Wie wichtig ist es, dass man bei Action-Szenen die körperlichen Bewegungen nachvollzieht? Beim Synchronisieren darf man sich eigentlich nicht bewegen. Ein wenig macht man das aber trotzdem immer. Wenn ein Schauspieler im Film telefoniert und den Kopf dabei schräg hält, macht man das als Synchronsprecher auch. Als Synchronregisseur rate ich oft neuen Kollegen, die Mundbewegungen des Schauspielers zu imitieren. Also wenn der die Kiefer vorschiebt, das auch zu tun. Du sitzt dann sofort auf dem Gesicht von dem Schauspieler drauf. Wenn der Schauspieler rennt, ist das natürlich eine Technik-Frage, das zu simulieren. Es gibt sogar Synchronsprecher, die einen Sprint im Sitzen simulieren können. Es ist ein Handwerk, das viel mit Schauspiel und Technik zu tun hat. Nur eine schöne Stimme zu haben, reicht nicht aus. Gibt es Schauspieler, die Sie gerne einmal synchronisieren würden? Da mein Sohn gerade das Dschungelbuch entdeckt hat, würde ich gerne mal Balu den Bären synchronisieren. Haben Sie die Schauspieler mal getroffen, die Sie sprechen? Ich habe Adam Sandler bei einer Premiere getroffen. Sehr nett. Edward Norton habe ich auf der Premiere von "American History X" kennen gelernt. Ein sehr sympathischer, ganz bescheidener, zurückhaltender Typ. Die waren auch sehr interessiert an meinem Job und haben sich nach meiner Arbeit erkundigt. Das kennen die ja aus Amerika gar nicht.
Klar - als Schauspieler gibt man einen Teil der Macht an den Synchronsprecher ab. Das ist auch nicht zu unterschätzen. Ich habe es mehrfach erlebt, dass sich das Publikum über eine schlechte Synchronisation beschwert hat. Das ist den Amerikanern mehr und mehr klar geworden, deswegen wollen sie immer öfter mitentscheiden, welche deutschen Stimmen besetzt werden. Ich würde mal sagen, zu 60 Prozent besteht die deutsche Unterhaltungsindustrie aus synchronisierten Fassungen fremdsprachiger Filme. Deswegen ist es meiner Meinung nach so wichtig, dass die Arbeit gut gemacht wird. In vielen Filmen und Serien hat man sich so an die Synchronstimme gewöhnt, dass man das Original gar nicht mehr hören mag. "Laurel und Hardy" ist so ein Beispiel. Wunderbar! Interessant ist es auch bei Bruce Willis. Der hat im Original eine recht jugendliche Stimme. Manfred Lehmann, sein Synchronsprecher, klingt dagegen ganz hart und kernig. Grundsätzlich find' ich es durchaus erlaubt, wenn man eine andere Stimme nimmt. Hauptsache, der Charakter bleibt erhalten. Das legendärste Beispiel für eine gelungene Synchronisierung ist aber "Die Zwei". Im englischen Original eine recht langweilige Serie, die deutsche Version ist der Brüller schlechthin. Das lag an der eigenwilligen Übersetzung von Rainer Brandt. Genau. Der eine bestimmte Art von Synchronisation eingeführt und seinen eigenen Witz daraus gemacht. Rainer Brandt ist schon eine Ikone im Synchronuniversum. Der hat eine bestimmte Art zu synchronisieren eingeführt. Er hat gefragt: Was ist denn wichtig in einem Satz? In einem Satz muss man nur die wichtigen Worte verstehen - nicht jeden einzelnen Konsonanten. Es hängt natürlich immer alles vom Film ab. Es sollte unsere Aufgabe sein, die Sprache und den Charakter des Films so gut es geht ins Deutsche zu übertragen. Und je mehr das Gefühl entsteht, 'Hey! Der Film ist ja auf Deutsch gedreht', desto besser haben wir unseren Job gemacht.
Wie genau es Dietmar Wunder schafft, so grundverschiedene Charaktere zu synchronisieren, demonstriert er an einem Beispiel. Den legendären Satz "Mein Name ist Bond, James Bond" gibt er in zwei Versionen: Wie Daniel Craig ihn sagt - und wie Adam Sandler ihn sprechen würde.