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17. Dezember 2009, 11:34 Uhr

Warum "Avatar" das Kino verändert

Avatar - Aufbruch nach Pandora, James Cameron, Sigourney Weaver, Sophie Albers

Der Dschungel von Pandora© Screenshot by Peter Zschunke/AP

Bleibt die Geschichte, an der sich der Zyniker vom Romantiker scheidet. Cameron war schon immer Romantiker: Der Mann ist zum fünften Mal verheiratet. In ferner Zukunft kommt der querschnittsgelähmte Soldat Jake Sully (Worthington) auf den fernen Planeten Pandora, wo blauhäutige Wesen namens Na'vi ein naturverbundenes, einfaches Leben führen. Allerdings steht ihre Wohnstatt auf kostbaren Mineralvorkommen, die die Menschen ausbeuten wollen, nachdem sie die Erde erfolgreich verschrottet haben. Neben den geldgeilen Industriellen gibt es aber auch Wissenschaftler, die das blaue Volk erforschen. Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) leitet eine Versuchsreihe, in der das menschliche Bewusstsein in künstlich gezüchtete, blaue Alienkörper übertragen wird. So kommt Soldat Jake Sully wieder auf die Beine. Sein blaues Ich freundet sich mit den Na'vi an und steht plötzlich vor der uralten philosophischen Frage der Trennung von Körper und Geist. Aber auch bodenständigere Probleme stehen an wie Loyalität, Frauen und Krieg. Cameron hat so ziemlich alles reingepackt, aber das wie immer so gut sortiert, dass sich jeder nehmen kann, was er will, ohne das gesamte Angebot überhaupt wahrnehmen zu müssen.

Natürlich hat "Avatar" auch eine Botschaft. Die geht über das übliche Hollywood'sche Mitgefühl hinaus. Es geht um das Verhältnis von Mensch und Natur, was in Zeiten des Klimagipfels aktueller ist denn je. "Wenn wir nichts ändern, werden wir nicht überleben", fasst Cameron die Zukunft der Menschheit zusammen. Sigourney Weaver, die übrigens 20 Jahre nach "Aliens" erstmals wieder mit Cameron gedreht hat, glaubt hingegen, dass die menschliche Gier längst gewonnen hat. Die dazugehörigen "Avatar"-Bilder erinnern mal an Hayao Miyazakis Meisterwerk "Prinzessin Mononoke", mal an Peter Jacksons "Der Herr der Ringe". Aber das findet Cameron in Ordnung.

Keine Schuldgefühle

Geldsummen mit verdammt vielen Nullen, vorangetriebene Technik, 3D, eine einfache, wenn auch vielschichtige Geschichte: Das ist alles zu kleinteilig für eine krachende Revolution. Auch dass es ein Computerspiel zum Film gibt, ist nichts Neues. Immerhin kam "James Cameron's Avatar: Das Spiel" schon zwei Wochen vor dem Film auf den Markt. Es spielt auf Pandora, zwei Jahre bevor Jake Sully in seinen blauen Körper schlüpft. "Es war für uns die Möglichkeit, die Welt von 'Avatar' zu erweitern", sagt Produzent Jon Landau mit Pokerface. "Unterhaltung lässt sich heute nicht mehr auf ein Medium beschränken." Ja, wissen wir auch schon.

Nein, man muss sehr genau hingucken, um das Neue an "Avatar" wertschätzen zu können, denn es geht ums Detail. Das feuchte Glitzern der Augen eben, die Mikroreaktionen der Pupillen, das Rascheln des winzigsten Blättchens im Pandora-Dschungel, die Aktualität der dunklen Seiten der Menschlichkeit in der Zukunft. Aber Details haben es immer schwer, womit wir wieder bei den Verhandlungen von Kopenhagen sind.

Eine grobe Frage muss Cameron sich aber trotzdem stellen lassen: "Ist es nicht verantwortungslos, in Zeiten der Finanzkrise den teuersten Film der Welt zu machen?" Camerons Augen glänzen hart und weich zugleich: "Ich habe null Schuldgefühle für irgendwas!" Dann lächelt er, in festem Vertrauen auf die Augen seiner Zuschauer, die die Großartigkeit seines Werkes schon erkennen werden.

Von Sophie Albers
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