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27. November 2005, 10:44 Uhr

Irgendwie Mädchen, irgendwie Dame

Kameraprofi - ihre Karriere begann sie als Model© Robert Fischer

München-Schwabing, Türkenstraße 51 - die Amber Lounge, eine Boutique, die Bettina Zimmermann mit einer Freundin betreibt. Kein PR-Gag, sondern Zweitberuf. Und Ausgleich. In Zimmermann-Deutsch: "ein Laden für das Mädchen in der Frau" - womit sie die Kundinnen meint und sich selbst. Die Verkäuferin fällt ihr um den Hals, als sie den Laden betritt, Bettina Zimmermann sagt, man müsse die Wintermäntel aus dem Atelier runterholen. Und überlegen, ob man das Buffet wirklich rosa streichen soll oder einfach nur abbeizen. Eine Kundin fragt: "Habt ihr neue Schals?" Bettina Zimmermann sagt: "Die kommen morgen. Ganz schöne in Orangetönen." Und zu zwei jüngeren Damen: "Sie geben Bescheid, wenn wir was für Sie tun können?"

Am liebsten möchte sie einem alles auf einmal zeigen. Die fast durchsichtige Seidenbluse in Rot-Rosa-Gelb. Crèmes, die nach Schokolade duften. Das türkisfarbene Handtäschchen mit rosa Schleifchen, für 196 Euro, teuer, ja, "aber die kann man ein Leben lang tragen". Und die Stulpen da, "die habe ich entworfen, und gestrickt hat sie meine Schwester". Im Dezember und Januar hat sie drehfrei, da will sie sich nur um die Boutique kümmern.

Der Fotograf hat noch einiges vor. Einen Straßenkreuzer hat er gemietet, einen Mercedes 280 CE, was Bettina Zimmermann ziemlich "geil" findet. Eine Fahrt durch München, einen Nachmittag lang. Zimmermann im Auto, Zimmermann im Park. "Und kein Sat-1-Lächeln", sagt der Fotograf. Kalt ist es, aber sie murrt nicht. Wäre unprofessionell. Der Laufsteg lehrt Disziplin. 1994 gewann sie einen Model-Wettbewerb. Warb dann für D2 und Jacobs-Kaffee und rekelte sich sexy in einem Spot für Premiere World. Oliver Berben schubste sie ins Fernsehgeschäft; in seinem RTL-Psychothriller "Todsünden - die zwei Gesichter einer Frau" spielte sie eine ihrer ersten Rollen, an der Seite von Iris Berben.

Ihr Durchbruch war "Das unbezähmbare Herz", ein ARD-Kostüm-Zweiteiler. Sie spielte die Magd Angélique, etwas schwülstig war's, doch ordentlich gespielt, und man begann, die Zimmermann als Schauspielerin ernst zu nehmen. Der Produzent Nico Hofmann sah sie, war angetan und engagierte sie für "Die Sturmflut", die kommendes Jahr auf RTL zu sehen sein wird. Er war abermals angetan und besetzte sie hernach für die "Luftbrücke" als Luise, als "Trümmerfräuleinwunder", wie die "taz" schrieb. "Bettina ist mein Lieblings-up-coming-Star-Schauspielerin-Mensch", pries Hofmann sie im Frühjahr vor einer Journalistenschar, die den Set in Berlin-Tempelhof besichtigte.

Gewiss, es mag Darstellerinnen geben, deren Spiel nuancenreicher ist. Doch nach der ersten Vorführung der "Luftbrücke" war so mancher Kritiker überrascht, wie sie ihre Rolle ausfüllte: Luise, die Geliebte, Ehefrau und Mutter. Nein, der Zimmermann mag man gern zuschauen. Und sie ist ein Typ, wie er im deutschen Fernsehen inzwischen selten ist: 'ne richtige Dame.

18 Uhr, Schluss mit Fotoshooting. Bettina Zimmermann geht heute Fußball gucken, zum ersten Mal in echt, im Stadion, Bayern gegen Juventus. Morgen früh dann der Flug nach Hamburg, wo Journalisten sie zur "Luftbrücke" interviewen. Abends zurück nach München. Ein Freund, der bei ihr im Haus wohnt, hat bis dahin die Wäsche aus der Maschine geholt, die sie morgens angeworfen hat. Tags darauf weiter nach Bulgarien; dort haben sie das antike Pompeji nachgebaut für eine internationale Koproduktion, Bettina Zimmermann spielt eine Sklavin. Dann in Dresden ein Interview zur "Luftbrücke". Und die Premierenfeier in Berlin. Und hin und her.

Julchen ist übrigens noch immer Bettinas beste Freundin. Sie ist Musicaltänzerin in Bremen und inszeniert auch. "Julchen führt mein Traumleben", sagt Bettina Zimmermann. "Sie hat ein Kind. Familie zu haben ist das Höchste, und meine Freundinnen sagen, ich wäre eine tolle Mutter."

Wie? Steht bald wieder in der Zeitung: Iris Berben wird Oma? "Nein, ich hab noch Zeit. Wenn's kommt, kommt's. Und jetzt, bei den vielen Terminen, würde ein Kind doch zu mir sagen: Bei dir will ich gar nicht aufwachsen!" Und da lacht sie.

Kurz nach 18 Uhr. Sie steigt in den Mercedes, der Fotograf fährt sie nach Hause. Noch mal umziehen vor dem Fußballspiel. Keine zwei Minuten, und sie ist auf dem Sitz eingeschlafen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 47/2005

Die Luftbrücke Luise (B. Zimmermann) und General Turner (H. Ferch) Berlin 1948, die Amerikaner versorgen die Stadt aus der Luft. Luise Kielberg zieht ihren Sohn allein groß, ihr Mann Alex gilt als gefallen. Sie verliebt sich in General Turner, den Koordinator der Luftbrücke. Doch Alex kehrt zurück - Luise muss sich entscheiden. Bettina Zimmermann als Luise ist sehenswert, Ulrich Noethen als Alex grandios. Nur Heino Ferchs General erscheint wie eine Persiflage, als Retter der Welt mit Top-Gun-Sonnenbrille. Ein gelungener Film mit großen Gefühlen, aber einigen Defiziten. - 27./28. November jeweils um 20.15 Uhr auf Sat 1

Alexander Kühn
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