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4. April 2008, 15:19 Uhr

Hör mal, wer da spricht

Ein anderer Sender soll die Qualitätsdiskussion um die Synchronarbeit an einer Serie mit den Worten "Hauptsache deutsch" beendet haben, erzählen sich die Synchronsprecher. Obwohl sie die stimmgewaltigsten der Branche sind, wurde ihre Stimme bisher immer überhört. Synchronregisseure und Synchronschauspieler haben sich auch deshalb seit 2006 in eigenen Verbänden organisiert. "Uns geht es vor allem um die Qualität der künstlerischen Arbeit und eine vernünftige soziale Absicherung", betont Nicolas Böll, Verbandssprecher des Interessenverbandes Synchronschauspieler (IVS) mit Sitz in Berlin. 365 Mitglieder hat sein Verband, im Bundesverband deutscher Synchronproduzenten (BVDSP) sind 23 Synchronfirmen organisiert. Der BVDSP gibt jetzt auch eine Gagenempfehlung heraus, die zeigt, was ein Synchronsprecher bekommen könnte.

Unstete Auftragslage

Synchronsprecher werden immer nur für einzelne Produktionen engagiert, mal ackern sie eine Woche fast rund um die Uhr, mal gibt es einen Monat gar keinen Auftrag. Abgerechnet wird in Takes, wie die einzelnen gesprochenen Szenen heißen. Vor 15 Jahren bekam ein Sprecher sieben Mark pro Take, heute sind es 3,50 Euro. Das Arbeitspensum pro Studiotag ist dagegen um 30 Prozent gestiegen. Das bedeutet oft auch: Der erste Take muss sitzen.

Nach einer Vergütungsempfehlung der Gewerkschaft ver.di sollen für einen Take drei Euro und einmalig 50 Euro pro Tag fürs Kommen gezahlt werden. 30 bis 35 Takes schaffen die Synchronschauspieler in einer Stunde. Wie viel tatsächlich bezahlt wird, bestimmt auch der Standort des Synchronstudios. In Berlin sind es nur 2,50 pro Take und 25 Euro pauschal, die Münchner zahlen im Durchschnitt 3,50 und 53 Euro. Wer die ganz großen Hauptrollen spricht, der kann mehr verlangen, bis zu 5 Euro pro Take und 100 Euro fürs Kommen. Doch das sind ganz wenige. Christian Brückner vielleicht, der seit 1974 Hollywoodlegende Robert de Niro auf Deutsch spricht und als "die Stimme" gilt.

Verwirrung bei der Rentenversicherung

Doch nicht nur der Verdienst ist meist nicht berauschend, auch mit der sozialen Absicherung der Sprecher sieht es schlecht aus. Mit Hunderten von Auftraggebern und ihren unsteten Arbeitszeiten passen die Synchronsprecher nicht in das Raster der deutschen Sozialversicherungsgesetze und werden oft auf vier verschiedene Arten abgerechnet. Bei der deutschen Rentenversicherung herrscht deshalb schon seit Jahren Verwirrung. Sind sie angestellt, sind sie selbstständig, sind sie "unstetig beschäftigt"?

Dass viele Synchronschauspieler sorgenvoll in die Zukunft blicken, liegt nach Meinung von Jurymitglied Peter Kirchberger auch an der Hysterie in der Filmbranche, von der die Synchronindustrie abhängig ist. "Die Kirchkrise war so ein hysterisches Konstrukt und wirkt bis heute nach. Es gab noch immer genug zu synchronisieren, nur hatte keiner mehr den Mut Aufträge zu erteilen". Vier von fünf Studios seien damals Pleite gegangen, schätzt der Hamburger. Im Winter 2007 brachte der dreimonatige Streik amerikanischer Drehbuchautoren, die wie die Synchronsprecher über unklare Verhältnisse bei Rentenzahlungen und Krankenversicherungszuschüssen klagen, die nächste Krise: "Weil es kaum neue Drehbücher gibt, hatten wir 30 bis 40 Prozent weniger Synchronaufträge", schätzt Rainer Brandt. Bleibt zu hoffen, dass für die Auftraggeber der Synchronbranche bald wieder die Qualität und nicht der Preis im Vordergrund steht. Denn wenn plötzlich Julia Roberts nicht mehr nach Daniela Hoffman klingen würde, wäre dass ein wenig so, als wenn man eine CD von Elvis kauft, und darauf singt Robbie Williams. Der singt auch nicht schlecht - aber erwartet hatte man eigentlich etwas anderes.

Von Dana Trenkner
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KOMMENTARE (1 von 1)
 
troller (04.04.2008, 17:49 Uhr)
hat
Jodie Foster eine männliche Synchronstimme?
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