Zurück zu Octave Parango (Jean Dujardin). Seine Situation scheint zunächst aussichtslos. Er ist des Lebens auf der Überholspur überdrüssig. Außerdem hat er die große Kampagne für den Joghurtriesen Madone an die Wand gefahren. Letzter Ausweg: Selbstmord. Er steht auf dem Dach des Hochhauses seiner Firmenzentrale und will sich in die Tiefe stürzen. "Der Mensch ist ein Produkt wie jedes andere - mit einem Verfallsdatum", lautet sein Mantra. Schließlich ist Octave Top-Texter der renommierten Werbeagentur Ross & Witchcraft.

Irgendwann reichen auch Sex und Drogen nicht mehr aus, um den Lebensekel zu betäuben© Alamode/DDP
Sein Erschaffer Frédéric Beigbeider arbeitete jahrelang bei Young & Rubicam und vermarktete unter anderem Büstenhalter, Nudeln und Joghurt. Irgendwann hatte er die Schnauze gestrichen voll. Sein Kumpel Michel Houellebecq bestärkte ihn darin, Interna und Intima aus der Werbebranche auszuplaudern. Nach Veröffentlichung seines Romans wurde Beigbeder sofort gekündigt. "Ich wollte mich feuern lassen, um eine hohe Abfindung zu kassieren. Ich wollte Kohle kriegen und sie Organisationen geben, die gegen Werbung arbeiten. Es wäre doch witzig, wenn die größte Agentur Amerikas den Kampf gegen die Werbung finanziert", so sein Kommentar.
Ja, es darf ruhig gelacht werden. Gerade, weil die Welt so traurig ist. Besonders die von Octave: Drogenexzesse, Abstürze, Arbeiten bis zur Erschöpfung. Auch mit den Frauen klappt es nicht: Oktave wird von seiner schwangeren Freundin Sophie (Vahina Giocante) verlassen. Was kaum verwundert, denn Octave weigert sich vehement, Vater zu werden. Trotzdem landet er plötzlich in Sophies Bauch und begegnet dem Fötus. Seiner wilden Kokserei sind auch andere Halluzinationen geschuldet. Später stolpert er in einen Werbespot hinein und brüllt die makellosen Protagonisten an: "So wie Sie sieht niemand aus, so lächelt niemand, Ihre Zähne sind zu weiß."
Die Realität ist nicht weniger hart. In Konferenzen, die Octave als "Sieben-Stunden-Wichserei" betitelt, wird mit einer Ernsthaftigkeit über die Dichte eines Werbespot-Rasens diskutiert, als ginge es um den Weltfrieden. Und es gilt auch dringend zu beachten, dass "der Joghurt mitten im Leben stehen muss".
Selten wurde gnadenloser mit der Werbebranche abgerechnet. Kalle Lasn, Begründer der "Adbusters", hat übrigens nachgerechnet: In seinem Buch "Culture Jamming" schreibt er, dass "täglich etwa zwölf Milliarden Displayanzeigen, drei Millionen Radiowerbungen und mehr als zweihunderttausend TV-Werbespots im kollektiven Unbewusstsein Nordamerikas abgeladen werden". Auch Beigbeder hält Zahlen bereit, die Kounen als moralische Botschaft an das Ende seines Films setzt: "Das weltweite Werbebudget beträgt 500 Milliarden Euro jährlich - zehn Prozent würden genügen, um den Hunger in der Welt abzuschaffen."