Zum Küssen. Zum Fürchten. Zum acht Mal Niederknien: Frankreichs begnadetste Aktricen zeigen sich in einer Kino-Komödie mit dem harmlosen Titel »8 Frauen« als respektable Zicken.

Frankreichs begnadetste Aktricen zeigen sich als respektable Zicken
Von Ralph Geisenhanslüke
Friedlich wie im Märchen steht das Landhaus da: umweht von zarten Schneeflocken, ein Rehkitz blickt zum Fenster rein. Bald ist Weihnachten - aber leider hat ein Messer im Rücken dem Hausherrn die festliche Stimmung verdorben. Monsieur liegt tot auf seinem Bett. Die Hinterbliebenen scheint das allerdings wenig zu kratzen. Gaby, seine Gattin, hatte ohnehin die Koffer gepackt, Schwiegermutter denkt vor allem an ihre Aktien, und eine der Töchter ist guter Hoffnung von Papa, der gottlob gar nicht ihr Papa war. Eine feine Familie.
»8 Frauen« und ein toter Mann bevölkern das Haus, eine von ihnen ist die Mörderin. So einfach, so gut. Aber was für Frauen! Die Löwinnen des französischen Kinos sind es, die Regisseur Francois Ozon aufeinander loslässt: Catherine Deneuve, Fanny Ardant, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart als mittlere bis reife Jahrgänge. Dazu die beiden Küken, Virginie Ledoyen und Ludivine Sagnier, sowie die mit 85 Jahren ungebrochen niederträchtige Danielle Darrieux, die als trinkende Hypochonderin im Rollstuhl durch die Kulisse rollt. Nur Firmine Richard ist kein Star. Sie ist die Köchin. Dafür weiß sie ein bisschen mehr als alle anderen.
Wie immer hat jemand das Telefonkabel aus der Wand gerissen, natürlich ist das Auto kaputt. Es beginnt ein großes Türenknallen, die acht Sirenen werden zu Hyänen. Mögen sie auch Leopardenfellmäntel (Deneuve) tragen oder die brave Tracht des Zimmermädchens (Béart), das vor allem dem Verblichenen zu Willen war: Hier hat jede eine Leiche im Kleiderschrank.