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Die Pille gegen Superhelden

Auch in der dritten Runde der Comicfilm-Reihe "X-Men" mit Halle Berry werden aktuelle Probleme mit Fantasy-Action vermischt: Wenn es nicht gerade fantastische Spezialeffekte zu sehen gibt, dreht sich alles um die Frage: Können übermenschliche Fähigkeiten eine Behinderung sein?

Von Ralf Sander

Nach den Ereignissen des Vorgängerfilms "X2" herrscht Ruhe zwischen den "normalen" Menschen und den Mutanten, Menschen mit den unterschiedlichsten Superkräften wie Gestaltwandeln, Feuer- und Eisschleudern oder Gedankenlesen. Doch die Zeit des Friedens währt nicht lange: Ein Pharmaunternehmen bringt ein Medikament auf den Markt, das die Wirkung des für die Mutantenfähigkeiten verantwortlichen X-Cromosoms dauerhaft unterdrücken kann.

Ein "Heilmittel" nennt es der Hersteller. Die Mutanten sind in Aufruhr: Einige sehen in der Substanz die Chance, endlich ein normales Leben zu führen, ohne wegen ihrer Andersartigkeit ausgestoßen zu werden. Andere sagen, es gebe nichts "zu heilen", schließlich sei mit ihnen alles in Ordnung. Radikale Mutanten wie Magneto (Ian McKellen), der schon in den ersten beiden Filmen gezeigt hatte, dass er die Menschen für ein veraltetes Modell hält, bezeichnet das Medikament als Mittel zum Völkermord und schart eine Mutantenarmee um sich. Zwischen den Fronten: die X-Men, eine Gruppe von gemäßigten Mutanten um Professor X (Patrick Stewart), traditionell um friedliche Co-Existenz zwischen Menschen und Mutanten bemüht.

Plötzlich wieder aufgetaucht

Als wäre die politische Lage nicht angespannt genug, haben die X-Men auch noch interne Probleme: Jean Grey (Famke Janssen), die sich in "X2" für ihre Freunde geopfert hatte, kehrt durch einen merkwürdigen Zufall zu den Lebenden zurück. Allerdings ist sie nicht mehr die Alte. Sie ist nun Dark Phoenix, die mächtigste Mutantin, die je existiert hat. Klingt wie eine nützliche Hilfe für die gerechte Sache der X-Men, doch die rothaarige Schöne hat ein massives Kontrollproblem, das sie für ihre Umgebung zur alles zerstörenden Bedrohung macht.

Es geht auch mit Hirn

Eine Stärke der "X-Men"-Filme war immer, dass der Zuschauer zwischen den Actionsequenzen mitdenken konnte, dass die Charaktere mit Leben erfüllt waren und immergültige Themen wie Fremdenangst, Diskriminierung und Sehnsucht nach Anerkennung behandelt wurden. Diesem Prinzip bleibt auch die zweite Fortsetzung treu. Allerdings haben Regisseur Ratner und seine Drehbuchautoren einige Probleme, die inzwischen stattliche Mannschaft an wichtigen Charakteren im Griff zu behalten. Einige liebgewordene Mutanten sterben, während andere hinzukommen, deren Namen man teilweise nicht einmal erfährt. Die Über-Mutantin Dark Phoenix, die unter den Comiclesern eine große Anhängerschaft hat, wirkt im Film wie bestellt und nicht abgeholt und wird sträflich vernachlässigt. Auch die Umstände ihrer Wiederauferstehung können nicht wirklich überzeugen. Außerdem lauert die eine oder andere Klischeefalle: Die von den X-Men betriebene Mutantenkinder-Schule beispielsweise wirkt wie Hogwarts für die amerikanische Oberschicht, während Magnetos Armee an ein Gruftie-Fachgeschäft auf Betriebsausflug erinnert. Wer eine Geschichte über Toleranz und Respekt gegenüber Andersartigen erzählt, sollte sich solche spießbürgerlichen Eskapaden eigentlich schenken.

Effektorgie im besten Sinne

Von den inhaltlichen Schönheitsfehlern abgesehen, erfüllen die X-Men ihre dritte Mission mit Bravour: Sie bieten bombastisches Unterhaltungskino, mit Spezialeffekten und Actionsequenzen, die schon jetzt zu den besten des Jahres gehören. Die 150 bis 200 Millionen Dollar (je nach Quelle) wurden gut angelegt. Wenn am Ende Magneto sich eines der berühmtesten Bauwerke der Welt bemächtigt, bekommt der Begriff des "Brückenschlags" eine neue Dimension.

Dass "X-Men: Der letzte Widerstand" das Finale der Reihe sei, werden die Macher nicht müde zu behaupten. Doch wer die beiden Szenen vor und nach (!) dem Abspann sieht, kann sich eines Eindrucks nicht erwähren: Bei den "Das ist das Ende"-Beteuerungen kann es sich nur um Mutationen von "Fortsetzung folgt" handeln.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo