"Das Geheimnis seines Erfolges ist, dass alle hinter sein Geheimnis kommen wollen. Sie wollen feststellen, dass der Bad Boy in Wahrheit gar nicht so böse ist", beschreibt Alex Gernandt, Chefredakteur von "Bravo HipHop Special" die Anziehungskraft des Popstars von unten für stern.de. Das Publikum baute sich einen schönen Wilden, und wunderte sich doch immer wieder, wenn der Schöne wild war.
Bushido konnte es egal sein. Die Originalität seiner Musik ließ bald nach, in Interviews betonte er, dass es ihm sowieso nicht um Kunst, sondern nur ums Geld gehe, und er wurde zum erfolgreichsten Rapper Deutschlands: acht Alben, mit Preisen überhäuft, eigenes Plattenlabel, eigene Boutique mit eigener Klamottenlinie, Buch, Film sowie eine Villa im gediegenen Berlin-Dahlem. Der 31-jährige Millionär lebt einen "german dream", den viele Heranwachsende "mit Migrationshintergrund" träumen: ohne Abi, ohne Anpassung und ohne die Anerkennung durch eine Gesellschaft, die sie eh abgeschrieben hat, direkt zum Jackpot. Im Film formuliert der junge Ferchichi das so: "In eure Scheiß-Gesellschaft komme ich nie rein. Und weißt du was - ich scheiß' auf eure Gesellschaft."
Aktueller Höhepunkt in Bushidos "Scheiß drauf"-Karriere ist allerdings nicht die Filmpremiere von "Zeiten ändern dich", sondern ein Foto. Das zeigt den Berliner im Anzug neben dem lachenden Herrn Seehofer von der CSU, den er vor zwei Wochen auf dem Münchner Filmball traf. Dieser konservierte Handschlag war wichtiger als die nächste Goldene Schallplatte, wichtiger als der nächste Echo, wichtiger als ein 200.000-Euro-Diamant-Armband, das Bushido sich mal gekauft hat, nur weil er es konnte. Dieses Bild mit dem Chef der "Leitkultur-Partei" ist der Beweis dafür, dass er uns - wie gesagt - alle "gefickt" hat, dass wir alle tun, was er will - von Harald Schmidt, der ihn in seine Show einlädt, über Lieschen Müller, die ihr Zimmer mit seinen Postern tapeziert, bis zum Ministerpräsidenten von Bayern, der sich nicht entblödet zu sagen, dass auch seine Töchter Bushido hören. An Bushido kommt keiner vorbei.

Bushido mit Horst Seehofer beim Filmball© Ursula Düren/DPA
Denn auch wenn wir nicht zu denen gehören, die CDs, Buch, T-Shirts und Kinotickets kaufen, dann doch zu denen, die sich verkaufsfördernd über ihn aufregen ("Rüpelrapper", "Frauenhasser", "Abschaum"), Gerüchte kolportieren ("Er hatte Sex mit 500 Frauen"), einschalten, wenn er in Talkshows mit charmanter Eloquenz zum hundertsten Mal erzählen darf, dass seine Schwulen- und Frauenfeindlichkeit nur falsch verstandene Metaphern seien. Bushido lässt niemanden kalt. Das ist sein stärkstes Verkaufsargument. Und es ist nicht nur Platten-Gold wert.
Laut der Jugendzeitschrift "Bravo", die ihn regelmäßig zum Thema macht und ihn mehrfach aufs Cover hob, belief sich sein Vermögen schon im Jahr 2007 auf 2,4 Millionen Euro, die 1,2 Millionen Euro teure Villa nicht mit eingerechnet. Dort wohnt er mit Freundin, Mutter und zwei Hunden und versucht, ein Leben zu leben, das ihm als Kind unerreichbar schien. Als Familie, ohne Mangel, friedlich und kontinuierlich. Bushido empfindet das Wort "Spießer" nicht als Beleidigung. Es ist sein Ziel. "Hecken schneiden" ist sein Sprachbild dafür. Es ist ein großes Missverständnis, ihn für einen Avantgardisten, Anarchisten oder Punk zu halten. Er ist wertkonservativ wie der rechte Rand der CSU. Nur hat er für deren Geschmack die falsche Haar- und Augenfarbe. Aber das Geld stimmt ja jetzt und öffnet ihm alle Türen.
Eine satte Antwort auf die trotzdem nagende Frage, was das denn alles soll, gibt es im Film. Da schreit der junge Anis Ferchichi: "Ich mach das, damit alle wissen, dass ich da war". Da das geklärt ist, könnte er ja nun wieder gehen.