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6. Juli 2009, 20:27 Uhr

Geschichten aus dem Porno-Tal

9 to 5 Days in Porn, Pornoindustrie, Sasha Grey, Fernando Valley

Von kaputten und erfolgreichen Frauen© Zorrofilm

Das Gegenbeispiel ist eine Deutsche mit dem Künstlernamen Katja Kassin, die sich mit Pünktlichkeit und Kampfgeist in die 500.000-Dollar-Liga hochschläft, obwohl sie nicht einmal besonders gut aussieht. Vorher habe sie in einem Rathaus in Ostdeutschland gearbeitet und ein bisschen studiert, sagt sie. Sie hat es im Porno-Business weit gebracht, fängt dann an, für Geld mit Menschen zu schlafen, auch wenn keine Kamera dabei ist. Für noch mehr Geld. Bis sie auf ihrer Myspace-Seite schreibt, sie würde sich gern unter einem Stein verstecken.

Das Ende von Audrey

Und dann gibt es noch eine Rothaarige, Typ Nicole Kidman, namens Audrey, die unglaublich hübsch ist und Porno-Preise gewinnt. Die aber am Ende oft nur noch dasitzt, aufgedunsen, und mit vom Kiffen blutunterlaufenen Augen vor sich hinstiert. Es seien, sagt Hoffmann, gar nicht die schlimmsten Szenen, die er da zeigt. Die allerschlimmsten habe er weggelassen, um Audrey zu schützen. Es wäre einfach, ihren Verfall auf ihre Arbeit zu schieben. Aber da ist sich Hoffmann nicht sicher. Sie habe einen ungeheuer dominanten Mann, ein lauter, überpräsenter Mensch. Otto Bauer ist sein Künstlername. Der einzige männliche Darsteller übrigens, der in "9 to 5" auftaucht.

Es liege, glaubt Hoffmann, womöglich auch an ihm, dass es Audrey immer dreckiger gehe. Denn er habe den Eindruck gehabt, dass Audrey den Berufssex eher emotionslos absolviere. Diese Widersprüchlichkeit transportiert Hoffmann auch mit seinem Film. Audrey und Otto sind sein roter Faden, sie tauchen am häufigsten auf. Und Hoffmann liefert eine eindrückliche Beziehungsstudie dieses Porno-Paares. Dabei kommentiert er nicht, er zeigt nur. Ziemlich viel.

Selbstbestimmt, ehrgeizig

Doch es gibt auch starke, erfolgreiche Frauen. Die kahlköpfige Bella Donna betreibt mit ihrem Freund eine eigene Firma. Selbstbestimmt, ehrgeizig, eine Geschäftsfrau, keine, die leidet. Genauso wie die recht erfolgreiche Darstellerin, die sich nach Jahren im Geschäft immer noch weigert, Analsex zu praktizieren. Ein krasser Gegensatz zu den ganz jungen Mädchen, die sich oft schon beim ersten Dreh zu allem überreden lassen.

"9 to 5" ist keine Anklage wider die unwürdigen Praktiken einer menschenverachtenden Industrie. Es ist eher eine vorsichtige Suche nach Antworten auf wesentliche Fragen. Leiden diese Frauen, werden sie unterdrückt? Hoffmann erzählt vom Jim Powers, dem Punk und Porno-Regisseur, dessen Filme als die härtesten im Valley gelten. Nirgendwo sei die Stimmung am Set so gut wie bei ihm. Frauen haben gar nicht so wenig Macht, argumentiert Hoffmann. Sie sind die Stars der Szene. Die Männer müssten nur funktionieren. Oft sehe man nicht einmal ihr Gesicht. Das gilt vor der Kamera. Dahinter, so viel ist auch klar, stehen andere Männer, die oft ordentlich abkassieren.

