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Eine Schwarze wagt sich unter Neonazis

"Die Kugel ist für dich, Mo Asumang", gröhlte die Neonazi-Band White Arian Rebels vor einigen Jahren. Nachdem sie ihren Schock verdaut hatte, konfrontierte die TV-Moderatorin Asumang Rechtsradikale direkt. Und machte aus ihrer Spurensuche den Dokumentarfilm "Roots Germania", der nun im ZDF zu sehen ist.

Von Kathrin Buchner

Diese Frau kann man zu Recht mutig nennen: TV-Moderatorin Mo Asumang ("Liebe Sünde") hat sich unter die Menschen begeben, die sie am liebsten tot sehen würden. Alles begann mit der Textzeile einer Naziband: ''Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang'' sangen sie. Die Moderatorin, die von 1997 bis 2000 auf ProSieben die Erotiksendung "Liebe Sünde" präsentiert hat, war erst einmal schockiert von der Morddrohung: "Ich habe erst mal gecheckt, ob die mich finden. Durch meinen Bekanntheitsgrad hatte ich eigentlich gar keine Chance, mich zu verstecken. Dann dachte ich, da hilft nur die Flucht nach vorne", sagt Mo Asumang.

Also gründete sie eine Produktionsfirma, zog mit einem Kamerateam los, traf Akteure der rechtsradikalen Szene und konfrontierte sie mit ihrer Existenz. Jürgen Rieger beispielsweise, Anwalt und NPD-Mitglied, oder den Jugendlichen Marcel, der wegen Körperverletzung im Knast sitzt. "Normalerweise halten diese Leute mit Theorien ihre Feindbilder aufrecht. Aber dann kommt so eine Mo, die ist auch nett und lächelt. Was machst du dann als Nazi - damit rechnest du ja nicht", sagt Asumang. Es sind intensive Momente, die während dieser Treffen entstanden und im Dokumentarfilm "Roots Germania" festgehalten wurden.

Als sie Marcel im Knast fragt, wo sie denn eigentlich hingehen solle, wenn sie aus Deutschland weg solle, schaut der auf den Boden und murmelt: "Nach Afrika". Dahin geht Mo Asumang dann auch, in das Dorf ihres Vaters in Ghana. Damit beginnt der zweite Handlungsstrang des Films. "Dort habe ich eine Ebene gefunden, die ich für mich als Heimat entdeckt habe, die spirituellen Wurzeln. Wir sind ja alle mal von Afrika aus gewandert und haben die Welt bevölkert. Unsere germanischen Wurzeln liegen dort." Sie trifft ihre afrikanische Familie, lernt Stammesfürsten kennen und sieht den in Deutschland so ungewöhnlichen Namen Asumang an Geschäften geschrieben.

Sie seziert aber auch ihre Kindheit und Jugend in Deutschland, befragt ihre Mutter, die damals ihr Kind zeitweise in eine Pflegefamilie gegeben hat. "Durch die Anfeindung von den Rechtsradikalen ist mir bewusst geworden, wie wichtig mir Deutschland als Heimat ist, dass ich zu dieser 90-Millionen-köpfigen Familie gehöre. Früher hatte ich da eher so eine Opferhaltung."

Aus all diesen Begegnungen, Spurensuchen und Reisen entstand "Roots Germania", ein witziger, packender und unkonventioneller Dokumentarfilm. Mo Asumangs nächster Plan: Sie will damit durch die Schulen ziehen, weitere Diskussionen anstoßen und für ein positives Deutschland-Gefühl "wie bei der WM" kämpfen.

"Roots Germania" läuft im Rahmen der Schwerpunktwoche "Wohngemeinschaft Deutschland" in der Nacht vom 5. auf den 6. November im ZDF um 0.30 Uhr.

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