. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
31. Juli 2008, 08:39 Uhr

Die verkokste Werbewelt

Zurück zu Octave Parango (Jean Dujardin). Seine Situation scheint zunächst aussichtslos. Er ist des Lebens auf der Überholspur überdrüssig. Außerdem hat er die große Kampagne für den Joghurtriesen Madone an die Wand gefahren. Letzter Ausweg: Selbstmord. Er steht auf dem Dach des Hochhauses seiner Firmenzentrale und will sich in die Tiefe stürzen. "Der Mensch ist ein Produkt wie jedes andere - mit einem Verfallsdatum", lautet sein Mantra. Schließlich ist Octave Top-Texter der renommierten Werbeagentur Ross & Witchcraft.

Irgendwann reichen auch Sex und Drogen nicht mehr aus, um den Lebensekel zu betäuben© Alamode/DDP

Sein Erschaffer Frédéric Beigbeider arbeitete jahrelang bei Young & Rubicam und vermarktete unter anderem Büstenhalter, Nudeln und Joghurt. Irgendwann hatte er die Schnauze gestrichen voll. Sein Kumpel Michel Houellebecq bestärkte ihn darin, Interna und Intima aus der Werbebranche auszuplaudern. Nach Veröffentlichung seines Romans wurde Beigbeder sofort gekündigt. "Ich wollte mich feuern lassen, um eine hohe Abfindung zu kassieren. Ich wollte Kohle kriegen und sie Organisationen geben, die gegen Werbung arbeiten. Es wäre doch witzig, wenn die größte Agentur Amerikas den Kampf gegen die Werbung finanziert", so sein Kommentar.

"Ihre Zähne sind zu weiß"

Ja, es darf ruhig gelacht werden. Gerade, weil die Welt so traurig ist. Besonders die von Octave: Drogenexzesse, Abstürze, Arbeiten bis zur Erschöpfung. Auch mit den Frauen klappt es nicht: Oktave wird von seiner schwangeren Freundin Sophie (Vahina Giocante) verlassen. Was kaum verwundert, denn Octave weigert sich vehement, Vater zu werden. Trotzdem landet er plötzlich in Sophies Bauch und begegnet dem Fötus. Seiner wilden Kokserei sind auch andere Halluzinationen geschuldet. Später stolpert er in einen Werbespot hinein und brüllt die makellosen Protagonisten an: "So wie Sie sieht niemand aus, so lächelt niemand, Ihre Zähne sind zu weiß."

Die Realität ist nicht weniger hart. In Konferenzen, die Octave als "Sieben-Stunden-Wichserei" betitelt, wird mit einer Ernsthaftigkeit über die Dichte eines Werbespot-Rasens diskutiert, als ginge es um den Weltfrieden. Und es gilt auch dringend zu beachten, dass "der Joghurt mitten im Leben stehen muss".

Selten wurde gnadenloser mit der Werbebranche abgerechnet. Kalle Lasn, Begründer der "Adbusters", hat übrigens nachgerechnet: In seinem Buch "Culture Jamming" schreibt er, dass "täglich etwa zwölf Milliarden Displayanzeigen, drei Millionen Radiowerbungen und mehr als zweihunderttausend TV-Werbespots im kollektiven Unbewusstsein Nordamerikas abgeladen werden". Auch Beigbeder hält Zahlen bereit, die Kounen als moralische Botschaft an das Ende seines Films setzt: "Das weltweite Werbebudget beträgt 500 Milliarden Euro jährlich - zehn Prozent würden genügen, um den Hunger in der Welt abzuschaffen."

Von Sylvie-Sophie Schindler
1 2
weiter  
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
johnniedeamonic (31.07.2008, 14:57 Uhr)
@ auwei
das buch ist auchschon 7Jahre alt, damals noch "etwas" aktueller ;)
auwei (31.07.2008, 14:12 Uhr)
Alles...
...wahr, klar, wichtig und richtig. Aber mal im Ernst: Werbung ist doch längst unten durch, ist so mausetot wie Neoliberalismus, SUVs und Mao-Anzüge - und wer trampelt schon gerne auf einer Leiche herum? Nichtsdestotrotz mit Sicherheit ein unterhaltsamer Film.
Muri_Eren (31.07.2008, 12:10 Uhr)
Die Welt soll hungern!
"Das weltweite Werbebudget beträgt 500 Milliarden Euro jährlich - zehn Prozent würden genügen, um den Hunger in der Welt abzuschaffen."
Genau das ist doch die Kernbotschaft der "Werbung". Zufriedene Menschen konsumieren nicht. Daher laesst man sie nach der "ewigen Glückseligkeit", die wahrscheinlich erst am Sankt Nimmerleinstag eintreten wird, hungern. Das gilt für den nach Milch und Wasser hungernden Saeugling in der sog. "Dritten Welt" genauso wie für den speckbauchig-verfressenen Konsumenten der sog. "Ersten Welt". Allein die Kategorisierung der Menschheit in diese Werteskala kommt einem "Branding" gleich.
Ich bin gespannt auf den Film!
Muri Eren / Istanbul
MEHR ZUM ARTIKEL
11. September Beigbeders neuer Erfolgsroman

Der Countdown beginnt um 8.30 Uhr: Carthew und seine beiden Söhne haben genau noch eine Stunde und einundfünfzig Minuten zu Leben, bevor sie aus dem 107. Stockwerk des ersten Turms des World Trade Center in New York springen werden. mehr...

Marketinganrufe Besserer Schutz vor Telefonwerbung

Die Bundesregierung will Verbraucher besser vor unerwünschten Werbeanrufen und Vertragsabschlüssen am Telefon schützen. Den Bundesländern geht der Gesetzentwurf aber nicht weit genug. Betroffene können sich aber auch selbst helfen, wenn Störenfriede in der Leitung sind. mehr...

Reklame Werbung mit großen Namen

Sie schlemmen Nutella, trinken Martini und essen Kartoffelsalat. Stars machen Werbung - und Werbung macht Stars. Wissen Sie noch, wer was bewirbt? mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft