
Filmszene: Eine Ärztin untersucht die hochschwangere Juno MacGuff (Ellen Page)© Constantin Film
Ja, das wusste ich und deshalb ist daraus auch genau diese Geschichte geworden. Ich konnte all die Charaktere und ihre Beziehungen bereits vor dem Schreiben sehen, das machte es für mich extrem mühelos.
Ich hatte wirklich Glück. Normalerweise schicken die Autoren das Drehbuch zum Regisseur und das war's. Aber die Zusammenarbeit mit Jason Reitman war einfach fantastisch: Er hat mich in so viele Entscheidungen involviert - nur bei der Musik habe ich nicht mitgewirkt. Da hatten Jason Reitman und Ellen Page einfach die richtigen Instinkte und haben einen wundervollen Soundtrack gemacht.
Natürlich habe ich Jason beim Casting die Verantwortung überlassen. Wir können beide sehr gut unterscheiden, wo es sinnvoll ist, sich einzumischen und wo man den anderen einfach mal machen lässt. Deswegen funktioniert unsere Zusammenarbeit so gut.
Ja, das wäre toll. Ich könnte mir vorstellen, daraus ein Drehbuch zu machen. Es ist wirklich unterhaltsam und die Leute scheinen es zu mögen. Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, passiert nicht so viel darin. Vielleicht ist es für einen Film doch nicht interessant genug. Im Prinzip ist es die Geschichte von einem Mädchen, das Stripperin wird, sich nach einem Jahr in den Nachtclubs langweilt und wieder damit aufhört. Das ist alles. Ich werde in meiner Geschichte noch nicht einmal festgenommen, werde nicht erschossen. Das ist doch langweilig, es ist wie ein Tagebuch. Aber ich werde es in Reserve halten - und wenn ich eines Tages gar keine Ideen mehr habe, hole ich es vielleicht wieder hervor.
Oh, "Showgirls" hat mir sehr gut gefallen, ich mochte den Film. Aber es gibt niemanden, der jemals einen realistischen Film über Striptease gemacht hat.
Oh nein, ich könnte niemals eine Schauspielerin sein. Aber in der Tat produziere ich gerade etwas, unter anderem eine TV-Show mit Steven Spielberg. Und ich würde wahnsinnig gern mal Regie führen. Aber nein, die Schauspielerei könnte ich mir nicht vorstellen.
Das ist doch keine Schauspielerei! Das war zum Überleben, damit habe ich Geld verdient!
Also, ich erkläre es mir so: Für mich ist es der blanke Horror, morgens aufzuwachen und für einen streng reglementierten und unzufriedenstellenden Job aufzustehen. Ich hatte als Stripperin meinen Spaß, konnte den lieben langen Tag schreiben, habe dann ein paar Stunden getanzt und bin dann wieder nach Hause gegangen. Zuvor war mein Leben sehr strukturiert, in meiner Zeit als Stripperin hatte ich zum ersten Mal das Gefühl von Autonomie. Ich erinnere mich daran, dass es mir manchmal auch schmutzig und degradierend vorkam. Es mag vielleicht komisch klingen, aber für eine Weile war das sehr aufregend für mich! Direkt danach bin ich dann Journalistin geworden.
Es hat meine Eltern schon aufgebracht, aber viele Leute hätten es sicherlich schlechter verkraftet. Am Ende waren sie richtig glücklich, als es veröffentlicht wurde. Das hat ihre Verlegenheit dann relativiert. Meine Tante ist, glaube ich, immer noch erschüttert. Und irgendwie bin ich das ja auch, aber ich kann und will diesen Teil meines Lebens ja auch nicht streichen, ich war nun einmal eine kurze Zeit lang von Beruf Stripperin. Es handelt sich dabei übrigens gerade mal um ein Dreißigstel meines bisherigen Lebens.
Nein! Oh nein. Und mir hätte wirklich Schlimmeres passieren können als nun mit einem Oscar ausgezeichnet zu werden (lacht).
Interview: Kathrin Buchner
Mitarbeit: Julia Stanek