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30. April 2010, 15:17 Uhr

Roland Emmerich sprengt Shakespeare

Anonymous, Roland Emmerich, Shakespeare, Vanessa Redgrave, Rhys Ifans

Vanessa Redgrave und Roland Emmerich© Lennart Preiss/ddp

Dann ist es endlich egal, dass Emmerichs Ruhm vor allem darauf basiert, einst das Weiße Haus gesprengt zu haben. Vanessa Redgrave ("Mrs Dalloway", "Abbitte") hat in "Anonymous" die Rolle der Elisabeth I. übernommen, die Regentin zu Shakespeares Zeiten. In der Kulisse des Rose Theatre spricht die Grand Dame der Bühne und Leinwand von der Magie der Sprache in Shakespeares Kunst, den Brüchen im Charakter der Königin, von der Verzweiflung, der Sehnsucht und der Hoffnung, die Menschen auch heute noch in den mehr als 400 Jahre alten Texten finden. Und während Redgrave mit leuchtenden Augen berichtet, flackern und rußen echte Kerzen in der milden Babelsberger Abendbrise.

Auch Schauspieler Mark Rylance wird dafür sorgen, dass Shakespeare drin ist, wo Shakespeare drauf steht: Er war zehn Jahre lang Leiter des Shakespeare's Globe Theatre in London. Er hat zuweilen die Aura des Wächters eines heiligen Grals, wenn er über Erstausgaben und Versionenvergleiche der berühmten Theaterstücke spricht. Dagegen wirkt Rhys Ifans ("Notting Hill", "Radio Rock Revolution") fast wie ein Rockstar. Doch auch ihn hat Shakespeare gepackt: Der Film "ermöglicht uns einen Zugang zu dem Zauber dieses Autors - wer immer er auch war", so Ifans, der in "Anonymous" die Rolle des Edward de Vere übernimmt, der angeblich in Wahrheit Urheber der gefeierten Dramen und Gedichte war.

Apropos Urheber: Ein politischer Thriller soll "Anonymous" sein. Die Fragen von Kunst und Kreativität seien eingebettet in die Intrigen um die Nachfolge von Königin Elisabeth I., führt Autor Orloff aus. Vielleicht gelingt es dem vorausschauenden Emmerich auch darin mal wieder, drängende Fragen unserer Zeit auf den Punkt zu bringen. Wo fängt die Kunst an, und wie viel ist sie uns wert in Zeiten von Antipiraterie-Gesetzen und Copy-und-Paste-Autoren wie Helene Hegemann? Über das Erderwärmungsszenario von "The Day After Tomorrow" haben damals viele gelächelt. Und das ist gerade mal sechs Jahre her.

Von Sophie Albers
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KOMMENTARE (4 von 4)
 
Josh67 (01.05.2010, 15:26 Uhr)
Mist
Unglaublich, dass sich überhaupt noch jemand seinen Mist anschaut.
dist-bln (01.05.2010, 11:17 Uhr)
großer Mist
Emmerich hat es immer wieder geschafft, platte Drehbücher in monumentalen Kitsch zu verwandeln- wenn die Spezialeffekte nicht wären, würden die Zuschauer reihenweise einschlafen... Mamuts an den Pyramiden, Säbelzahntiger etc... dagegen wirkt selbst jede "Indiana Jones"- Episode wie eine werktreue Wiedergabe der Geschichte...
Wesemann (30.04.2010, 20:33 Uhr)
Name oder Pseudonym
Nun ja, nicht von einem anderen Autor gleichen Namens, sondern von jemandem, der sich den Namen Shake-Speare als Pseudonym wählte. Unbestreitbar hat Will aus Stratford etwas mit der Herausgabe der Stücke zu tun, aber nicht mit deren Entstehung. Egal, welche "orthodoxe" Shakespeare-Biographie man liest, man hat, wenn man ehrlich ist, stets das Gefühl, über zwei verschiedene Persönlichkeiten zu lesen. Es sind viele Kleinigkeiten, die gegen den Mann aus Stratford als Autor sprechen, und dies ist nicht der Ort, sie aufzuzählen.
Außerdem war und ist es nichts Neues, dass manche Personen gezwungen sind, ihre Werke über einen Strohmann zu veröffentlichen. Ein gutes Beispiel ist der Drehbuchautor des schönen Audrey-Hepburn-Films "Ein Herz und eine Krone". Offiziell stammt das Drehbuch von Ian McLellan Hunter. Allerdings war er nur Strohmann für Dalton Trumbo, der wegen der Kommunistenhatz in der McCarthy-Ära gezwungen war, unter anderen Namen zu schreiben. Dieser Umstand - und viele andere - kam erst Ende der Neunziger Jahre heraus, als sich die amerikanische Screenwriters' Guild daran machte, die falsch verliehenen Lorbeeren der 50er und 60er Jahre zu korrigieren. Wenn es in unserer Zeit also möglich ist, sich hinter einem Strohmann zu verstecken, um wie vieles leichter war es dann um 1600?
Ein sehr gutes Buch zu dem Thema ist übrigens "Shakespeare's Unorthodox Biography" von Diana Price.
joschitura (30.04.2010, 19:42 Uhr)
Der wahre Shakespeare
Die wirkliche Wahrheit über den Schwan vom Avon lautet: "Shakespeares Werke wurden nicht von Shakespeare geschrieben, sondern von einem anderen Autor gleichen Namens."
Ach ja - und noch was: Shakespeare hat sämtliche Neu-Interpretationen und blödsinnigen "Hamlet Nackt"-Inszenierungen durchgeknallter Regie-Dilettanten überstanden, da wird er die Verwurstelung durch das "Sindelfinger Spielbergle" auch noch überstehen.
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