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Darum regt sich Nordkorea über "The Interview" auf

Nordkoreas Machthaber ist eine Witzfigur und soll von CIA-Agenten getötet werden - die Komödie "The Interview" hat für Aufregung gesorgt. Nordkorea-Experte Frank erklärt, was dran ist am Skandal.

  In der Komödie "The Interview" geht es darum, dass zwei TV-Reporter im Auftrag des CIA den nordkoreanischen Diktator umbringen sollen. Der Film startet am 5. Februar in Deutschland.

In der Komödie "The Interview" geht es darum, dass zwei TV-Reporter im Auftrag des CIA den nordkoreanischen Diktator umbringen sollen. Der Film startet am 5. Februar in Deutschland.

Herr Professor Frank, am 5. Februar startet die amerikanische Slapstick-Komödie "The Interview" in den deutschen Kinos. Der Film hat schon im Vorfeld für eine internationale Krise zwischen den USA und Nordkorea gesorgt, in die sich sogar Barack Obama eingeschaltet hat. Können Sie die Aufregung darum verstehen?
Natürlich, die Aufregung der Nordkoreaner ist für mich nachvollziehbar. In dem Film wird ein real-existierendes und mit seinem tatsächlichen Namen bezeichnetes Oberhaupt eines Staates durch den Kakao gezogen. Er wird als größenwahnsinniger, vertrottelter Diktator mit ausgeprägtem Vaterkomplex dargestellt und am Ende umgebracht. Würden Merkel, Obama oder Hollande so darstellt werden, wäre die Aufregung in deren Ländern sicherlich ähnlich groß.

Der Film handelt von zwei Fernsehreportern, die von der CIA den Auftrag erhalten, den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un während eines Interviews umzubringen. Nordkorea nannte den Film eine "unverhohlene Unterstützung des Terrorismus". Das klingt hysterisch.


Das ist übertrieben, klar. Es ist ja keine Dokumentation, die behauptet, die Wahrheit zu verbreiten, aber es ist doch ein Film, den ein Millionenpublikum sehen wird. Ich habe nun sogar von einigen Exil-Nordkoreanern gehört, von Überläufern, die den Film gesehen haben. Die konnten damit nicht so viel anfangen, weil selbst sie sich noch in ihrer nationalen Ehre attackiert gefühlt haben.

Warum?


Nun ja, nicht nur der Führer, auch alle anderen Nordkoreaner werden im Film wenig schmeichelhaft dargestellt. Selbst die Propaganda ist voller inhaltlicher und sprachlicher Fehler. Nordkorea wird als ein großer Witz dargestellt, was sogar von denen, die dort unter Verfolgung und Not gelitten haben, als Herabwürdigung empfunden wird. Allerdings muss man den Filmemachern zugute halten, dass auch die USA und die CIA ihr Fett abbekommen.

Sie kennen Nordkorea aus eigener Erfahrung. Sie studierten dort ein Semester und reisen auch heute immer wieder mal nach Nordkorea. Haben Sie das Land im Film wieder erkannt?
Die Landschaft sieht jedenfalls komplett anders aus. Die haben das ja in Kanada gedreht. Aber es gibt schon so etwas wie ein paar authentische Momente. Der Film zeigt, wie die nordkoreanische Führung den Ausländern gegenüber darum bemüht ist, ihr Land in dem möglichst besten Licht darzustellen. Das entspricht der Wahrheit. Aber es ist übertrieben, wenn eine Szene einen Fake-Supermarkt mit vollen Regalen aus Plastik-Früchten in Pjöngjang zeigt, der den amerikanischen Fernsehreportern zur Illustration des nordkoreanischen Wohlstands vorgeführt wird. Ich war im September vergangenen Jahres in Nordkorea auf einem Markt. Da gab es alle Arten von Früchten, die man sich vorstellen kann. Nur sind sie ähnlich teuer wie bei uns, viele Menschen können sie sich nicht leisten.

In einer Szene singt eine kleines Schulmädchen vor der nordkoreanischen Arbeiterpartei "Stirb Amerika, stirb Amerika, es würde mein Herz mit Freude erfüllen". Fängt diese Szene die anti-amerikanische Propaganda ein?


Das ist durchaus realistisch. Es gibt beispielswiese Kinder-Comics, in denen vorgeführt wird, wie der gute Koreaner den bösen Amerikaner umbringt. Hingegen ist die Zeile in dem Lied: "Mögen Eure Frauen von wilden Tieren vergewaltigt werden und Eure Kinder dabei zuschauen!" völlig abwegig.

Von dem Vater von Kim Jung Un hieß es immer, er habe ein gigantische Sammlung von Hollywoodfilmen. Wie nah steht Kim Jung Un der amerikanischen Popkultur?


Der ehemalige Basketballer Dennis Rodman, der Kim Jung Un einen Freund nennt, erzählte nach einem Besuch mal von Partys mit Luxusjachten, Jet-Ski und Cocktails. Diese sogenannte Dekadenz der nordkoreanischen Führung gibt es tatsächlich. Doch während sein Vater ein bekennender Filmfan war, bezweifele ich, dass Kim Jung Un in der Realität bei Songs von Katy Perry weint wie im Film.

Interview: Hannes Roß
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