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9. Oktober 2008, 11:39 Uhr

Der Shootingstar des deutschen Films

Daniel Brühl war für Kross auch am Set der "Altgeselle" - nicht als Zauberer, sondern als Schauspieler© Marco Nagel

Während der "Krabat"-Dreharbeiten in den rumänischen Karpaten ist die Schauspieler-Truppe jeden Morgen in aller Frühe eineinhalb Stunden mit dem Bus zur Mühle gefahren, dem Filmdomizil des düsteren Meisters und seiner Zauberlehrlinge. Manchmal mussten sie anhalten, weil ein Bär über die Fahrbahn lief. Sie haben Wölfe heulen gehört. "Unberührt und magisch", erschien Kross das alles. Und ein bisschen wie eine Klassenfahrt. Am Abend sahen sie zu, wie der "Drehdreck" von der Mühle den Ausguss der Hoteldusche hinuntergurgelte. Im Gegensatz zu Brühl, der Preußlers Bestseller noch aus Teenagertagen kannte, hat Kross das Buch erst vor dem Projekt gelesen.

"Eine zarte, ehrliche Liebesgeschichte"

Das Märchen aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg erzählt vom obdachlosen Jungen Krabat, der in einer verwunschene Mühle aufgenommen wird, die Gemeinschaft mit anderen Müllersgesellen erlebt, in Schwarzer Magie unterrichtet wird und nach seiner anfänglichen Naivität die Merkwürdigkeiten des Menschenknochenmahlens zu hinterfragen beginnt. "Diese Entwicklung fand ich als Schauspieler wahnsinnig spannend, diese Bandbreite und Komplexität spielen zu dürfen", sagt Kross. Der Erzählzeitraum beträgt sechs Jahre. Kross altert darin schnell, und er tut es glaubwürdig.

Im Film ist Daniel Brühl Tonda, ein Altgeselle und der Mentor Krabats. Es hat sich zwischen den Beiden am Set eine ganz ähnliche Beziehung entwickelt. Auch wenn der Ältere immer wert darauf gelegt hat, nicht wie ein Lehrer aufzutreten. Brühl hat Kross trotzdem Tipps gegeben, wie man die Kamera im Hinterkopf behält etwa.

Brühl hat es immer abgelehnt, sich an einer Schauspielschule zu bewerben. Kross denkt zumindest darüber nach. Er hat nach der elften Klasse gerade das Gymnasium mit der Mittleren Reife verlassen, um sich aufs Spielen zu konzentrieren. "Es ist wichtig, den Mittelpunkt zwischen Instinktschauspielerei und Technik zu lernen", sagt er. Für den Technikteil hält er eine Schule ganz sinnvoll. "Das sollte man nicht unterbewerten."

Eher schüchtern

Er klingt manchmal ziemlich abgeklärt, zum Beispiel wenn man ihn nach Vorbildern fragt: "Als Schauspieler musst du immer noch ein Stück du selbst sein, deinen eigenen Weg finden, deine eigene Arbeit machen." Und auch, wenn er über eines der großen "Krabat"-Themen spricht, die naive, bedingungslose Liebe, gegen die es keinen Zauber gibt: "Ich glaube, dass man Liebe nicht begreifen kann. Ich glaube, wenn man anfängt über Liebe zu sprechen, zerstört man es schon. Entweder passt es oder es passt nicht. Für den Film ist es eine zarte, ehrliche Liebesgeschichte. Das war mir wichtig, das zu erzählen."

Den gealterten Krabat kann nur sie befreien© Marco Nagel

Krabat verliebt sich in die bezaubernde Kantorka, die mit ihrer bedingungslosen Zuneigung den Fluch von der Mühle und den Gesellen nehmen kann. Es wäre eine schöne Boulevardgeschichte geworden, wenn sich auch der junge Kross in die schöne Darstellerin verliebt hätte, so wie es mit Alexandra Maria Lara und Sam Riley in dem Joy-Division-Film "Control" geschah. Mit solchen romantischen Sperenzchen kann Kross aber nicht dienen. "Nein, das ist nicht passiert", sagt er, und es klingt sehr geschäftlich.

Der ganze Medienrummel scheint ihm suspekt. Als er wegen "Knallhart" während der Berlinale vor den Journalisten stand, war er so aufgeregt, dass er kaum etwas sagen konnte: "Ich stehe vom Typ her nicht so gerne im Mittelpunkt. Man muss versuchen, das so gut als möglich zu erledigen."

Die Scheiß-Filme der Großen

Er weiß, dass es nach diesem unglaublichen Start nicht leichter werden wird. Und dass er auch Filme drehen wird, die nicht so gut ankommen, aber die Miete bezahlen. "Jeder große Schauspieler hat auch Scheiß-Filme gedreht - oder jeder, den ich groß fand. Das wird auch mir noch passieren. Wer weiß. Mein Gott. Man versucht sein Bestes zu geben", sagt er. Zunächst allerdings macht er erst einmal Urlaub.

Von Johannes Gernert
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