"Mit dem Silver Surfer taucht dieses Mal eine neue Figur auf, die einer der coolsten Comic-Charaktere aller Zeiten ist", schwärmte Regisseur Tim Story zu Beginn der Dreharbeiten. "Deswegen haben wir mit größeren Stunts, mehr Action und mehr CGI-Effekten noch einen draufgesetzt." Einen draufgesetzt hat Story mit der Fortsetzung allemal. Keine Comicverfilmung der letzten Jahre lieferte bisher solch eindimensionale Charaktere, eine zähe Story, die sich nur mühsam von Szene zu Szene hangelt und ein Potpourri an gewolltem Humor. Eichingers Silver Surfer debütiert als chromverzierter Außenseiter mit gefühlten zehn Zeilen Text.
Nichtsdestotrotz scheint Regisseur Tim Story dieses Mal an sein weibliches Publikum gedacht zu haben, sodass ein Großteil der ersten sechzig Minuten von Reed "Mr. Fantastic" Richards' (Ioan Gruffudd) und Sue "Invisible Girl" Storms (Jessica Alba) Hochzeitsvorbereitungen überschattet wird. Begleitet wird das Traumpaar von einer Depression, die vor allem unter Superhelden um sich zu greifen scheint: Wie dunkel sind die Schattenseiten des Ruhmes? Warum nicht aufs Land ziehen, unterrichten und kleinen Superhelden beim Aufwachsen zusehen?
Da sind selbst Ben "Das Ding" Grimm (Michael Chiklis) und Johnny „Die menschliche Fackel“ Storm (Chris Evans) dazu bereit, ihre ständigen Reibereien zumindest kurzzeitig auf Eis zu legen. Ansonsten lässt das ungleiche Duo keine Gelegenheit aus, um die Pubertät aufleben zu lassen.
Und obwohl "Das Ding" seit der zu langen Garzeit in der Strahlenwolke felsig und plump daherkommt, sorgt Jessica Alba mit androidblauen Augen und einer pantomimischen An-Aus-Mimik für neue Tiefpunkte. So war die Entscheidung, Chris Evans nach seinem Erfolg mit "Sunshine" die Hauptrolle zu geben, durchaus klug. Doch spätestens nach der einzig sehenswerten Stelle in diesem 90-Minüter, der Hetzjagd auf den Silver Surfer quer durch das New Yorker Tunnelsystem, lässt der Heißsporn dumme Sprüche regnen. Bedauerlicherweise kennt das Publikum die spannendste Szene schon aus dem Trailer.
Respekt gebührt - trotz jeder Menge Styropor und Latex - Michael Chiklis in der Rolle des Mensch gewordenen Fels. Während sein Team aus einem Glamour-Pärchen à la Brad und Angelina und einem draufgängerischen Frauenheld besteht, wurde er zum entstellten Monster. Neben übertriebener Elefant-im-Porzellanladen-Komik bringt "Das Ding" ein wenig Tiefe in den Plot. Leider haben die Maskenbildner versagt: Pjörnrachzarck, der Felsenbeißer aus Wolfgang Petersens "Die unendliche Geschichte" ist dem "Ding" in Sachen Felsoptik um Äonen voraus. Man befürchtet, die orangenen Pappplatten könnten jederzeit abbrechen. So ist der Film vor allem eines: Kurz, aber langweilig.