Der Alltag mit Körpersäften

Auch die Profiteure in ihren Büros lässt Hoffmann kurz zu Wort kommen. Ein Aspekt, den er ausblendet, ist die Strukturkrise, in die das Internet die Industrie gestürzt hat. Mit DVDs lässt sich heute deutlich weniger Geld verdienen als noch vor einigen Jahren. Hätte "9 to 5" sich diese Facette auch noch vorgenommen, wäre er allerdings endgültig ausgefranst. Es sind schon sehr, sehr viele - zu viele - Menschen, deren Geschichten sehr ausführlich erzählt werden. Ein schmieriger, hinkender Agent tritt da etwa noch auf, der seine Frauen für Tagesgagen von 400 Dollar oder mehr vertreibt. Je nachdem, was sie am Set alles mit sich machen lassen, oder nicht. Es steht in ihren Personalakten. Porno-Darsteller kann ein recht normaler Job sein, deshalb hat Hoffmann den Film "9 to 5" genannt, das sind die Zeiten, die einen Büroarbeitstag abstecken. Und es kann eine zutiefst trostlose Veranstaltung sein. Hoffmanns Film zeigt beides. Mit den TV-"Pseudo-Pornos" hat das wirklich überhaupt gar nichts zu tun.

Von Johannes Gernert
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KOMMENTARE (10 von 11)
 
