-Leistungen in einem Film.

Und Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er dem Ur-Django nicht einen kleinen Thron gebaut hätte. Franco Nero kam, sah und zuckte mit keiner Wimper.

In den USA sorgt "Django Unchained" für heftige Debatten über die Darstellung der Sklaverei. Tarantino wird vorgeworfen, das schändliche Kapitel der Geschichte Amerikas zu verharmlosen. Spike Lee ("Malcolm X") sein schärfster Kritiker. Doch Tarantino reagiert leidenschaftlich: Zahlen lernen könne man zuhause, um Geschichte zu begreifen, brauche es Geschichten, die ihre Schüler mitreißen, begeistern und neugierig machen. Er selbst habe einen Großteil seines historischen Wissens aus Filmen. Und Filme wie dieser machten Geschichte zumindest interessant, so der bald 50-Jährige. "Ich bringe Leute gern zum Lachen über Dinge, die eigentlich nicht komisch sind", sagt Tarantino im stern-Gespräch. "'Basterds' war auch komisch, und da geht es um ernstes Zeugs." Damit auch der Letzte versteht, wie ernst es ihm ist, beendet er den eigenen Kurzauftritt als Sklaventreiber-Handlanger mit einer großen Portion Dynamit.

Tarantino arbeitet an einem Gesamtwerk, das ist keine Frage, das macht der Filmemacher auch immer wieder deutlich. Es gehe ihm darum, "dass mein Gesamtwerk aus einem Stück ist. Ich will meine Lieder auf eine bestimmte Art singen. Wenn man mit Rock'n Roll angefangen hat, sollte man nicht versuchen, zur Country-Musik oder zum Jazz zu wechseln", sagt er im Interview mit der "Zeit".

"Django Unchained" ist sein achter Kinofilm, der sich mühelos einfügt in dieses Rock'n-Roll-Oeuvre. Allerdings ist es der erste Film ohne seine angestammte Cutterin Sally Menke, die für die mächtige Bildsprache all seiner Filme mitverantwortlich war. Sie war im September 2010 bei einer Wanderung ums Leben gekommen. Fred Raskin heißt der Neue, und er hat seinen Job gut gemacht.

Bleibt zu hoffen, dass Tarantinos lautes Nachdenken über ein Karriereende vorerst Science-Fiction bleibt. Dem "Playboy" hatte er jedenfalls Folgendes zu sagen: "Ich will, dass diese künstlerische Reise einen Höhepunkt hat. Ich will auf etwas hinarbeiten." Wir sind dabei!

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