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2. November 2006, 08:28 Uhr

"Wir sind doch nicht Turkmenistan!"

Fischer am Ural fangen den seltenen Stör© Sergei Grits/AP

"Sich das Adrenalin auszuschütten"

Auch ist zu erfahren (Seite 18), dass in Kasachstan "das sportliche laienhafte Angeln sehr verbreitet" ist. "Der größte Fisch in Kasachstan, der Hausen schwimmt im Fluß Ural und er kann mehr als eine Tonne wiegen." Wer nicht Angeln mag, kann stattdessen das Meeresaquarium "Duman" besuchen. "Im Meerwasseraquarium von Astana sind solche Bewohner der südlichen Halbkugel vertreten, wie Heifische, Rochen, Muränen und andere exotische Einzelwesen mit originellen oder ganz gewöhnlichen Namen" (Seite 8). Und damit nicht genug: Wer Aktivitäten im Freien zu schätzen weiß, sollte den Abstecher ins Tyan-Shan-Gebirge zwecks "Rad-Auto-Moto-Safari (Seite 24) keinesfalls verpassen: "Die Autotour ist keine schlechte Möglichkeit, um die Neugier, die Leidenschaftlichkeit zu stillen, sich das Adrenalin auszuschütten."

Hauptstadt "erweitert sich jeden Tag durch neue Baukunstwerke"

Beginnen würde das offizielle Besuchsprogramm für Borat jedoch zunächst mit einer ausgiebigen Führung durch die Hauptstadt Astana - "eine der schönsten und perspektiven Städten Kasachstans" (Seite 4). Dass sie inmitten der kasachischen Steppe liegt, umgeben von Tausenden Kilometern Nichts, tut der Sache keinen Abbruch. Präsident Nasarbajew scheint diesen Ort gar sehr zu mögen. Kurzerhand hat er die Kapitale des Landes darum 1997 aus dem weit lieblicheren Almaty um 1200 Kilometer gen Norden verlegt. Das einstige Zelinograd wurde später in Akmola umbenannt, was auf Kasachisch so viel wie "Weißes Grab" bedeutet und ob der klimatischen Bedingungen (Schnee von November bis April, Kälte bis zu minus 40 Grad) auch kein ganz unpassender Name war. Nasarbajew entschied sich trotzdem für den praktischeren Namen Astana, was auf Kasachisch schlicht "Hauptstadt" heißt.

"Neue Hauptstadt von Kasachstan erweitert sich jeden Tag durch neue Baukunstwerke", verrät das Handbuch (Seite 4). Ein Besuch des neu errichteten "Bajterek-Turmes" sei hiermit dringend empfohlen: Oben einen begehbare und gülden verglaste Kugel, die dank innovativer Stahlstrebenkonstruktion wie auf einer Fontäne zu schweben scheint. Drinnen nebst Modellen der gigantischen Modellstadt - der Handabdruck des Präsidenten. Man kann die eigene Hand hineinlegen in diesen Bronzeguss und wird dafür belohnt mit ohrenbetäubendem Abspielen nationalen Liedguts.

Nach Brand heißt "Astana-Tower" Aschenbecher

In jedem Fall lohnt auch ein Abstecher zum Monument "Verteidiger der Heimat" (Seite 7), in dessen Zentrum - von wegen Frauenfeindlichkeit! - eine gütig lächelnde Frau steht. "Sie hält eine goldene Tasse in der Hand das Symbol des Friedens und Gedeihens." Der "Astana-Tower" ist dagegen derzeit nicht mehr im Besuchsprogramm enthalten. Das turmähnliche Hochhaus, im Volksmund ob seiner Form liebevoll "Feuerzeug" genannt, fiel im Sommer einer Feuersbrunst zum Opfer, bei der die obersten sechs Etagen komplett ausbrannten, weshalb die Astaner ihren Turm nun nicht weniger liebevoll "Aschenbecher" nennen. Zugegeben, davon steht kein Wort im "Kleines Reisehandführer", aber daran tragen vermutlich auch diese "dreckigen Schurken von Propaganda Usbekistans" (O-Ton Borat) schuld. An Kasachstans unwiderruflichen Aufstieg, auf seinem Weg in eine glorreiche Zukunft wird dieser kleine Rückschlag nichts mehr ändern können. Kasachstan kommt! Schließlich hat Präsident Nasarbajew mit seiner "Agenda 2030" ehrgeizige Ziele formuliert: Bis zum Jahr 2030 soll sein Land zu den 50 besonders konkurrenzfähigen Staaten der Welt gehören. Und die Hauptstadt Astana zu den 30 größten und wichtigsten Weltmetropolen. Borat hin oder her!

Borat-Film wird nicht in Kasachstan gezeigt

"Borat haben in Kasachstan Spitzenreiter von Kinobestliste verdrängt. Das war 'King Kong' - ohne Pause seit 1933", sagte "Zentralasiens bekanntester Star" (Borat über Borat) anlässlich der Premiere seines Films in London. Tatsächlich wird sein Film in Kasachstan keine großen Erfolge feiern können. Er wird schlicht nicht gezeigt. Außenminister Kassymshomart Tokajew sagte gestern: "Nein, das müssen wir uns nicht antun. Unser Volk hat das nicht verdient." Oder wie es eine Frau aus der diplomatischen Community Astanas fomuliert: "Wir sind doch nicht Turkmenistan!"

Von Jan Rosenkranz, Kasachstan
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