raptor-xl (08.07.2009, 16:58 Uhr)
ich und prüde?
sicher nicht. mir erschliesst sich nur nicht der fall, dass man fremden menschen (statt es genüsslich selbst zu machen) beim poppen zuschauen muss.
und wenn, dann eben beim porno. dafür ist er ja da. aber wieso kommt so etwas in die öffentlichen kinos und gilt dann plötzlich auch noch als künstlerisch? der zusatz dokumentation ist doch nur ein trick, damit der mist weit verbreitet werden kann. und dann soll daran verdient werden. so simpel!
esopherah (07.07.2009, 09:51 Uhr)
blah
@Gockeline512
Frauen die sich selber wertschätzen haben kein Bedürfnis vor die Kamera wie...
Sagen sie mal gehts noch? Sie bestimmen jetzt also welche frau sich "wertschätzt"? LOL gerade selbstbewusste frauen, die keine probleme mit ihrer sexualität haben und in der kindheit nicht den stupiden moralvorstellungen alter sabbernder kirchenmännern unterworfen wurden gehen vor die kamera. Wer sich aber darüber aufregt zeigt nur sein eigenes problem MENSCH zu sein.
@Stern Admins, 2kinos wow, damit gibt es alleine auf stern de mehr berichte über den film wie es in ganz nrw kinos gibt die ihn zeigen...
Administrator (07.07.2009, 09:08 Uhr)
@Lamda
Liebe/r Lamda,
hier die Kinos in NRW, die den Film spielen:
- Endstation Kino im Bhf. Langendreer, Bochum
- Filmpalette, Köln
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Administrator (07.07.2009, 09:07 Uhr)
@Blacky
Lieber Blacky007,
vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Gockeline512 (07.07.2009, 08:52 Uhr)
Keiner denkt nach warum so viel Geld gemacht wird...-
Sex ist das größte Suchtmittel unserer Zeit.Es wird sehr früh bei Kindern schon geweckt damit der Markt läuft.Pornos dienen wie jedes andere Suchtmittel zur Steigerung.Frauen die sich selber wertschätzen haben kein Bedürfnis vor die Kamera wie es so vermittelt wird.Journalisten die in die Szene gehen um Informationen zu holen,neigen selber dazu sich zu verlieren in diesem Milieu mit fadenscheinigen Aussagen.Sie bringen dieser Branche die nötige Aufmerksamkeit und ihren Sexsüchtigen Lesern Stoff.
Blacky007 (06.07.2009, 21:59 Uhr)
100 Millionen Euro Jahresumsatz
Ist Gernert ein Praktikant oder Azubi - Journalist sollte er sich auf jeden Fall nicht schimpfen!
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Alleine Beate Uhse macht in Europa ca. 150 Mio mit Porno!
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Der taxierte Jahresumsatz, also der Umsatz, der den amerikanischen Steuerbehörden ovn den Firmen gemeldet wird, beträgt um die 20 Milliarden USD! Da in der Branche sehr viel unterm Tisch läuft, kann man nochmal ein paar Milliarden oben drauf rechnen.
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Dass einem Journalisten diese Zahl nicht sofort ins Auge sticht, wundert mich, wenn er schon über eine der umsatzstärksten Industriezweige der USA schreibt. Was ist an dem Taschengeld von 100Mio denn umsatzträchtig?
Lamda (06.07.2009, 21:46 Uhr)
Frage auch an die Redaktion
In welchen Kinos in NRW kann man sich diesen Film anschauen?
Bebuquin (06.07.2009, 21:18 Uhr)
@ramteid
Vielleicht bin ich ja uninformiert, aber wo werden Frauen dazu gezwungen in solchen Filmen mitzuspielen? So lange nicht jemand mit einer Pistole danebensitzt (bzw. ein vergleichbares Zwangsmittel eingesetzt wird) oder aufgrund der Lage auf dem Arbeitsmarkt keinerlei Alternativen bestehen, werden diese Filme von Frauen freiwillig gedreht.
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@raptor-xl
Sie sind nicht gezwungen sich solche Filme anzusehen, in diesen Filmen mitzuspielen oder ihr privates Sexualleben daran zu orientieren. Wenn andere Menschen freiwillig diese Filme gucken oder in diesen mitspielen, ist das auch nicht ihre Sache.
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Und zum Thema Porno allgemein noch etwas:
Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn gut gemacht Sexfilme produziert werden. D.h. Filme mit einer Handlung und mit echten Sexdarstellungen, die näher an der Realität des Durchschnittsmenschen sind. Derartige Filme könnten dann ein sehr gutes Gleichgewicht gegenüber den "Standard"-Pornos sein, die größtenteils Männerphantasien bedienen.
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In gewisser Weise würde ich sogar soweit gehen, dass solche Filme (gute Geschichte und gute, realistischere Sexdarstellungen) im normalen Fernsehen gezeigt werden sollten. Denn bisher habe ich noch keinen Grund gehört, warum die Betrachtung von normalem Sex für Menschen jeglicher Altersgruppen schädlich sein sollte. (Auch wenn uns die Vertreter der Prüderisten- und Sexualneurosenreligionen/-kulte gerne etwas anderes verkaufen wollen und Sex für sündhaft halten - stellt sich nur die Frage, wann Sex in der Evolution sündhaft wurde. Aber was deren Körperfeindlichkeit, Enthaltsamswahn, Prüderie, Keuschheitsgehabe, usw. bringt, sieht man ja immer wieder bei Berichten über missbrauchte Messdiener, Teenagerschwangerschaften, Analverkehrpraktizierung wegen Abstinenzversprechen, usw.)
esopherah (06.07.2009, 20:58 Uhr)
ich will den sehen
aber leider gibts wohl zuviele prüde hansels wie meine vorposter, der film läuft in keinem kino und alle schreiben drüber.....
Ich hab spass an sex und kenne ne menge frauen die gerne pornos schauen, da ist nix schlimmes dabei!
Am wochenende hätt ich mir die doku gerne mit ner freundin angeschaut...
Und ja, sex kann wie in pornos sein, es muss nicht dunkel unter der bettdecke geschehen!
Und von wegen vor 30 jahren verboten. Das ich nicht lache! heute wird alles zensiert! Im radio piepsts und im mittags tv werden pippi und ronja geschnitten während nachts die grenze mit billig russenmädels ausgelotet wird.
Zensur wie vor 30 jahren das wär toll...
raptor-xl (06.07.2009, 14:25 Uhr)
...was soll das alles?
vor dreissig jahren noch verboten (heimlich-einfuhr via dänemark), vor 10 jahren noch als frauenverachtend beschrieben, heute gesellschaftsfähig? was soll diese doku bewirken? soll das ein künstlerisch, wertvoller film sein, damit sich die kunst nun noch enthemmter zeigen kann? reichen mentruationsblutverschmierte nacktdarsteller auf den theaterbühnen nicht mehr aus?
sex ist toll, aber bitte nicht so. die vereinsamten der gesellschaft, die sich bei solchen filemn einhändig und allein unterhalten müssen, ist schon schlimm genug. aber mittlerweile wird der gesamten gesellschaft ja vorgeführt, dass alles scheinbar nur noch vollporno geht. das dabei die verwahrlosung immer weiter, vor allem in der unterschicht, vorangeht, interessiert frau von der leyen nicht. 1. hat sie von diesen dingen sicher noch nie was gehört und 2. sind ja eh nur pc-spiele an allem schuld... mein gott, wie verblödet ist diese nation eigentlich schon? vögeln, komasaufen und arschgeweihe. dann st die mehrheit scheinbar schon zufreiden...
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